Christliche Themen für jede Altersgruppe

Spaziergang durch das Münster

ULM – Wolfgang Schöllkopf hat als ehemaliger Jugendpfarrer in Ulm eine besondere Beziehung zum Ulmer Münster aufgebaut und ein Buch über das Bauwerk aus „Licht und Stein“ geschrieben. Auf einem Spaziergang mit dem Autor, Historiker und Theologen durch das Münster zeigt Schöllkopf seine ­Lieblingsorte in diesem rekordträchtigen Kirchenbau. 


Erbaut aus Licht und Stein – nicht nur für die Baumeister ist das Ulmer Münster ein besonderer
Ort. (Foto: Dagmar Hub)

Drei Gotteshäuser, sagte Martin Luther, seien zum Predigen ungeeignet: der Petersdom in Rom, der Kölner Dom und das Ulmer Münster. Die Größe der Kirchen mache es dem Prediger schwer, die Zuhörer zu erreichen. Trotzdem ist die Kanzel des Ulmer Münsters einer der Lieblingsorte von Wolfgang Schöllkopf, der 1998 bis 2006 Jugendpfarrer in Ulm war und 2007 zu Fotografien von Nadin Haas den theologisch-historischen Text für den Band „Das Ulmer Münster – erbaut aus Stein und Licht“ schrieb. Jetzt erschien eine überarbeitete Neuauflage des Bandes, für Touristen auch in den Sprachen Englisch, Französisch und Italienisch.

Was den landeskirchlichen Beauftragten für württembergische Kirchengeschichte an der Kanzel des Ulmer Münsters fasziniert? „Jörg Syrlin schuf im Kanzeldeckel eine zweite Kanzel für den Heiligen Geist; er war überzeugt, dass eine Predigt keinen Sinn hat, wenn der Heilige Geist seine Kanzel nicht auch betreten kann“, erzählt Schöllkopf. Wer als Pfarrer auf der Kanzel des Münsters steht, hat die Säulenfigur des Paulus, der die Hand erhoben hat, als Gegenüber. „In der Sprechanweisung des Münsters heißt es, dass der Münsterprediger Paulus das Evangelium in die Hand versprechen muss“, erklärt Schöllkopf.

Am schönsten aber empfindet Wolfgang Schöllkopf den Moment, wenn er das Münster von der Turmhalle aus betritt. „Dieser Moment braucht keine großen Erklärungen“, sagt er. „Es braucht Stille und Wirkenlassen. Das Programm der Gotik zeigt nichts Maßloses, die Harmonie der Gotik will die Harmonie der Schöpfung Gottes darstellen. Man kann sich eingeordnet fühlen in den großen Kosmos.“ Es sei merkwürdig, erzählt Schöllkopf: „Unabhängig davon, wie beladen einer ins Münster kommt – der Blick der Gotik geht nach oben ins Transzendente.“ Ein halbes Jahr lang habe die Fotografin des jetzt überarbeitet erschienenen Bandes allein die Lichtwirkungen im Münster dokumentiert. „Es ist tatsächlich aus Stein und Licht erbaut“, sagt Schöllkopf. Deshalb sei auch das „Himmelsloch“ in der Vierung weit mehr als eine bautechnische Notwendigkeit. „Eine Kirche muss nach oben offen sein.“ Zur Decke geht sein Blick gern, wenn er im Mittelschiff des Münsters steht – und entlang der Apostel- und Evangelistenfiguren, die hier stehen. Sie als Weggefährten wahrzunehmen, rät Schöllkopf den Münsterbesuchern.