Christliche Themen für jede Altersgruppe

Weihnachten mit Lamas - Suchthilfe-Fachklinik Höchsten

BAD SAULGAU (Dekanat Biberach) – Die Corona-Pandemie fordert Verzicht in vielen Bereichen. Die Patientinnen der Suchthilfe-Fachklinik Höchsten in Bad Saulgau müssen zu Weihnachten und Silvester auf ihre Heimfahrt verzichten. Für viele ist das traurig, manche freuen sich aber auch auf die gemeinsame Weihnacht in der Klinik.

Lama. Foto: Szabo Janos, pixabayLama. Foto: Szabo Janos, pixabay

Pünktlich Anfang Dezember hüllt Schnee das sanfte Hügelland um die Suchtklinik in Bad Saulgau in ein zartweißes Kleid. Etwas verlassen wirkt das moderne Klinikgebäude, das sich über die Anhöhe nach rechts und links erstreckt. Über 70 – normalerweise 86 – Frauen zwischen 18 und 70 Jahren verbringen hier eine mehrwöchige Reha. Zwei Drittel von ihnen sind alkoholabhängig, ein Drittel ist drogenabhängig. Auch Verhaltenssüchte wie Ess- und Spielsucht werden hier behandelt.

Nun steht Weihnachten vor der Tür. Eine Zeit, in der jeder am liebsten zuhause ist. In den vergangenen Jahren ging fast die Hälfte der Patientinnen an Weihnachten oder Silvester für zwei bis drei Tage nach Hause.

Nicht so diesmal in Zeiten von Corona. Die Heimfahrt ist über die Festtage verboten. „Die Patientinnen haben auf die Mitteilung, dass sie nicht heimfahren können zu Weihnachten, gefasst reagiert“, sagt dazu Stefanie Maier, die therapeutische Leiterin der Fachklinik Höchsten.

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Sechs Frauen verkürzen ihre ohnehin bald zu Ende gehende Reha, um Weihnachten daheim zu sein. Zwei Frauen aber möchten ihren Aufenthalt sogar verlängern, um im vertrauten Rahmen der Klinik die Festtage zu erleben. Es kann eben auch schöner sein in der Klinik als unter schwierigen Verhältnissen oder ganz allein zuhause.

Suchthilfe-Fachklinik Höchsten - Feiern in kleinen Gruppen

„Ich freue mich auf Weihnachten“, antwortet Sabine N. auf die Frage, mit welchen Gefühlen sie dem Weihnachtsfest in der Klinik entgegensehe. „Gestern habe ich hier meinen 34. Geburtstag gefeiert, das war sehr schön. Die Atmosphäre ist einfach sehr gut.“ Sabine verbringt gerade die vierte Woche in Bad Saulgau. „Meine Familie vermisse ich immer, nicht nur zu Weihnachten“, sagt sie, die zuhause allein, aber in der Nähe ihrer Oma wohnt. „Aber hier bin ich in der Gruppe in guter Gesellschaft. Und ich weiß, dass ich trocken bin. Zuhause würde ich allein mit Oma feiern. Ach, alles nicht so schlimm!“ Gern würde sich Sabine mit in die Weihnachtsvorbereitung einbringen. Vielleicht wichteln. Kleine selbstgebastelte Überraschungen hübsch verpacken, um anderen eine Freude zu machen. In den Kleingruppen, in denen bis zu zwölf Frauen für die Dauer ihres Aufenthaltes zusammengefasst werden, wäre das vielleicht möglich.

Die Klinik liegt im Schnee ‒ die Lamas stört das nicht. Foto: Pressebilder/ Markus Minst, Katharina StohrDie Klinik liegt im Schnee ‒ die Lamas stört das nicht. Foto: Pressebilder/ Markus Minst, Katharina Stohr

Das letzte Wort in Sachen Weihnachtsfeier-Vorbereitung ist noch nicht gefallen. Nach dem zweiten Advent kommt das Vorbereitungsteam um Stefanie Maier wieder zusammen. Da wird es konkret. Fest steht jetzt schon, es wird ein anderes Weihnachten. Die Beachtung der Hygieneregeln steht im Vordergrund.

Trotzdem soll es ein stimmungsvolles Fest werden. Mit leckerem Essen, Vorlesen, Bescherung und theologischen Impulsen. Eine Mitarbeiterin hat sicher wieder eine Überraschung parat. Und unverändert wird der Höhepunkt der vergangenen Jahre bleiben: Die Tierweihnacht draußen bei den beleuchteten Ställen und den geschmückten Pferden, Ziegen und Lamas, die durch die tiergestützte Therapie den Frauen vertraut sind. Bei alkoholfreiem Punsch und Textlesungen wird mancher Patientin die Weihnachtsgeschichte im Stall von Bethlehem so wohl besonders gegenwärtig sein.

Der größte Weihnachtswunsch von Sabine N. wird sich hoffentlich schon bald erfüllen: „So schnell wie möglich möchte ich einen Therapieplatz nach der Reha finden. Ich möchte am Ball bleiben und meine Alkoholsucht für immer loswerden.“

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