Christliche Themen für jede Altersgruppe

Zwei Konfessionen, ein Büro

SIGMARINGEN (Dekanat Balingen) – Was die Sigmaringer Ökumene geschaffen hat, ist einzigartig in Baden-Württemberg. Die katholische und die evangelische Kirchengemeinde haben ein gemeinsames Pfarrbüro am Marktplatz eröffnet und gehen damit mitten in die Stadt.

Sie engagieren sich für die Ökumene in Sigmaringen (von links nach rechts): Albrecht Knoch, die Pfarramtssekretärin Marija Walz, Gabi Hoch, Beate Kanz und Ekkehard Baumgartner. (Foto: Christof Schrade)


Egal ob evangelisch oder katholisch: Im gemeinsamen Pfarrbüro „Mittendrin. Kirche am Markt“ im Zentrum von Sigmaringen sind Angehörige beider Konfessionen jederzeit willkommen. Die Pfarramtssekretärinnen sind ökumenisch geschult – und so kann eine junge katholische Familie ihr Kind auch bei der evangelischen Kollegin zur Taufe anmelden und umgekehrt. Doch das Angebot des Büros geht viel weiter: Ein Team von Ehrenamtlichen beider Konfessionen macht ebenfalls Dienst in den neu eingerichteten, liebevoll gestalteten Räumen mitten im Herzen der Stadt. „Wir leihen das offene Ohr, die hauptamtlichen Sekretärinnen sind für die kirchlichen Angelegenheit da“, sagt Gabi Hoch, die wie Beate Kanz ehrenamtlich im gemeinsamen Pfarrbüro arbeitet. Beide Frauen sind auch sonst in ihrer katholischen Kirchengemeinde aktiv.

Als Ekkehard Baumgartner, leitender katholischer Pfarrer der Seelsorgeeinheit Sigmaringen, vor einem Jahr seine neue Stelle antrat, fand er das eigene Pfarrbüro kaum, so verwinkelt war der Zugang. Schnell stellte sich heraus, dass im Pfarrhaus am Markt renoviert werden musste. Baumgartner lernte seinen evangelischen Kollegen, Co-Dekan Albrecht Knoch kennen – und nach wenigen Gesprächen war die Idee geboren, gemeinsam ein Büro einzurichten.

Die beiden Seelsorger, die im Gespräch immer wieder auf die große ökumenische Tradition in Sigmaringen verweisen, wollten mehrere Ziele gleichzeitig erreichen. Mit welchem Anliegen auch immer künftig katholische und evangelische Christen in das Büro kämen – sie sollten nie wieder den Satz hören: „Dafür sind wir nicht zuständig.“ Die bald gefundenen Ehrenamtlichen und die Hauptamtlichen haben den Reichtum und die Vielfalt an seelsorgerlichen und lebensberatenden Angeboten der Gemeinden, der Caritas und der Diakonie neu entdeckt. Im gemeinsamen Büro bieten sie ungewöhnlich kundenfreundliche Öffnungszeiten an. Die Besucher können zu bestimmten Zeiten die Seelsorger ihrer Konfession treffen. Ganz zwanglos und niederschwellig können sie aber auch mit Gabi Hoch, Beate Kanz und anderen Ehrenamtlichen ins Gespräch kommen. Die hören erst einmal zu, haben Zeit und vermitteln, falls nötig, weiter.

„Ökumene heißt für uns: wir feiern nicht nur gemeinsam, wir haben auch einen gemeinsamen Alltag“, sagt der evangelische Co-Dekan Knoch. „Vieles läuft jetzt koordiniert, was früher in den Gemeinden nebeneinander herlief. Wir spüren jetzt schon, dass sich eine ganz neue, ökumenische Dynamik entfalten kann“, stimmt sein katholischer Kollege Baumgartner zu. „Das ist auch nötig: Überall wächst doch das Gefühl, das sich Kirche aus dem Leben der Menschen zurückzieht. Darauf wollten wir eine Antwort geben.“

Das jeweils Eigene der Konfessionen verschwinde dabei keinesfalls in einem Mischmasch, sondern bleibe erhalten, betont Albrecht Knoch. Und doch werde das Gemeinsame gestärkt, sagt Ekkehard Baumgartner. Deshalb hat das Büro nicht nur den Namen „Mittendrin. Kirche am Markt“ bekommen, mit dem es signalisiert, dass sich die Kirchen in Sigmaringen keineswegs aus dem Alltag zurückziehen. Sondern auch ein eigenes Motto gaben: „Katholisch. Evangelisch. Miteinander.“


Stephan Sigg
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