Christliche Themen für jede Altersgruppe

Sommerliche Musikreise ins Burgenland vom 16. bis 21 Juni 2015.

Sommerliche Musikreise: Bruckner, Haydn und Liszt




 So war diese Reise im evangelischen Gemeindeblatt für Württemberg ausgeschrieben. 16 Personen, 2 Ehepaare und 12 Einzelpersonen, hatten sich angemeldet. Eigentlich zu wenig für eine so vielseitige und hochqualifizierte Musik-Kultur-Reise. Dieser Hinweis sei erlaubt an die Leser des ev. Gemeindeblatts, sich die „Leserreisen“ mal etwas genauer anzuschauen. Die Reise wurde geleitet und begleitet von Landeskirchenmusikdirektor i. R Prof. Siegfried Bauer und dessen Ehefrau Waltraud.
Die erste Station der Reise galt, nach 400 km auf der Autobahn über München, Passau und Linz, Anton Bruckner und dem Klosterstift St. Florian. Der Vater Bruckner war Dorfschullehrer in Ansfelden, Anton das älteste Kind von 12 Geschwistern. Das kleine Museum in Ansfelden, das die Reisegruppe am 2. Reisetag besuchte, zeigte anschaulich die bescheidenen Lebensumstände der Familie Bruckner wie auch der Bevölkerung allgemein zu jener Zeit. Zum Lehreramt des Vaters gehörte auch das Kantorenamt in der Kirche. So erhielt der kleine Sohn Anton früh Musikunterricht. Nach dem frühen Tod des Vaters kam Anton Bruckner als Sängerknabe in das nahe gelegene Stift Sankt Florian. Seine hohe Musikbegabung zeigte sich früh, er spielte Geige, Klavier und vor allem Orgel.
Das Augustiner Chorherrnstift Sankt Florian ist ein Barockbauwerk von beachtlicher Größe mit großem Innenhof. Unsere Reisegruppe erhielt eine eingehende Sonderführung durch Magister Klaus Sonnleitner, Stiftsorganist, Kantor und Kaplan. Er führte uns zur Bibliothek, zum Marmorsaal, durch die Kaiserzimmer, das Bruckner-Zimmer und die Stiftsbasilika. Hier bot er uns auf der Brucknerorgel ganz privatissime ein Orgelkonzert von hohem Rang.
Bruckner wirkte 10 Jahre, zunächst als Hilfslehrer, in St. Florian. Er entwickelte sein Orgelspiel zu virtuoser Perfektion. Weitere Stationen seines Lebens waren Domorganist in Linz und schließlich Wien. Er war rastlos tätig im Streben nach Anerkennung und verzehrte sich im Beruf. Letztendlich wurden ihm vielfache Ehrungen zuteil, u. a. die Ehrendoktorwürde der Universität Wien. Seine Totenmaske zeigt eingefallene Gesichtszügen, Ausdruck unermüdlichen Schaffens. Sein Sarkophag steht unterhalb der Orgel der Stiftsbasilika Sankt Florian.
Der 2. Tag unserer Reise führte uns über Ansfelden zunächst nach Steyr. Bruckner hielt sich oft in Steyr auf und spielte auf der Chrismannorgel der Stadtkirche. Die industrielle Entwicklung verdankt die Stadt der Wasserkraft am Zusammenfluss von Enns und Steyr. Hochwasser überfluteten auch in jüngerer Zeit immer wieder Teile der Stadt. In früheren Jahrhunderten dominierte die Waffenfabrikation, im 19. und 20. Jahrhundert  Motoren- und Turbinenbau und heute das BMW-Werk. Der Stadtrundgang vom Stadtplatz aus zeigte einen über Jahrhunderte gewachsenen Stadtkern mit Stadtschloss und Kirchen.
Am Nachmittag ging es weiter an Wien vorbei nach Eisenstadt, der Landeshauptstadt des Burgenlandes. Das Stadtbild wird durch einen langgezogen Marktplatz mit schönem Rathaus und durch das einige 100 m vom Stadtkern entfernte Schloss des Magnatengeschlechts der Esterházy geprägt. Eine Stadtbesichtigung am 3.Tag führte die Reisegruppe zunächst zur Bergkirche. Unter dem Nordturm liegt das Haydnmausoleum, die würdige Begräbnisstelle Haydns. Nach seinem Tod 1809 wurde Haydn zunächst in Wien beerdigt und 1820 nach Eisenstadt überführt. Die Stadtbesichtigung führte weiter durch den Schlosspark in das Schloss mit riesigem Ballsaal und schließlich zum Haydn-Haus. Haydn war 30 Jahre Vizekapellmeister und Kapellmeister der Familie Esterházy. Die Esterházybarone, zuerst Paul Anton, dann Nikolaus I., waren Musikliebhaber und -kenner. Haydn bewältigte ein enormes Arbeitspensum mit Orchesterleitung, Kammermusik, Arrangieren von Opern und eigene Kompositionen. Er begleitete die Fürstenfamilie zu ihren verschiedenen Schlössern. Das Haydn-Haus in Eisenstadt ist ein großbürgerliches Barockhaus mit Garten und gibt Ausdruck der gehobenen gesellschaftlichen Position Haydns. Die Reisegruppe hatte das Vergnügen, am letzten Abend der Reise im hochbarocken Konzertsaal des Schlosses das Haydn Chamber Ensemble mit Kompositionen von Haydn, Dvorak und Brahms zu hören, dazu vor der Pause noch eine Uraufführung von wenigen Minuten (gewöhnungsbedürftig).
Der 4. Tag führte uns vormittags nach Rust am Neusiedler See, eine „Freistadt“, d.h., sie ist nicht einem Landkreis unterstellt, sondern direkt der Landesregierung. Mit Stolz bemerkte die Fremdenführerin, die Stadt habe ein eigenes Autokennzeichen. Rust ist ein liebliches Städtchen mit z. Zt. 15 Storchenpaaren auf Kaminen der Häuser. Unsere Aufmerksamkeit galt in erster Linie der protestantischen Toleranzkirche. Unmittelbar nach der Reformation um 1650 erbaute die damalige evangelische Gemeinde eine Kirche mitten im Dorf. Im Zuge der Gegenreformation wurde diese Kirche „katholisiert“. Das Duldungsedikt Kaiser Josef II. von 1781 eröffnete der evangelischen Gemeinde die Möglichkeit, Bethäuser zu errichten. So wurde 1784/85 die Toleranzkirche gebaut und 110 Jahre später der Turm mit Glockenweihe.
An diese Kirche grenzend hinter dicken Mauern steht die „Fischerkirche“. Sie geht auf eine romanische Kleinkirche und eine Wehrkirche zurück. Fresken aus dem 13. und 16. Jahrhundert wurden wieder freigelegt. Die älteste Orgel des Burgenlandes befindet sich hier. Die sangesfreudige Reisegesellschaft stimmte hier unter der Handführung unsers Landeskirchenmusikdirektors das Dona nobis pacem an. Es war stimmungsvoll und die Akustik wunderbar.
Der Nachmittag war vielseitig. Zunächst in Raiding, Geburtsort von Franz Liszt, 45 km südlich von Eisenstadt gelegen. Im Geburtsjahr 1811 von Franz Liszt war die Ansiedlung ungarisch. Er war ein Wunderkind. Sein Leben war unstet und vielseitig: Komponist, Pianist, Dirigent, Theaterleiter, Musiklehrer und Schriftsteller. Das Museum im Geburtshaus mit Instrumenten, Bildern Hausrat und Schriftstücken gaben Einblick in das Leben dieses außergewöhnlichen und eigenwilligen Mannes. Neben dem Geburtshaus wurde vor wenigen Jahren ein modernes Konzerthaus, außen Beton und innen Holz, erstellt. Hier hörten wir den Wiener Kammerchor und den Bläserkreis Wien. Das Programm: Sakralwerke von F. Liszt, die Messse e-moll von A. Bruckner und eine Komposition von W. Spuller als Uraufführung.
Der letzte Tag unseres Aufenthaltes galt der Natur im Burgenland. Die Fahrt zum Neusiedler See ging durch Weinbaufelder soweit das Auge reichte, rund 7000 ha. Vor allen Rotwein der Sorten Blaufränkisch und Zweigelt und von diesen auch Cuvée der verschiedensten Art. Trockene und heiße Sommer begünstigen den Weinbau. In Deutschkreutz wurde eine Weinprobe verkostet. Der Neusiedler See ist nur 1,50 m tief, neigt zum Verlanden und lag schon fast mal trocken. Er hat einen breiten Schilfgürtel. Per Schiff gelangten wir quer über den See zum Ostufer nach Illmitz. Einen Einblick in den Nationalpark Neusiedler See erhielt die Reisegesellschaft bei einer Kutschfahrt mit Informationen eines kompetenten Reisebegleiters.
Die Teilnehmer dieser sommerlichen Musikreise bedanken sich beim Evangelischen Gemeindeblatt vielmals und sehr herzlich für die Gestaltung des Reiseprogramms und die exakte Organisation. Weiter bei Herrn Prof. Siegfried Bauer und seiner Frau für die Begleitung der Reise, die sachkundigen Informationen, die Andachten und seine Fürsorge für jeden einzelnen. Auch Dank an unseren Fahrer Herrn Siegfried Fahrian.

Norbert Natter


"Sehr geehrte Frau Ehrlich,
gerne berichte ich Ihnen von der eindrucksvollen Musikreise mit Führung von Herrn Prof. Bauer.
Ich möchte mich auch ganz herzlich bedanken, dass ich an der Reise teilnehmen durfte.
Mit einer besonders netten Reisegruppe konnte ich nicht nur die vielen, schönen Orte und Landschaften des Burgenlandes kennen lernen, sondern auch musikalische Höhepunkte erleben. Es war ein grosses Programm und es hat alles bestens geklappt.
Da ich das erste Mal mit dem evang. Gemeindeblatt unterwegs war, haben mich besonders die morgendlichen Andachten mit Gebet und Gesang erfreut. An die vielen neuen und interessanten Eindrücke denke ich gerne zurück und würde gerne wieder mit Ihnen reisen.
Mit freundlichen Grüssen"