Der gute Vorsatz wird Jahr für Jahr gefasst: diesmal vernünftig zu sein und sich nicht dem weihnachtlichen Konsumrausch hinzugeben. Bis einen im Dezember das Gefühl beschleicht, „nur ein Geschenk“ könnte zu knauserig sein oder zu Enttäuschung führen.
Oma und Opa sehen das ganz ähnlich, Tante und Onkel wollen dem Kind „doch nur eine Freude machen“, am 23. Dezember bringt die Nachbarin noch rasch „eine Kleinigkeit“ vorbei und so türmen sich an Heiligabend wieder Geschenkeberge unterm Baum.
Gerade für die Kleinsten birgt das erwiesenermaßen Gefahren und bewirkt das Gegenteil des erhofften Effekts. Zum einen führt die schiere Masse rasch zu Überforderung, so dass das Kind die wohlgemeinten Dinge nicht mehr wertschätzen kann. Kopf und Herz machen buchstäblich „zu“, das Kind empfindet keine Freude mehr. Zum anderen lernt das Kind, dass Liebe und Wertschätzung offenbar an Materielles geknüpft sind, also: „Je mehr Geschenke ich bekomme, desto mehr werde ich geliebt.“ Genau das soll doch vermieden werden.
Ein erster Schritt in die richtige Richtung könnte sein, Geschenkideen bereits über das Jahr zu sammeln; ein selbst geschriebener Wunschzettel des Kindes hilft dabei. Enorm wichtig ist die Absprache mit anderen Familienmitgliedern wie Großeltern, Paten und Verwandten. Ihnen klarzumachen, dass es keinen Wettbewerb um das beste Geschenk gibt, ist vielleicht etwas mühsam, lohnt sich aber.
Je kleiner das Kind, desto mehr gilt der Leitsatz „Weniger ist mehr.“ Ein lang ersehnter Wunsch genügt völlig, ansonsten erfreuen auch Kleinigkeiten. Und wer das unbedingt möchte, kann dem Kind etwas Geld auf ein Konto einzahlen; spätestens beim Führerschein oder der ersten eigenen Wohnung wird es um jeden Euro dankbar sein.
Bei größeren Kindern ermöglicht ein Zusammenlegen von mehreren Schenkern größere Anschaffungen wie ein Fahrrad oder ein Tablet. Davon hat das Kind deutlich mehr als vom siebten Modellauto, das in der Kinderzimmer-Ecke verstaubt.
Das perfekte Geschenk, das sinnvoll, fördernd und nachhaltig ist, wirklich Freude macht und für alle passt, gibt es nicht. Einige Faustregeln können aber bei der Auswahl helfen. So sollten Eltern Spielzeuge bevorzugen, die die Kreativität des Kindes fördern, also zum Beispiel Bauklötze oder Konstruktionsspielzeug. Die lassen sich übrigens gut gebraucht kaufen.
Auch Gesellschafts- und Brettspiele sind eine gute Idee, weil sie die Familie an einen Tisch bringen. Ähnliches gilt für Gutscheine für eine Familienaktivität wie einen Besuch im Zoo oder im Rutschenparadies, einen Spielenachmittag oder ein gemeinsam gekochtes, festliches Essen.
Eine andere Möglichkeit ist die so genannte „Vier-Geschenke-Regel“, die seit einigen Jahren im Internet kursiert: „Gib ihnen etwas, das sie wollen. Gib ihnen etwas, das sie brauchen. Gib ihnen etwas, das sie tragen. Gib ihnen etwas, das sie lesen.“ Neben dem Herzenswunsch darf also durchaus Bettwäsche, ein Fahrradhelm, eine neue Speicherkarte, das ersehnte Cowboy-Kostüm, der teure Markenpulli oder ein Geschenkgutschein vom Lieblingsklamottenladen unter dem Baum liegen.
An Heiligabend selbst darf die Bescherung gerne etwas bewusster und entspannter angegangen werden. Nach einer kleinen Krippenfeier, bei der die Eltern den Kindern die Menschwerdung Jesu begreifbar machen, geht es an ein entschleunigtes Auspacken: Ganz egal, ob reihum oder die Reihenfolge erwürfelt wird – entscheidend ist, dass sich alle Beteiligten Zeit nehmen, einander beim Schenken und Auspacken wahrnehmen und so ihre Freude teilen.
Auf diese Weise rückt auch der eigentliche Sinn des Schenkens und Beschenktwerdens wieder mehr in den Mittelpunkt: die Freude über die Geburt Jesu als unser Begleiter und größtes Geschenk Gottes an seine geliebten Menschen.