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Suchtforschung

6 Fragen an einen Suchtforscher

Jeder Schluck Alkohol schadet, sagt die WHO. Das bestätigt auch Suchtforscher Falk Kiefer. Juliane Eberwein hat mit ihm gesprochen. Von Juliane Eberwein

Eine Gruppe Frauen sitzt um einen Tisch. Eine Frau hat ein Sektglas in der Hand
Unsplash+/Curated Lifestyle
Falk Kiefer steht vor einem blauen Hintergrund
EMH
Falk Kiefer ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim.

Wie kommt es zu Alkoholabhängigkeit?

Falk Kiefer: Bei der Entwicklung von Sucht spielen vor allem die Verfügbarkeit des Suchtmittels und das Umfeld eine Rolle. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Alkohol überall zu bekommen ist. Wenn wir dann noch in einer Familie oder einem Freundeskreis aufwachsen, wo andere trinken, ist es völlig normal, dass man mittrinkt.

Und ab wann schadet es?

Falk Kiefer: Vom vermeintlich „normalen“ Trinkverhalten zum schädigenden Trinken bis zur Sucht ist es ein fließender Übergang. Da gibt es keine klare Grenze.

Trinken Frauen denn anders als Männer?

Falk Kiefer: In unserer Gesellschaft war es lange Zeit verpönt, dass Frauen Alkohol trinken. Ich kenne das noch aus meiner Jugend. Wenn wir Jungs mal betrunken waren, war das irgendwie lustig und uns wurde auf die Schulter geklopft. Bei Mädchen wurde das sehr kritisch beobachtet. Das hat sich in den letzten zehn Jahren verändert. Die unter 25-jährigen Frauen trinken sich inzwischen genauso häufig ins Koma wie junge Männer.

Wie unterscheidet sich die Wirkung von Alkohol bei Frauen?

Falk Kiefer: Frauen haben meist ein geringeres Körpergewicht und eine andere Fettverteilung als Männer. Das führt dazu, dass die gleiche Trinkmenge für Frauen toxischer ist. Dadurch haben Frauen leider auch ein viel höheres Risiko für Folgeerkrankungen und werden zudem schneller abhängig.

Manche haben das Gefühl, mit steigendem Alter Alkohol weniger gut zu vertragen. Woran liegt das?

Falk Kiefer: Alkohol beeinträchtigt die Hormone, das Immunsystem, den Schlaf und die Alltagsfähigkeiten. Ein junger Körper kann sehr viel ab, ein älterer Körper ist grundsätzlich weniger belastbar. Dadurch können ältere Menschen den Alkoholkonsum deutlich schlechter kompensieren und sind stärker gefährdet, auch was Stürze angeht.

Und was ist mit dem einen Glas Rotwein, bei dem wir uns jahrelang eingeredet haben, es sei gesund?

Falk Kiefer: Das ist nicht gesund. Neueste Studien zeigen, dass jeder Schluck Alkohol im Körper Schaden anrichtet.