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Glaube und Politik in Amerika

70 Jahre US-Motto: Wem dient „In God We Trust“ heute?

1956 hat die US-Regierung die Worte „In God we trust” („Auf Gott vertrauen wir”) zum nationalen Motto erhoben. Die damalige Hoffnung, mit dem Glauben das Land zu einen, ist heute in den Kulturkampf gerutscht. Von Konrad Ege (epd)

In einer Jeanshose steckt eine zusammengefaltete Dollarnote
Unsplash+/Roma Kaiuk

Das offizielle Motto der Vereinigten Staaten lautet „Auf Gott vertrauen wir”. Das hat der US-Kongress vor 70 Jahren beschlossen: Am 30. Juli 1956 unterzeichnete der republikanische Präsident Dwight Eisenhower das „In God we Trust”-Gesetz. Doch in Zeiten von US-Präsident Trump ist die Aussage über Gottvertrauen Teil eines Kulturkampfes geworden, in dem manche Politiker so tun, als stünde Gott aufseiten konservativer Politik. Doch nicht nur deshalb steht das Motto immer wieder in der Kritik. 

Wie das US-Motto „In God We Trust“ entstand

Geschichtswissenschaftler Kevin Kruse von der Princeton University in New Jersey hat sich in seinem Werk „One Nation Under God” (Eine Nation unter Gott, 2015) mit dem religiösen Charakter der USA befasst. Dem Evangelischen Pressedienst sagte Kruse, Eisenhower habe mit dem Motto die Bevölkerung zusammenbringen wollen. Während des amerikanischen Bürgerkriegs war „In God we trust” schon auf manche Münzen geprägt worden, und es ist Teil der – nur selten gesungenen – vierten Strophe der US-Nationalhymne.

Religion in USA

Als „In God We Trust” 1956 offizielles US-Motto wurde, gehörten rund 70 Prozent der US-Amerikaner einer Kirche an. Heute sind es laut dem Pew Research Center noch 37 Prozent.

Der Glaube sei „die größte Ressource” der Nation, sagte Dwight Eisenhower in einer Rundfunkansprache. Und während Graham von Jesus Christus sprach, formulierte der Präsident den Glaubensbegriff offener:

Was auch immer unsere individuelle Kirche ist, unser persönliches Glaubensbekenntnis, uns verbindet unser gemeinsamer Glaube an Gott.

sagte Dwight Eisenhower


Es herrschte damals Kalter Krieg. Das Narrativ lautete: das christliche Amerika gegen die angeblich „gottlose” Sowjetunion. Zu einer Zeit, in der „materialistischer Kommunismus” die Freiheit zerstören wolle, sollten Amerikaner „beständig nach Wegen suchen, die Grundfeste unserer Freiheit zu stärken”, sagte der demokratische Kongressabgeordnete Charles Bennett. 

Wie Trump „In God We Trust“ politisch nutzt

Anfangs habe das Motto wohl Eisenhowers Hoffnungen erfüllt, sagte Historiker Kruse. Viele Menschen in USA waren – und sind – überzeugt, ihr Land sei eine „auserwählte Nation”. Es blieb jedoch nicht bei der Überparteilichkeit des nationalen Leitspruchs. Der 1968 gewählte republikanische Präsident Richard Nixon habe das Konzept umgebaut, erläuterte Kruse. Aus „Gott steht aufseiten Amerikas” sei geworden: Gott steht politisch gesehen aufseiten der konservativen Republikaner. Auch die aufkeimende rechts-christliche Bewegung habe diese Auffassung vertreten. 

Aktuell interpretiert Präsident Trump „In God We Trust” zu seinen Gunsten, im Sinne von: Nicht nur Amerika ist auserwählt, sondern auch er selbst. In einer Rede zur rechts-christlichen „Faith and Freedom Coalition” Ende Juni betonte der Präsident, er werde immer an den „wunderschönen Worten 'In God We Trust'” festhalten.

Neue Debatte um das US-Motto: Künftig in Regierungsgebäuden?

Im Kongress liegen gegenwärtig Gesetzesentwürfe vor, „In God we Trust” in allen Regierungsgebäuden anzubringen. Das Motto leite die USA seit beinahe 70 Jahren, sagte die republikanische Abgeordnete Mary Miller. 

Wir werden uns nie dafür entschuldigen, dass wir eine Nation sind, die auf den allmächtigen Gott vertraut.

sagt Mary Miller