Seit 2008 moderiert Heidrun Lieb (45) die evangelischen Alpha & Omega-Sendungen – weit mehr als 350 Folgen sind das bereits. Christian Turrey (61) stand circa 230 Mal als Moderator vor der Kamera. Seit 2001 führt er im Wechsel mit seinen katholischen Kolleginnen durch die Sendungen.
Heidrun Lieb: Es waren so viele. Nahegegangen ist mir beispielsweise die Geschichte einer Frau, die als 13-Jährige zwangsverheiratet wurde – in Deutschland. Das war emotional sehr schwer auszuhalten. Gleichzeitig war ich fasziniert von der inneren Stärke meines Studiogastes. Es hat mich tief beeindruckt, wie sie es geschafft hat, sich daraus zu befreien und ein glückliches Leben aufzubauen.
Christian Turrey: Viele, zum Beispiel Ordensfrauen, die diskutiert haben, wie lebensecht das Nonnen-Musical „Sister Act“ ist, ein Zweitliga-Fußballer, der erzählte, wie er seinen Glauben auch auf dem Platz lebt, „Miss Germany“, die verriet, warum sie Schönheits-OPs ablehnt, oder der Vater, dessen Sohn jung gestorben war und den die Hoffnung auf ein Wiedersehen bei Gott getröstet hat.
Heidrun Lieb: Spontan denke ich gerade an einen ehemaligen Schüler der Albertville-Realschule in Winnenden. Er war damals im Klassenzimmer, als der Amokläufer reinstürmte und neben ihm Klassenkameraden erschoss. Sechs Jahre nach dem Amoklauf war er bei mir in der Sendung. Seine Erzählung hat Gänsehaut in mir ausgelöst.
Christian Turrey: Ein Gespräch mit einem katholischen Priester, der in einer früheren Sendung von seinem Priester-Sein erzählt hatte und einige Jahre später nochmal in der Sendung war, als er das Priestertum aufgegeben hatte, weil er geheiratet hatte. Für ihn waren beide Lebensformen lebbar, und in beiden war die Liebe zu Gott spürbar.
Heidrun Lieb: Michael Patrick Kelly! Ich finde seine Lebensgeschichte faszinierend – vom musikalischen Kinderstar übers Kloster bis hin zu einem Leben im meist eher oberflächlichen Musik-Business. Darüber würde ich gerne mehr erfahren.
Christian Turrey: Papst Franziskus und Martin Luther im Gespräch, vielleicht macht es die KI eines Tages möglich.
Christian Turrey: Nicht zu binnenkirchlich zu sprechen, sondern immer an die Menschen denken, die mit Kirche nichts anfangen können oder sie sehr kritisch sehen. Nicht nur die schwierigen Seiten von Kirche und Religion darstellen, sondern auch die lebensfrohen, hilfreichen, schönen Aspekte: Glaube soll keine Angst machen, sondern befreien – all you need is love!
Heidrun Lieb: Es war Hochsommer und die letzte Aufzeichnung an dem Tag. Nachdem wir fertig waren, kam der Regisseur ganz zerknirscht zu uns und hat sich fast nicht getraut zu sagen, was passiert war: Die gesamte Sendung wurde nicht aufgezeichnet, es gab einen technischen Defekt. So mussten wir nochmal ran, um halb zehn Uhr abends – müde, erschöpft und recht verschwitzt. Die Maske war bereits im Feierabend. Das war herausfordernd – hat aber geklappt.
Christian Turrey: In einer Sendung über die religiösen Aspekte von Haaren habe ich eine Perücke getragen, das war sehr lustig und gleichzeitig erstaunlich, wie sehr einen die Haare auch prägen und verwandeln können.
Heidrun Lieb: Die Sendung macht mir nach wie vor unglaublich Spaß. Ich lerne so viele spannende und interessante Menschen kennen und lerne immer dazu. Das ist für mich sehr erfüllend. Außerdem moderiere ich sehr gerne. Dazu kommt, dass wir ein wirklich großartiges Team sind und seit so vielen Jahren zusammenarbeiten.
Christian Turrey: Die Vielfalt an Menschen und Themen, ob es um Religion im ARD-Tatort geht, um Bier und Religion, um einen Pfarrer, der in seiner Freizeit Reggaemusik macht, oder religiöse Aspekte in den Büchern von Astrid Lindgren.