Sie warnen ältere Menschen davor, in die Opferrolle zu fallen. Was können sie selbst tun, um der Altersdiskriminierung entgegenzuwirken?
Reimer Gronemeyer: Wir müssen aufhören zu jammern und raus aus der Haltung, uns als hilfebedürftiges Mängelwesen zu verstehen. Das Alter hat auch unglaublich schöne Seiten, mit einer Empfindungstiefe und einer besonderen Erfahrung. Diese gilt es, wahrzunehmen und zu verteidigen. Wir Alten müssen uns miteinander verbünden. Ich kenne eine Frau in Hamburg, die hat sich mit sieben Frauen über 70 zusammengetan. Sie treffen sich regelmäßig und tauschen sich über ihre Lage, auch über ihre Einsamkeit aus. Sie haben versprochen, sich gegenseitig zu stützen und zu helfen, solange es geht. Solche Lebensformen brauchen wir.
Was bedeutet für Sie also das vielzitierte „Altern in Würde“?
Reimer Gronemeyer: Der Begriff riecht ein bisschen nach Mottenpulver. Da sehe ich mich auf einer Bank mit Stock sitzen und einen Aperitif trinken. Wir müssen dem Begriff seine ursprüngliche Kraft zurückgeben. Eigentlich ist Würde das, was Gott einem schenkt. Also keine Verhaltensweise, die an uns klebt, sondern etwas, das uns zusteht. Immer mit dem Blick auf den anderen. Das Alter birgt die Gefahr, dass man sich nur noch als Fordernder und Hilfsbedürftiger sieht, anstatt zu entdecken, was ich für den anderen sein kann – auch auf dem Pflegebett.
Das ungekürzte Interview lesen Sie in der Ausgabe 26 (2025) im Gemeindeblatt. Diese ist hier als ePaper erhältlich.