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Interview mit Siglinde Hinderer

Auch kleine Schritte zählen

Der Hitzesommer zeigt: Klimaschutz ist wichtiger denn je. Das weiß auch Siglinde Hinderer, Leiterin des Umweltreferats der württembergischen Landeskirche. Von Nicole Marten

Person hält zwischen ihren zwei Handflächen eine kleine gelbe Blume
Unsplash/Lina Trochez

Frau Hinderer, Schulen, Krankenhäuser, Altenheime brauchen Klimaanlagen ...

Siglinde Hinderer: Aus Umweltgesichtspunkten würde ich zunächst versuchen, so weit wie möglich ohne Klimaanlagen auszukommen. Es wäre wichtig, nur da, wo es dringend nötig ist, Klimaanlagen zu verwenden, um mit den Anlagen nicht noch mehr Wärme zu erzeugen. Zuerst sollten wir probieren, nachts zu lüften und dann wieder rechtzeitig die Fenster zu schließen. Eine weitere Möglichkeit ist, die Fassaden zu beschatten, etwa durch Bäume, wilden Wein, Hopfen oder mit Sonnensegeln und Schirmen auf dem Balkon. So kann man die Kühle möglichst lang im Gebäude halten. Wenn dann doch eine Klimaanlage eingesetzt werden muss, dann wirklich so, dass die Wärme draußen bleibt und die Anlage nur genutzt wird, wenn sie auch dringend benötigt wird. Ein guter energetischer Zustand eines Gebäudes ist künftig enorm wichtig.

Porträt von Siglinde Hinderer
Foto: Pressebild
Siglinde Hinderer hat viele Ideen für den Umwelt- und Klimaschutz.

Oikos: Warum die Landeskirche ihren Gebäudebestand anpasst

Mit dem Programm „Oikos“ soll der Gebäudebestand der Landeskirche an die künftigen Bedarfe angepasst werden. Warum ist das notwendig?

Siglinde Hinderer: Ausgangspunkt war hier allerdings nicht der Klimaschutz selbst, sondern die Tatsache, dass die Mitgliederzahlen enorm sinken und wir deshalb weniger Einnahmen haben als vorher; wir brauchen künftig nicht mehr so viele Gebäude und wir können sie auch nicht alle unterhalten. Zudem werden viele Pfarrhäuser frei, weil es immer weniger Pfarrerinnen und Pfarrer gibt. Mit Oikos wird der Gebäudebestand an die künftigen Bedarfe angepasst. Dass wir dann die ­ Gebäude, die wir halten, so­ sanieren, dass sie möglichst klimaneutral sind, gehört dazu und ist eine Folge des Klimaschutzgesetzes.

Klimaneutral bis 2040: Wie die Landeskirche das schaffen will

Das landeskirchliche Klimaschutzgesetz will die Klimaneutralität bis 2040. Ist das zu ehrgeizig?

Siglinde Hinderer: Es ist eine Herausforderung, dieses Ziel zu erreichen, aber es ist machbar. Seit 2005 haben wir den Energieverbrauch um 35 Prozent gesenkt und den CO²-Ausstoß auf die Hälfte heruntergebracht. Wir müssen bewusst dranbleiben, weiter die Verbräuche mit dem Energiemanagement senken und unsere Gebäude klimagerecht umbauen. Mir macht Hoffnung, dass es schon um die 500 Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern kirchlicher Gebäude gibt: Wir produzieren ein Viertel ­unseres Stromes selbst. Bei denkmalgeschützten Objekten ist die energetische Sanierung ungleich schwerer, aber auch da kann man Lösungen finden. Manche Gemeinden nutzen im Winter zeit­weise ihre Kirche nicht für Gottesdienste, weil das zu viel Heizenergie kostet; stattdessen trifft man sich zur Winterkirche im Gemeindehaus. Vor Ort gilt es, gute Lösungen zu finden.

 

So kann jeder zum Klimaschutz beitragen

Wo fängt man an mit dem Klimaschutz?

Siglinde Hinderer: Jeder Einzelne hat Möglichkeiten, weil Klimaschutz alle täglichen Situationen betrifft. Man kann sich zum Beispiel fragen: Nehme ich zur Arbeit den ÖPNV oder fahre ich mit dem PKW? Oder mit dem Rad zum Einkaufen? Beim Einkauf kann man nach­haltige, regionale Produkte bevor­zugen. Bei Mode ist die Frage: Trage ich „Fast Fashion“ oder beziehe ich meine Kleidungs­stücke aus dem fairen Handel, repariere ich sie und trage sie lange? Eine Frage ist auch: Was esse ich? Muss es immer Fleisch sein? Woher kommt es, woher das Gemüse? Am besten ist es, sich eine Sache herauszugreifen und das mal ein, zwei Wochen auszuprobieren. Es gibt noch so viele Möglichkeiten, zum Beispiel, wenn sich Menschen zusammenschließen und gemeinsam gärtnern, Lebensmittel retten oder ein Reparaturcafé anbieten.

Das ganze Interview mit Siglinde Hinderer lesen Sie im Gemeindeblatt Nr. 35. Erhältlich als pdf auch im Gemeindeblatt-Online-Shop.