Herr Cruz García, Lebensmittel werden immer teurer. Der Preis für Kaffeebohnen ist auf einem Höchststand. Dieses Jahr soll er wegen schlechter Ernten noch einmal steigen. Wird Kaffee ein Luxusprodukt?
Kleber Cruz García: Das hoffe ich nicht, denn dies würde eine geringe Nachfrage bedeuten. Für einige Staaten im Globalen Süden, wie Nicaragua oder Guatemala, hätte dies gravierende Folgen. Kaffee ist dort ein wichtiger Wirtschaftszweig. Wenn die Nachfrage einbricht, dann kann man davon ausgehen, dass in diesen Ländern die Volkswirtschaft zusammenbrechen könnte. Um das zu verhindern, sollten wir daran arbeiten, dass sich die Preise stabilisieren. Das Problem sind die großen Schwankungen, die eine zuverlässige Planung unmöglich machen. Ziel ist es, dass alle in der Lieferkette, von den Produzenten bis hin zu den Röstern und Einzelhändlern, von dem Produkt leben können.
Warum wird Kaffee teurer?
Kleber Cruz García: Es gibt viele Gründe, warum der Kaffeepreis steigt: Unterbrechungen in der Lieferkette, logistische Probleme, der Krieg im Nahen Osten oder in der Ukraine, die Angst vor Inflation und die Wirtschaftskrise oder die Regulierung durch die EU. Der wichtigste Grund ist jedoch der Klimawandel.
Inwiefern beeinflusst der Klimawandel den Kaffeeanbau?
Kleber Cruz García: Der Klimawandel stört den Lebenszyklus der Kaffeepflanzen oder begünstigt die Ausbreitung von Krankheiten, er führt zu Dürren oder Überschwemmungen, wie zum Beispiel in Brasilien, wo die starke Trockenheit der letzten Monate dazu geführt hat, dass sich die Blüten der Kaffeepflanzen nicht richtig entwickeln konnten. Man rechnet mit einem Rückgang der brasilianischen Produktion in den Jahren 2025 bis 2026. In Honduras oder Mexiko ist die Situation anders, die Produktion sieht gut aus, aber es gibt keine Arbeitskräfte, die den Kaffee pflücken. Hinzu kommt die Spekulation: Handelshäuser, Banken und Experten überschlagen sich mit Meldungen über die Ernte in Brasilien, die einen geben pessimistische, die anderen optimistische Daten, und das heizt die Spekulation an und treibt den Preis nach oben.
Für Kaffeeplantagen muss Wald gerodet werden. Ist Kaffee ein Klimakiller?
Kleber Cruz García: Das denke ich nicht. Das Problem liegt vielmehr in der Art und Weise, wie ein Produkt angebaut wird, und nicht im Produkt selbst. Vergleichen wir die konventionelle und die biologische Anbaumethode: Bei der konventionellen Anbaumethode braucht man Land, um Kaffee anzubauen, das heißt, es wird viel Wald abgeholzt, um Anbaufläche zu gewinnen. Um die Kaffeepflanzen produktiv zu halten, muss man viel Dünger einsetzen, bis der Boden mehr oder weniger ausgelaugt ist, dann muss man neue Flächen erschließen und so weiter, bis der Boden nichts mehr hergibt. Diese Methode erfordert Pestizide und Herbizide zur Unkrautbekämpfung und dann ist der Kaffeeanbau sehr wasserintensiv. All diese Faktoren sprechen für eine schlechtere Ökobilanz.
Der Bio-Anbau ist genau das Gegenteil, hier wird auf Kunstdünger und Chemie verzichtet beziehungsweise ihr Einsatz ist verboten. Schattenbäume und Mischkulturen sind Voraussetzung für den Bio-Kaffeeanbau, das Wasser wird aufbereitet und wiederverwendet. Das ist nachhaltiger Kaffeeanbau, der dem Schutz des Klimas und der natürlichen Umwelt als Lebensgrundlage dient. Vor allem für den Anbau von konventionellem Kaffee werden Waldflächen abgeholzt. Oft werden Chemikalien eingesetzt, außerdem wird viel Wasser benötigt. Der Bioanbau hingegen ist nachhaltig. Hierfür werden Schattenbäume angepflanzt, das können auch Pflanzen sein wie Papayas, Mangos oder Avocados. Diese dienen zum einen dazu, die Temperatur der Kaffeepflanzen zu regulieren. Zum anderen versorgen sie die Pflanzen mit Nährstoffen. Demnach ist der Anbau nicht nur an den Klimawandel angepasst, sondern entspricht dem natürlichen Lebensraum.
Wie sieht es denn in Deutschland aus: Wird hier viel Biokaffee getrunken?
Kleber Cruz García: Der Konsum von biologisch angebautem Kaffee ist in Deutschland leider gering. Zwar trinken die Deutschen viel Kaffee, pro Kopf gerechnet sogar mehr als Bier oder Mineralwasser, aber überwiegend konventionell angebauten Kaffee.