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Kaffee

Beim Kaffee entscheidet der Konsument

Kleber Cruz García leitet den Kaffee Einkauf bei der GEPA und weiß, was fair hergestellten Kaffee ausmacht. Von Charlotte Mühlhan und Claudio Murmann

Kleber Cruz García
Foto: GEPA/C. Schreer
Kleber Cruz García arbeitet als Einkaufsmanager für Kaffee bei der GEPA.

Herr Cruz García, Lebensmittel werden immer teurer. Der Preis für ­Kaffeebohnen ist auf einem Höchststand. Dieses Jahr soll er wegen schlechter Ernten noch einmal steigen. Wird Kaffee ein Luxus­produkt?

Kleber Cruz García: Das hoffe ich nicht, denn dies würde eine geringe Nachfrage bedeuten. Für einige Staaten im Globalen Süden, wie Nicaragua oder Guatemala, hätte dies gravierende Folgen. Kaffee ist dort ein wichtiger Wirtschaftszweig. Wenn die Nachfrage einbricht, dann kann man davon ausgehen, dass in diesen Ländern die Volkswirtschaft zusammenbrechen könnte. Um das zu verhindern, sollten wir daran arbeiten, dass sich die Preise stabilisieren. Das Problem sind die großen Schwankungen, die eine zuverlässige Planung unmöglich machen. Ziel ist es, dass alle in der Lieferkette, von den Produzenten bis hin zu den Röstern und Einzelhändlern, von dem Produkt leben können.

Warum wird Kaffee teurer?

Kleber Cruz García: Es gibt viele Gründe, warum der Kaffeepreis steigt: Unterbrechungen in der Lieferkette, logistische Probleme, der Krieg im Nahen Osten oder in der Ukraine, die Angst vor Inflation und die Wirtschaftskrise oder die Regulierung durch die EU. Der wichtigste Grund ist jedoch der Klimawandel.

Inwiefern beeinflusst der Klimawandel den Kaffeeanbau?

Kleber Cruz García: Der Klima­wandel stört den Lebenszyklus der Kaffeepflanzen oder begünstigt die Ausbreitung von Krankheiten, er führt zu Dürren oder Überschwemmungen, wie zum Beispiel in Brasilien, wo die starke Trockenheit der letzten Monate dazu geführt hat, dass sich die Blüten der Kaffeepflanzen nicht richtig entwickeln konnten. Man rechnet mit einem Rückgang der brasilianischen Produktion in den Jahren 2025 bis 2026. In Honduras oder Mexiko ist die Situation anders, die Produktion sieht gut aus, aber es gibt keine Arbeitskräfte, die den Kaffee pflücken. Hinzu kommt die Spekulation: Handelshäuser, Banken und Experten überschlagen sich mit Meldungen über die Ernte in Brasilien, die einen geben pessimistische, die anderen optimistische Daten, und das heizt die Spekulation an und treibt den Preis nach oben.

Für Kaffeeplantagen muss Wald gerodet werden. Ist Kaffee ein Klimakiller?

Kleber Cruz García: Das denke ich nicht. Das Problem liegt vielmehr in der Art und Weise, wie ein Produkt  angebaut wird, und nicht im Produkt selbst. Vergleichen wir die konventionelle und die biologische Anbaumethode: Bei der konventionellen Anbaumethode braucht man Land, um Kaffee anzubauen, das heißt, es wird viel Wald abgeholzt, um Anbaufläche zu gewinnen. Um die Kaffeepflanzen produktiv zu ­halten, muss man viel Dünger einsetzen, bis der Boden mehr oder weniger ausgelaugt ist, dann muss man neue Flächen erschließen und so weiter, bis der Boden nichts mehr hergibt. Diese Methode erfordert Pestizide und Herbizide zur Unkrautbekämpfung und dann ist der Kaffeeanbau sehr wasserintensiv. All diese Faktoren sprechen für eine schlechtere Ökobilanz.

Der Bio-Anbau ist genau das Gegenteil, hier wird auf Kunstdünger und Chemie verzichtet beziehungsweise ihr Einsatz ist verboten. Schattenbäume und Mischkulturen sind Voraussetzung für den Bio-Kaffeeanbau, das Wasser wird aufbereitet und ­wiederverwendet. Das ist nachhaltiger Kaffeeanbau, der dem Schutz des Klimas und der natürlichen Umwelt als Lebensgrundlage dient. Vor allem für den Anbau von konventionellem Kaffee werden Waldflächen abgeholzt. Oft werden Chemikalien eingesetzt, außerdem wird viel Wasser benötigt. Der Bioanbau hingegen ist nachhaltig. Hierfür werden Schattenbäume angepflanzt, das können auch Pflanzen sein wie Papayas, Mangos oder Avocados. Diese dienen zum einen dazu, die Temperatur der Kaffeepflanzen zu regulieren. Zum anderen versorgen sie die Pflanzen mit Nährstoffen. Demnach ist der Anbau nicht nur an den Klimawandel angepasst, sondern entspricht dem natürlichen Lebensraum.

Wie sieht es denn in Deutschland aus: Wird hier viel Biokaffee getrunken?

Kleber Cruz García: Der Konsum von biologisch angebautem Kaffee ist in Deutschland leider gering. Zwar trinken die Deutschen viel ­Kaffee, pro Kopf gerechnet sogar mehr als Bier oder Mineralwasser, aber überwiegend konventionell angebauten Kaffee.

Die GEPA (Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt GmbH) ist ein Unternehmen, das fair gehandelte Produkte fördern will.

Fair gehandelter Kaffee ist deutlich teurer als konventioneller Kaffee, hinzu kommt die Inflation. Wie wirkt sich das auf Ihren Kaffee aus?

Kleber Cruz García: Dies wird sicherlich mit einer geringeren Nachfrage einhergehen. Als GEPA machen wir uns natürlich Sorgen, dass die Menschen aufgrund der wirtschaftlichen Situation eher zu billigen Sorten greifen. Zudem wissen wir nicht, wie sich die Inflation entwickeln wird. Aber ich glaube dennoch, dass es weiterhin Menschen geben wird, die bewusst fair gehandelten Kaffee kaufen wollen.

Ihr Kaffee wird traditionell in Weltläden verkauft, aber man findet ihn mittlerweile auch in Supermärkten. Wie sieht es preislich aus, zahle ich im Weltladen mehr für einen Kaffee von Ihnen?

Kleber Cruz García: Mittlerweile verkaufen wir mehr Produkte im Einzelhandel. Preislich liegen hierbei die gleichen Konditionen vor, jedoch haben wir keinen Einfluss auf die Preisgestaltung im Supermarkt, da es keine Preisbindung gibt.

Knapp 30 Prozent des empfohlenen Verkaufspreises gehen bei Ihnen an genossenschaftliche Organisa­tionen. Bei konventionellem Kaffee sind es knapp 10 Prozent. Warum geht das Geld nicht direkt an die Bauern?

Kleber Cruz García: Die Genossenschaften sind ein Zusammenschluss von Kaffeeproduzenten. Ihr Ziel ist es, gemeinsam die Produkte zu vermarkten und somit einen größeren Absatzmarkt zu schaffen. So können wir sicherstellen, dass das Geld auch bei den Arbeitern ankommt. Lediglich mehr Geld zu zahlen, hilft den Kaffeebauern nicht weiter, denn mehr Geld bedeutet nicht unbedingt Entwicklung. Über das Geld, das an die Genossenschaften fließt, werden Gemeinschaftsprojekte finanziert. Dazu gehört der Bau von Straßen, mehr Geld für Schulen oder finan­zielle Hilfe für das Gesundheits­system. Über die konkrete Verwendung entscheiden die Mitglieder der Genossenschaft.

Inwiefern mischt die Politik im ­Kaffee-Geschäft mit?

Kleber Cruz García: Es gibt viele Regularien, die von der Europäischen Union und der Bundesrepublik verordnet werden. Dazu zählen beispielsweise Lieferkettengesetze oder Bioverordnungen. Unsere Aufgabe ist es, den Genossenschaften diese Regelungen zu erklären, damit sie diese umsetzen. Nur so haben sie Zugang zum europäischen Markt. Politische Arbeit ist Teil unserer Arbeit, damit wollen wir zur Veränderung der weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen beitragen. Aber auch Politik mit dem Einkaufskorb ist wichtig. Fair gehandelter Kaffee ist seit Jahren eine Nische, wir wachsen im Schneckentempo, deshalb haben wir auch die Ungleichheiten, die wir jetzt auf dem Markt haben. Wenn wir mehr fair gehandelten Kaffee trinken würden, dann könnten wir den Marktanteil erhöhen und mehr Produzenten würden von den Vorteilen des fairen Handels profitieren.

Wie werden die Verordnungen von den Kaffeebauern wahrgenommen?

Kleber Cruz García: Glücklich sind sie darüber nicht. Die Verordnungen kosten nicht nur Geld, sondern vor allem Zeit. Deshalb arbeiten wir eng mit den Genossenschaften zusammen und brauchen daher klare Rahmenbedingungen von der Politik.

Was erhoffen Sie sich von den Konsumenten?

Kleber Cruz García: Im Endeffekt trifft der Konsument allein die Entscheidung, ob er einen konventionellen Kaffee kauft oder einen biologischen aus fairem Handel. Und da wünsche ich mir, dass die Konsumenten ganz bewusst zu einem fair gehandelten Kaffee greifen, damit diese Welt ein Stück besser wird.