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Schwangerschaftskonfliktberatung

Beratungsstellen bieten vielseitige Hilfe in der Schwangerschaft

Die Diakonie bietet vielfältige Unterstützung für Frauen und Familien in der Schwangerschaft. Bei der Beratung geht es auch darum, Themen aus dem Tabu zu holen. Von Franciska Bohl

Eine hochschwangere Frau sitzt mit Rückenschmerzen auf einem Bett
Unsplash+/Curated Lifestyle

Vom Kinderwunsch bis zur Schwangerschaft: Das werdende Leben beschäftigt die Menschen seit Urzeiten. Nicht immer läuft alles nach Plan, oft werden diese Lebensphasen zur Belastung. Das bekommen auch die Mitarbeiterinnen des Kreisdiakonieverbands im Landkreis Esslingen zu spüren, die mit den Sorgen junger Mütter und Väter konfrontiert werden.

Psychologische Hilfe nach Fehlgeburt 

Eine Frau, Anfang 30, ruft bei der Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung an. Sie hatte vor kurzem eine Fehlgeburt. Die Erfahrungen im Krankenhaus waren für sie traumatisch: Erst nach stundenlanger Wartezeit kam sie an die Reihe, Ärzte und Pflegepersonal waren so im Stress, dass sie kaum aufgeklärt wurde über ihren Zustand. „Es gab kein Gespräch im Vorfeld, sie wurde einfach als me­dizinischer Fall abgehandelt“, beschreibt es Beraterin Patricia Nagel. Glücklicherweise wurde ihr psychologische Hilfe nahegelegt – und so wandte sie sich an das ­Diakonische Beratungszentrum Esslingen.

Im konkreten Gespräch achten die Mitarbeiterinnen dann darauf, den Betroffenen erst einmal Raum für ihre Gefühle zu geben und sie erzählen zu lassen. „Es geht nicht darum, zu trösten, sondern der Trauer Platz zu geben. Von dort aus schauen wir dann gemeinsam, wie es weiter­gehen kann“, schildert Patricia Nagel. 

Die Frauen brauchen einen Landeplatz. Hier dürfen sie ihr Herz öffnen und weinen, wenn ihnen danach ist.

sagt Susanne Dörrich von der Diakonischen Beratungsstelle Nürtingen

Unterstützung auch für Familien und Väter

Die Themen, die bei der Beratungsstelle eine Rolle spielen sind viel mehr, als es die Beschreibung „Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung“ vermuten lässt. Denn die Verantwortlichen bieten Unterstützung an bei Problemen, die auch Väter oder ganze Familien betreffen. Meistens wendet sich die Frau an die Beratungsstelle, manchmal sind es aber auch Paare oder Väter. Oft kommen sie mit gesellschaftlichen Tabuthemen, die in der Öffentlichkeit nur wenig diskutiert werden.

Die Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung des Kreisdiakonieverbands im Landkreis Esslingen ist erreichbar unter Telefon 0711-342157-0, die Diakonische Bezirksstelle Nürtingen unter Telefon 07022-932775.

Weitere Informationen gibt es auf der Website des Kreisdiakonieverbandes.

Beratungsfelder bei der Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung:

  • pränatale Depression
  • Partnerschaftsprobleme
  • Totgeburten
  • Finanzfragen wie Elterngeld oder Existenzsicherung
  • Mutterschutz
  • Ängste der werdenden Eltern
  • unerfüllter Kinderwunsch
  • Fragen zur Geburt

Falsche Erwartungen an Eltern sind ein Problem

Der Impuls aus dem Umfeld, mit solchen Problemen sich doch „an eine gute Freundin“ zu wenden, sei nicht immer hilfreich, weiß Susanne Dörrich. „Freunde sind oft selbst gefühls­mäßig involviert, sie haben ihre eigene Geschichte mit solchen Themen.“ Hinzu kommt, dass in der Gesellschaft viele Vorstellungen und Ideale kursieren, die mit der Realität, etwa der einer jungen Mutter, nur wenig zu tun haben. „Bei vielen entsteht Scham, weil man die Situation scheinbar nicht gut hinkriegt“, sagt Claudia Brendel, Leiterin der Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung in Nürtingen.

Die sozialen Medien vermitteln ein falsches Bild davon, was es heißt, Frau und Mutter zu sein

sagt Susanne Dörrich

Ängste und Sorgen in der Beratung überwinden

Im Beratungsgespräch geht es darum, Mut zu schöpfen und sich bewusst zu fragen: Wie geht es mir damit? Was sind meine Bedürfnisse? Oft sind es aber auch ganz praktische Sorgen, die die betroffenen Paare beschäftigen. So sei es zunehmend schwierig, eine Hebamme oder einen Gynäkologen zu finden, bestätigt Claudia Brendel. Das heißt, die gesundheitliche Fürsorge ist oft nicht mehr gewährleistet. Umso wichtiger, dass auch Ärzte mehr auf die Beratungsstellen hinweisen, betonen die Verantwortlichen.

Wir wollen solche Themen aus der Tabuzone holen

sagt Claudia Brendel