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Kulturtipps

Berühmte Friedhöfe: Wo Prominente ihre letzte Ruhe finden

Friedhöfe sind in großen Städten populäre Besucherziele mit einem jeweils ganz eigenen Ambiente. Zahlreiche bekannte Persönlichkeiten begegnen einem dort wieder. Ein paar prominente Beispiele. Von Franciska Bohl, Andreas Steidel, Nicole Marten, Tobias Glawion und Antje Schmitz

Aus der Vogelperspektive sieht man Gräber auf einem Friedhof. Der Friedhof ist grün, aber es sind schon die ersten Herbstfarben zu sehen in den Blättern der Bäume.
Unsplash/Erik Mclean
Das Bild zeigt das Grab von Udo Jürgens, davor liegen Blumengestecke und ein Bild von Udo Jürgens ist aufgestellt
Torsten Köster
Udo Jürgens Grab auf dem Wiener Zentralfriedhof.

Der Zentralfriedhof in Wien

„Wisst ihr, wo der Hans Moser liegt?“ „Nein, aber zum Falko geht’s da hinten rechts lang!“ Dialoge wie diese sind ganz normal auf dem viel besagten und – etwa von Wolfgang Ambros – besungenen Wiener Zentralfriedhof. Mit einer Fläche von fast zweieinhalb Quadratkilometern und rund 330.000 Grabstellen gehört Wiens letzte Ruhestätte im Stadtteil Simmering zu den größten Friedhofsanlagen Europas. Wem der Marsch über die Anlage zu beschwerlich ist, kann auch mit einem Bus durchfahren.

Eine Imbissbude direkt vor dem Friedhof mit dem Namen „Is eh wuaschd“ zeugt von dem berühmten morbiden Humor der Wiener. Und wer unter den rund drei Millionen Verstorbenen prominente Gräber wie die von Ludwig van Beethoven, Udo Jürgens, Arthur Schnitzler oder Viktor Frankl entdeckt hat, kann sich hinterher bei Kaffee und Kuchen stärken: in der Konditorei „Oberlaa“, direkt neben Tor 2. 

Größter Parkfriedhof der Welt: Der Ohls­dorfer Friedhof in Hamburg

Hamburg, das ist Hafen, Speicherstadt, Binnen- und Außenalster, Elbphilharmonie, St. Pauli. Orte, an denen das Leben pulsiert. Doch Hamburg ist auch die Stadt mit dem größten Parkfriedhof der Welt: dem Ohls­dorfer Friedhof. Inmitten von Rhododendren, Bäumen und Rosen, neben Teichen, Kunstdenkmälern und zwischen 12 Kapellen kann man zur Ruhe kommen, die Parklandschaft sowie die friedliche Atmosphäre auf sich wirken lassen. Oder Themenparks besuchen, wie den Garten der Frauen, in dem bedeutende Frauen begraben sind. Oder man sucht Gräber von bekannten Persönlichkeiten. Loki und Helmut Schmidt, James Last, Inge Meysel, Heinz Erhardt: Sie und viele weitere haben hier ihre letzte Ruhestätte. Nach dem Vorbild englischer Parks angelegt und 1877 eröffnet, sollte dieser Friedhof dafür sorgen, dass es nie wieder Platznot auf Hamburgs Friedhöfen gibt. 

Das Bild zeigt einen grauen Grabstein mit der Aufschrift Bertolt Brecht
epd-bild/Rolf Zöllner
Die letzte Ruhestätte von Bertolt Brecht.

Prominente auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin

Es gibt kaum einen Friedhof in Deutschland mit einer solchen Prominentendichte aus dem Bereich Kunst und Literatur wie derjenige der Dorotheenstädtischen Gemeinde in Berlin: Die Schriftsteller Heinrich Mann, Anna Seghers und Bertolt Brecht, die Philosophen Johann Gottlob Fichte und Georg Wilhelm Hegel, der Baumeister Friedrich Schinkel, der Namensgeber der Litfaß-Säule Ernst Litfaß und der Dramatiker Heinrich Müller, auf dessen Grab manche eine brennende Zigarre ablegen – alle sind sie hier versammelt.

Der Friedhof, angelegt von den Preußen 1762, enthält auch eine Vielzahl baulich imposanter Grabdenkmäler und einige Politikergräber wie das von Egon Bahr und Johannes Rau. 

Auf Thomas Manns Spuren am Zürich-See

Kilchberg war der letzte Wohnort des Schriftstellers und Literaturnobelpreisträgers Thomas Mann. Der Ort liegt am Zürich-See und grenzt unmittelbar an die größte Stadt der Schweiz. Hier und nicht etwa in Lübeck liegt Thomas Mann begraben. In einem Familiengrab mit beinahe allen seinen Kindern wurde er auf dem dortigen Friedhof 1955 bestattet. Wie Satelliten um einen Fixstern sind die Grabplatten von Erika, Monika, Elisabeth und Michael Mann um den großen Quader des gefeierten Autors und seiner Ehefrau Katia verteilt – ein Spiegelbild des Lebens der Familie Mann. Nur Sohn Golo ließ sich demonstrativ am anderen Ende des Höhenfriedhofs begraben, auf dem auch der Schriftsteller Conrad Ferdinand Meyer seine letzte Ruhestätte fand. 

Das Bild zeigt einen in den Boden eingelassenen Grabstein auf dem Steht John C. Cranko. Darauf liegen rosafarbene Rosen
Andreas Steidel
Auf dem Stuttgarter Solitude-Friedhof ist John Cranko begraben.

John Cranko auf dem Solitude-Friedhof besuchen

Die wahrhaftigste Szene des Films „Cranko“ steht am Schluss: Da versammeln sich Marcia Haydee, Birgit Keil und andere Tänzerinnen und Künstler des legendären Ballett-Choreografen John Cranko an dessen Grab auf dem 1866 angelegten Stuttgarter Solitude-Friedhof. 1973 jung gestorben, zieht Crankos Name und Vermächtnis immer noch viele Ballettfreunde an. Schloss Solitude und der Stadtwald sind ein beliebtes Naherholungsziel der Stuttgarter. Umso verwunderlicher, dass der Weg zu dem kleinen Friedhof an der Bergheimer Steige nicht besser beschildert ist, zumal hier auch die Eltern des ehemaligen Bundesprä­sidenten Richard von Weizsäcker, ­Robert Bosch Junior und der Bildhauer Fritz von Graevenitz bestattet sind.

­Christiansfeld: gegründet von der Herrnhuter Brüdergemeinde

Christiansfeld liegt im Süden Dä­nemarks, zwischen Haderslev und Kolding, nahe der Ostseeküste. Die Herrnhuter Brüdergemeine gründete die Stadt 1773 mit königlicher Erlaubnis von Christian VII. Heute zählt sie zum Unesco-Weltkulturerbe. Neben Honigkuchen und Herrnhuter Sternen beeindruckt ­besonders der „Gottesacker“, der Friedhof der Gemeinde. Wie die Stadt selbst folgt auch er einem streng geometrischen Muster. Flache, einheitliche Grabsteine reihen sich ohne Prunk und Hierarchie aneinander. Diese schlichte Gestaltung spiegelt ein tiefes theologisches Prinzip wider: Vor Gott sind alle Menschen gleich. Die Herrnhuter praktizieren diese Bestattungsform bis heute als Ausdruck ihres Glaubens und ihrer Gemeinschaft. Der Gottesacker bietet nicht nur Ruhe, sondern zieht auch Touristen an. Viele Dänemark-Besucher kommen, um diese besondere Atmosphäre zu erleben.

Das Bild zeigt den Friedhof Christiansfeld in Dänemark.
Tobias Glawion
Auf dem Gottesacker in Christiansfeld sind alle gleich.