Die badische evangelische Landesbischöfin Heike Springhart hat die Abgeordneten des neuen baden-württembergischen Landtags dazu aufgerufen, auch unpopuläre Wahrheiten auszusprechen. Bei einem Gottesdienst zur Konstituierung des Parlaments am Dienstag in Stuttgart zog sie Parallelen zwischen der heutigen Politik und dem biblischen Propheten Jeremia. Gute Politik brauche Mut und Demut zugleich, sagte sie.
Biblischer Bezug: Was Jeremia der heutigen Politik lehren kann
Springhart erinnerte an Jeremias Rat an die nach Babylon deportierten Judäer im 6. Jahrhundert vor Christus. Diese sollten sich in der Fremde integrieren, Häuser bauen und sich um das Wohl der Stadt bemühen. Die Bischöfin übertrug dieses Bild auf die heutige Zeit. Zugereiste Menschen aus Ländern wie Syrien, Afghanistan oder der Türkei seien ein Gewinn. «Sie machen unser Land reich und unsere Gesellschaft vielfältig. Und das ist gut so!», sagte Springhart. Es sei die Aufgabe aller, Baden-Württemberg zu einem sicheren Ort für jeden zu machen, unabhängig von Herkunft, Glaube oder wen er liebe.
Heike Springhart: Politik braucht Kompromisse
Der Prophet Jeremia habe unbequeme Prognosen gestellt und sei dafür angefeindet worden. Die Herausforderung, wahre Aussagen von Falschnachrichten zu unterscheiden, sei keine neue Erfindung. Die Suche nach den besten politischen Lösungen erfordere einen langen Atem, Debatten und manchmal auch Kompromisse. Dies sei eine Aufgabe für die Abgeordneten im Landtag und für die Landesregierung.