Bedeutung der „Charta Oecumenica“ für die Kirchen in Europa
Die „Charta Oecumenica” gilt als eines der bedeutendsten gemeinsamen Dokumente der christlichen Kirchen in Europa. Das Papier formuliert Leitlinien und Selbstverpflichtungen für die Zusammenarbeit der Kirchen. Der Text wurde zum Abschluss eines „Millennium-Gipfels“ im April 2001 in Straßburg von der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) und dem katholischen Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) verabschiedet. Beide Organisationen repräsentieren Kirchen, denen fast alle reformatorischen, orthodoxen und katholischen Christen auf dem Kontinent angehören.
Ein revidiertes Dokument für mehr ökumenische Zusammenarbeit
In Berlin hatten Vertreter von 18 Mitgliedskirchen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) am 15. September 2026 eine revidierte „Charta Oecumenica“ unterzeichnet. Die europäischen Leitlinien für die kirchliche Zusammenarbeit sollen damit in Deutschland breiter verankert werden.
Neu aufgenomme Abschnitte:
- Frieden
- Migration
- neuen Technologien
- Bedeutung der Jugend
Appell zur Überwindung kirchlicher Trennungen
Der Vorsitzende des Weltkirchenrats, Heinrich Bedford-Strohm, appellierte bei der Unterzeichnung der revidierten „Charta Oecumenica“ nach Angaben der ACK an die Kirchen, ihre anhaltende Trennung „nicht als Normalfall“ zu betrachten. Der frühere bayerische Landesbischof und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) betonte zudem die klare Haltung der fortgeschriebenen „Charta Oecumenica“ gegen eine politische Instrumentalisierung des Christentums. Der ACK-Vorsitzende, Reverend Christopher Easthill aus Wiesbaden, wertete die Unterzeichnung als einen neuen Anfang:
Nehmen Sie diesen Text in die Hand, lesen Sie darin wie in einer Landkarte der Hoffnung.
sagte der ACK-Vositzende Reverend Christopher Easthill
Rückblick: Die erste deutsche Unterzeichnung im Jahr 2003
Bereits 2003 hatten 16 Mitgliedskirchen der ACK die „Charta Oecumenica“ beim Ersten Ökumenischen Kirchentag in Berlin unterzeichnet. Die nun revidierte Fassung wurde auf der europäischen Ebene im vergangenen November in Rom besiegelt. Sie nimmt neue Herausforderungen in Europa in den Blick. Im Zentrum stehen weiterhin die Selbstverpflichtungen der Kirchen. Die Charta hat allerdings keinen lehramtlichen oder kirchenrechtlichen Anspruch.