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Religiöse Zugehörigkeit und Identität

Building Bridges Seminar: Christlich-muslimische Tagung in Tübingen

Jedes Jahr treffen sich Theologen aus aller Welt, um über die wichtigsten Themen an der Schnittstelle zwischen Islam und Christentum zu diskutieren. Von Gerlinde Wicke-Naber (epd)

In einem großen Raum sitzen auf einer Bühne drei Menschen an einem langen Tisch – es sind von links Daniel Madigan, Catherine Cornille und Youshaa Patel. Sie schauen in Richtung Publikum, das auf Stühlen vor ihnen sitzt
epd-bild/Gerlinde Wicke-Naber
Bei der Auftaktveranstaltung zum „Building Bridges Seminar”: Daniel Madigan, Catherine Cornille und Youshaa Patel.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten treffen sich christliche und muslimische Theologinnen und Theologen alljährlich zum „Building Bridges Seminar” und tauschen sich über theologische Themen aus. Nach Washington, Istanbul, Sarajevo, Rom und Doha findet das Seminar dieses Jahr erstmals in Tübingen statt.

Als „große Ehre für unser Zentrum und unsere Universität” bezeichnet Professorin Lejla Demiri, die Leiterin des Zentrums für Islamische Theologie (ZitH) der Universität Tübingen, das Building Bridges Seminar, das am Abend des 10. Juni mit einer öffentlichen Auftaktveranstaltung begann. Tübingen mit seinem „Campus der Theologien” sei dafür geradezu prädestiniert, so Demiri. Bis zum 14. Juni kommen 32 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Theologinnen und Theologen aus der ganzen Welt, die von der Georgetown Universität Washington ausgewählt wurden, ins Gespräch.

Beim Building Bridges Semianar wird Zugehörigkeit diskutiert

Das diesjährige Thema ist „Belongings“: Wie definieren Christen und wie Muslime jeweils ihre Zugehörigkeit? Was macht ihre religiöse Identität aus? Diese Frage diskutieren die christlichen und muslimischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer anhand ausgewählter Texte aus dem Koran, der Bibel sowie theologischen und historischen Werken. Dabei treten die Teilnehmenden in einen intensiven Dialog.

Wir führen täglich von morgens 9 Uhr bis abends um 19 Uhr interreligiöse Gespräche.

erklärt Lea Schlenker vom Tübinger Organisationsteam

Bei den Gesprächen gehe es vor allem darum, den eigenen Standpunkt zu erklären, sagte Reverend Daniel Madigan, Professor für Interreligiöse Theologie an der Australischen Katholischen Universität und einer der Mitorganisatoren des Seminars.

Was ist das Building Bridges Seminar?

Das Building Bridges Seminar wurde 2002 von George Carey, dem damaligen Erzbischof von Canterbury, ins Leben gerufen als Reaktion auf die Terroranschläge auf das New Yorker World Trade Center am 11. September 2001. Es findet dieses Jahr zum 23. Mal statt – zum ersten Mal jedoch in Tübingen.

Die Leitung übernahm 2012 die Georgetown Universität in Washington. Seither findet das Seminar alle zwei Jahre in Washington und in den Zwischenjahren in wechselnden Städten weltweit statt.

Persönliche Geschichten über christliche und muslimische Perspektiven

Youshaa Patel, Professor für Religiöse Studien am Lafayette College in Pennsylvania, berichtete, wie ihn frühkindliche Erfahrungen der Ausgrenzung als Muslim in Schottland geprägt haben. Das Gefühl des Andersseins begegnete ihm 20 Jahre später wieder in einer Moschee in den USA, wo der Imam dazu aufrief, dass „Muslime anders sein müssten“.

Catherine Cornille, Professorin für Komparative Theologie am Boston College, zeigte auf, wie unterschiedlich christliche Identitäten sein können und wie sich die Kriterien für Zugehörigkeit im Laufe der Zeit verändert haben. So gebe es neben der Taufe, die lange als unabdingbar für die Zugehörigkeit zum Christentum galt, mittlerweile auch andere Formen.

Ein Mann und eine Frau stehen nebeneinander. Die Frau trägt ein Kopftuch es sind Daniel Madigan (links) und Lejla Demiri (rechts). Im Hintergrund ist einen Bühne, Stühle und eine Leinwand zu sehen.
epd-bild/Gerlinde Wicke-Naber
Daniel Madigan hier mit Lejla Demiri.

Glaube geschärft durch Building Bridges Seminar

Für den Jesuiten Daniel Madigan ist es nicht das erste Building Bridges Seminar. „Der interreligiöse Dialog hat meinen Glauben geformt und geschärft”, berichtete der Australier. Er empfindet die Dialoge mit Muslimen als bereichernd.

Ich nehme die Kritik ernst, die Muslime am Christentum äußern – zum Beispiel an der Dreieinigkeit und der Kreuzigung. Dadurch bin ich selbst bestärkt worden in meinem Glauben an den Kreuztod und die Trinität.

sagt Daniel Madigan