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Waldbaden

Christliches Waldbaden: Der Wald als spirituelle Kraftquelle

Waldbaden liegt im Trend. Da sollte man das Feld nicht nur anderen überlassen, meinen Diakon Markus Munzinger und Pfarrerin Heike Ehmer-Stolch. Deshalb bilden sie christliche Waldbadebegleiter aus.  Von Andreas Steidel

Eine Gruppe Menschen steht im großen Kreis in einem Wald. In der Mitte liegen Stücke und eine runde Recke auf dem laubbedeckten Waldboden.
Pressebild

Warum Waldbaden heute so gefragt ist

Man geht durch die Natur. Schritt für Schritt. Hält inne. Atmet tief ein und aus. Jemand spricht wohl­tuende Worte. Ganz allmählich kommt die Seele zur Ruhe. Die Gedanken kreisen nicht mehr. Endlich ein wenig Frieden in diesen aufgewühlten Zeiten.

Die Sehnsucht nach einer kleinen Auszeit in der Natur ist groß. Und so hat sich das, was von manchen anfangs belächelt wurde, das Waldbaden, längst etabliert. Eine Vielzahl von Angeboten gibt es heute, nicht wenige davon mit durchaus esoterischem Charakter.

Diakon Markus Munzinger und Pfarrerin Heike Ehmer-Stolch stehen nebeneinander und grinsen.
Andreas Steidel
Diakon Markus Munzinger und Pfarrerin Heike Ehmer-Stolch

Spiritualität und Christliche Impulse im Wald

Diakon Markus Munzinger von ­Kirche im Grünen beobachtet das schon eine Weile. Etwas, das die Menschen so fasziniert, mit christlichen Inhalten zu füllen, das fand er ausgesprochen reizvoll. 2023 ließ er sich am Institut für Waldatmen und Naturerfahrung zum Waldbadebegleiter ausbilden. Der Wald und die Bäume waren dem leidenschaft­lichen Imker schon immer sehr nahe.

Ganz ähnlich ging es Pfarrerin Heike Ehmer-Stolch von der Heckengäugemeinde im Kirchenbezirk Calw-Nagold. Auch sie liebt den Wald, ist von der Natur als Kraftquelle überzeugt, trat sogar der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald bei. An der Deutschen Akademie für Waldbaden und Gesundheit in St. Martin in der Pfalz ließ sie sich 2020 zur Kursleiterin schulen.

Wie die Idee christlicher Waldbadebegleiter entstand

Irgendwann erfuhren beide von der Wald- und Naturbegeisterung des anderen. Man traf sich, redete über alles und entwickelte schließlich eine Idee: Warum nicht im Bereich der Landeskirche in Württemberg christliche Waldbadebegleiter ausbilden?

2025 gab es den ersten Kurs, 2026 wird es weitergehen, mit einem ­Theoriewochenende im Juli und ­einem Praxistag im September. Am Ende steht ein Zertifikat für die ­Teilnehmenden, die dann selbst Gruppen führen können.

Waldbaden aus Japan: Wissenschaftlich belegte Gesundheitswirkungen

Waldbaden kommt ursprünglich aus Japan. Dort entstand es, weil eine überstresste Gesellschaft plötzlich feststellte, dass der Wald Wunder wirkt – auch bei Menschen mit Depressionen. Zwischenzeitlich haben die Japaner rund 60 Heilwälder ausgewiesen und wissenschaftliche Untersuchungen in Auftrag gegeben, die zeigen, dass der Aufenthalt im Wald das Herz-Kreislauf-System stärkt und die Produktion von Antikrebszellen unterstützt.

Kurs christliche Waldbadebegleiter

Der Kurs findet vom 3. bis 5. Juli im Haus Bittenhalde in Tieringen statt (Praxistag am 26. September). Anmeldung und Auskunft bei Markus Munzinger per Telefon 0152-33774952 oder E-Mail.

Christliche Tradition der Naturverbundenheit

Die gesundheitsfördernde Wirkung des Waldes ist auch in der christ­lichen Kultur nichts Fremdes, darauf legen Markus Munzinger und Heike Ehmer-Stolch großen Wert. So wird der Äbtissin Hildegard von Bingen der Satz zugeschrieben: „Geh einfach hinaus ins Grün des Waldes und du wirst Heilung erfahren, allein indem du dort bist und atmest.“

Sind Ehmer-Stolch und Munzinger mit Menschen im Wald unterwegs, dann wird auch Hildegard von Bingen immer wieder zitiert. Sie lesen aus Psalmen, sprechen Bibelworte, dezent und unaufdringlich, aber so, dass man am Ende weiß, was ein christliches Angebot von anderen unterscheidet. In der besonderen Umgebung des Waldes sind viele Menschen offen für derlei Inhalte.

Kirche ist viel zu oft drinnen, man muss raus in die Natur

sagten Heike Ehmer-Stolch und Markus Munzinger

Den Menschen ein Erlebnis vermitteln, sie auf ganz ruhige Art zum Staunen zu bringen, das ist ihr Ziel „und der Anfang aller Spiri­tualität“ – davon sind Heike Ehmer-Stolch und Markus Munzinger fest überzeugt.