Kinotipp: "Perfect Days" von Wim Wenders

Das Große in den kleinen Dingen

Hirayama säubert Toilettenhäuschen, seine Mittagspause verbringt er im Park, abends isst er in einem Straßenrestaurant. Er hat einen Blick fürs Detail und hilft seinen Mitmenschen. Koji Yakucho erhielt für seine Rolle bei den Filmfestspielen in Cannes den Preis als bester Darsteller. Von Antje Schmitz

Pressebild/2023 Master Mind Ltd

Hirayama macht nicht viele Worte. Schweigsam verrichtet er sein Tagwerk. Steht auf, rollt seinen Futon zusammen, schaut nach seinen Zimmerpflanzen und fährt zur Arbeit. Auf der Fahrt durch Tokio hört er Kassetten von Otis Redding, Patti Smith und Lou Reed, der den „Perfect Day“ besingt. Hirayama übt einen Beruf aus, der für viele Menschen nicht perfekt sein dürfte. Er säubert Toilettenhäuschen, und das mit Akribie. Seine Mittagspause verbringt er im Park, abends gönnt er sich ein Essen in einem Straßenrestaurant. Hirayama hat einen Blick für Details, bewundert das Schattenspiel der Baumkronen und hilft wie nebenbei seinen Mitmenschen.

Fast meditativ folgt Regisseur Wim Wenders der Hauptfigur Hirayama durch seine von Wiederkehr und kleinen Varianten geprägten Tage. Macht er ein Foto, dann bedankt er sich bei seinem Motiv, auch wenn es ein Baum ist. Schauspieler Koji Yakucho erhielt für seine Rolle bei den Filmfestspielen in Cannes den Preis als bester Darsteller.

„Perfect Days“ ist ein japanischer Film des deutschen Regisseurs Wim Wenders. Er war 2022 nach Tokio eingeladen, um sich von modernen Toilettenhäuschen künstlerisch inspirieren zu lassen. Vor fast 100 Jahren, im Jahr 1924, hatte sich ein anderer deutscher Regisseur dem stillen Örtchen als Schauplatz gewidmet: Friedrich Wilhelm Murnau mit „Der letzte Mann“. Anders als bei Murnau ist die Toilette bei Wenders aber kein Ort des sozialen Abstiegs, sondern ein Platz, an dem sich Gemeinsinn beweist.

Wenders schildert die Erlebnisse von Hirayama, blickt in dessen Träume und in dessen Vergangenheit. Ein menschenfreundlicher Film, der das Große im scheinbar Kleinen würdigt. Die Jury der Evangelischen Filmarbeit hat „Perfect Days“ zum Film des Monats Dezember gekürt.