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Frühjahrstagung der Landessynode

Das wurde auf der württembergischen Landessynode diskutiert

Die Synode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg hat vom 28. bis 29. März im Hospitalhof Stuttgart getagt. Es ging unter anderem ums Sparen, Kirchenmusik und die gleichgeschlechtliche Ehe. Von Antje Schmitz, Nicole Marten, epd

Menschen sitzen in einem Saal an langen weißen Tischen. Das Bild zeigt die Tagung der Frühjahrssynode der eEangelischen Landeskirche in Württemberg
Pressebild/Gottfried Stoppel
Bei der Frühjahrstagung der Synode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Die Landeskirche muss Geld sparen

Die württembergische Landeskirche und ihr Parlament, die Landessynode muss Aufgaben abgeben, Projekte auslaufen lassen, sich von Immobilien trennen. Denn eine Milliarde Euro soll die Kirche innerhalb von zwölf Jahren sparen, so hat es die Synode im Herbst beschlossen. Das Geld wird für die Pensionen der Pfarrerinnen und Pfarrer sowie weiterer Kirchenbeamten benötigt. Hinzu kommen, wie Finanzdezernent Fabian Peters im Stuttgarter Hospitalhof erläuterte, die trüben wirtschaftlichen Aussichten und die sinkenden Mitgliederzahlen. So wird die Kirche weniger Kirchensteuern einnehmen.

Peters und Direktor Stefan Werner präsentierten den Synodalen nun die „Prioritätenliste“. Aus ihr geht hervor, in welchem Bereich kirchlich-diakonischer Arbeit wieviel gespart werden soll. Der Durchschnitt liegt bei 31 Prozent. Wird in einem Bereich weniger gespart, muss ein anderer Bereich stärker beschnitten werden. 

In der Aussprache  plädierten viele Synodale dafür, die Jugendarbeit zu schonen. 31 Prozent oder 1,2 Millionen Euro soll beispielsweise das evangelische Jugendwerk in Württemberg (EJW) erbringen – zuviel, sagten die Synodalen. Ohne Kinder und junge Menschen habe die Kirche keine Zukunft. Wobei, wie Mitglieder des Gesprächskreises „Offene Kirche“ betonten, auch außerhalb des EJW wertvolle Arbeit geleistet werde.

„Kirche für morgen“ möchte die vier Tagungshäuser der Landeskirche aufgeben. Letzeres dürfte schwierig sein, denn es soll keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Läuft ein Zeitvertrag oder eine Projektstelle aus, so ist dies keine Kündigung.

Die Kirchenleitung will auch bei sich selbst sparen. So sollen rund 100 Stellen wegfallen und der Landesbischof sowie die Prälatinnen und Prälaten künftige keine eigenen Fahrer mehr haben. Außerdem würden Doppelstrukturen abgeschafft und vier Referatsleitungsstellen gestrichen. Ein Antrag des Gesprächskreises „Kirche für morgen“ sieht übrigens vor, die Prälaturen ganz aufzulösen und so eine Verwaltungsebene zu sparen. 

Alle Anträge sind an die Ausschüsse der Synode verwiesen worden und werden dort geprüft. Während der Sommersynode, die am 4. und 5. Juli in Stuttgart stattfindet, sollen die Synodalen dann über die Anträge abstimmen. Dann wird die Konsolidierung des Haushalts konkreter.

Eine Gruppe von Menschen singt gemeinsam. Eine Frau sitzt an einem Klavier
Unsplash/Andrej Lišakov

Verkündigung geht auch durch Musik

„Musik ist ein unendlicher Schatz der Kirche“, sagte Matthias Hanke, landeskirchlicher Musikdirektor in Württemberg, beim Schwerpunkt Musik in der Kirche. Durch die Musik werde Tradition und Botschaft weitergegeben – und das durch Begeisterte. „Menschen lassen sich anstecken und befähigen, sie wachsen über sich hinaus“, stellte Hanke fest. Durch gemeinsames Musizieren entstehe Gemeinschaft, die auch im Generationenwandel fruchtbar bleibe.

Musik sei eine „kaum zu überschätzende Möglichkeit der Kirche, den Glauben zu kommunizieren“, sagte Günter Thomas, Professor für Systematische Theologie an der Ruhr-Universität in Bochum. Auch Zweifler, Skeptiker, Angefochtene und viele andere können durch die Musik eine Heimat in der Kirche finden, meint Thomas. Denn „im Raum der Musik und im Singen muss man nicht glauben, was man alles so hört und sagt.“ Das sei eine Chance: Die Musik und ihre Stimmung erlaubten es nämlich, Glauben und Gottesrede auszuprobieren. Dadurch könne der Glaube probeweise und unverbindlich durchgespielt werden.

Der Versuch einer Ehrenamtskirche

Kirchen- beziehungsweise Gemeindeleitung ermöglichen ohne Hauptamtliche? Das ist das Ziel eines Vorstoßes, der sich „Erprobung einer Ehrenamtskirche“ nennt. Bei der Tagung der württembergischen Landessynode sprach sich Martin Plümicke als Vertreter des Rechtsausschusses dafür aus, solche Formen von Kirchenleitung zu ermöglichen. Viele Synodale sind dafür, sie finden allerdings, dass sich das Konzept nicht für große, sondern eher für kleine Gemeinden eignet.

Ein Brautpaar – zwei Frauen – halten sich an den Händen. Zwischen ihnen steht eine Frau, die die beiden traut.
Unsplash+/A.C.

Queere Trauungen sollen grundsätzlich in allen Kirchengemeinde möglich werden

Die Evangelische Landeskirche in Württemberg will das Angebot an Traugottesdiensten für gleichgeschlechtliche Paare ausweiten. Künftig sollen solche Trauungen grundsätzlich in allen Kirchengemeinden möglich sein, hieß es in einem Antrag, der auf der Synode diskutiert wurde. Bislang sind solche Feiern in maximal einem Viertel der württembergischen Kirchengemeinden möglich. Das neue Gesetz soll auch für Paare mit non-binären Partnern gelten.

Die bisherige Regelung eines „Opt-in-Verfahrens” von Kirchengemeinden wird von einem „Opt-out-Verfahren” abgelöst, erläuterte Oberkirchenrat Michael Frisch vor der Synode. Das bedeutet: Während Gemeinden, die eine kirchliche Trauung für gleichgeschlechtliche Paare anbieten wollen, bislang einen entsprechenden Antrag beim Oberkirchenrat stellen mussten, müssen künftig Gemeinden eine Ablehnung solcher Trauungen in ihrer örtlichen Gottesdienstordnung regeln. Für Pfarrerinnen und Pfarrer gilt laut Frisch Gewissensschutz: Niemand muss an einer gleichgeschlechtlichen Trauung mitwirken.

Beschlossen ist das neue Gesetz allerdings noch nicht. Erst sollen sich Rechtsausschuss und Theologischer Ausschuss damit beschäftigen, frühestens in der kommenden Sommersynode kann die Regelung verabschiedet werden. Dafür braucht es dann eine Zweidrittelmehrheit.