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Weihnachten

„Der kleine Lord”: Erst hart und dann herzlich

„Der kleine Lord” ist einer der bekanntesten Weihnachtsfilme in Deutschland. Seit über 40 Jahren berührt er die Menschen. Von Andreas Steidel

Familie mit zwei Kindern sitzt auf einem Sofa und schaut fern.
Unsplash+/Getty Images
„Der kleine Lord” – ein Film für die ganze Familie (Symbolbild).

Der Aristokrat mit steinernem Herzen

Der Earl of Dorincourt gibt sich wirklich alle Mühe, ein Scheusal zu sein. Ein britischer Aristokrat, der seine Untertanen schlecht behandelt und die Nase weit oben trägt. Er lächelt nie und ein gutes Wort für seine Mitmenschen hat er auch nicht übrig.

Der Kleine Lord verändert seinen Großvater

Doch sein Enkel aus Amerika ignoriert das einfach. Die Boshaftigkeiten des Alten sind Luft für ihn, selbst der abfälligsten Bemerkung kann er etwas Gutes abgewinnen. Und so ­erzieht der, der eigentlich als künftiger Lord erzogen werden soll, seinen Erzieher. Am Ende ist der Earl of ­Dorincourt nicht wiederzuerkennen und öffnet sein steinernes Herz. Aus einem verbitterten Greis ist ein ge­selliger Großvater geworden.

„Der kleine Lord“ läuft zweimal in der ARD:

am 20. Dezember 2024 um 20.15 Uhr

und am 26. Dezember 2024 um 14.35 Uhr

Traumhafte Einschaltquoten beim Weihnachtsklassiker

Seit 1982 läuft „Der kleine Lord“ ­immer an Weihnachten in der ARD. Eine englische Verfilmung mit dem berühmten Darsteller Alec Guinness („Dr. Schiwago“, „Die Brücke am Kwai“) als Großvater und einem Kinderstar namens Ricky Schroder in der Rolle des „Little Lord Fauntleroy“, so der Originaltitel.

Die Einschaltquoten sind traumhaft. Jährlich schauen weit über fünf Millionen Menschen den 1980 gedrehten Fernsehfilm an. An den Zahlen hat sich kaum etwas verändert, es ist lediglich zu beobachten, dass der Film in der Gruppe der 14- bis 49-Jährigen verliert, während er beim älteren Publikum an Anhängern dazugewinnt.

„Der kleine Lord” wurde 13 Mal verfilmt

Für bundesdeutsche Zuschauer gibt es eigentlich nur diesen kleinen Lord. Dabei ist der Stoff insgesamt 13 Mal verfilmt worden. Es gibt drei Stummfilmversionen, eine alpine Variante mit Mario Adorf, eine russische Fassung und eine moderne Adaption, bei dem aus dem kleinen Lord eine kleine Lady wird.

Berühmt wurde eine Hollywood-Verfilmung aus dem Jahre 1936, die David O. Selznik auf den Weg gebracht hatte, jener Filmunter­nehmer, der auch „Vom Winde verweht“ produzierte. Selzniks Kinoversion lief zur Weihnachtszeit regelmäßig auch im deutschen Fernsehen, bis der besagte Farb- und Fernsehfilm mit dem berühmten Alec Guinness und dem blonden Ricky Schroder den alten Schwarz-Weiß-Streifen ablöste.

Literararische Vorlage für „Der kleine Lord”

Alle Verfilmungen gehen dabei auf den Roman der britisch-amerikanischen Schriftstellerin Frances Hodgson Burnett aus dem Jahre 1886 zurück. Deren Familie war aus England nach Amerika ausgewandert, was sich im Handeln des kleinen Lords widerspiegelt.

Burnett, selbst noch in England geboren, kannte beide Mentalitäten und landete mit ihrem Buch einen Bestseller. Was sie damals auch erreichte, ungewöhnlich für eine Frau in dieser Zeit: Sie klagte erfolgreich die künftigen Aufführungsrechte für ihr Werk ein.

Mit wenigen Ausnahmen folgt der Film von 1980 dem Roman. Dieser endet mit Little Lord Cedrics Geburtstagsfeier, während der Film das Weihnachtsfest in den Mittelpunkt stellt – eine ideale Voraussetzung für seine künftige mediale Verwendung.

Ein Klassiker des Weihnachtsfernsehens

Heute gehört „Der kleine Lord“ zum weihnachtlichen Fernsehprogramm wie „Sissi“ und „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Danach glaubt man wieder ein wenig mehr an das Gute im Menschen – ein Hoffnungszeichen, das man in diesen Zeiten sehr gut gebrauchen kann.