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Kaffee

Der lange Weg einer Tasse Kaffee

Von über 120 Kaffeearten spielen nur zwei wirtschaftlich eine Rolle. Die ursprüngliche Heimat des Kaffees ist Afrika, wo Ziegenhirten einst eine seltsame Beobachtung machten. Von Andreas Steidel

Kaffeebohnen auf blauem Hintergrund
Unsplash+/Joshua Earle
Eine Frau hält ihre Hände auf rote Kaffeekirschen in einem großen Gefäß
Unsplash+/JSB Co.
Die roten Früchte, von denen die Schafherde gegessen haben soll. In den roten Kaffeekirschen verstecken sich die Bohnen.

Die Herde war wie aufgekratzt. Sprang bis Mitternacht munter umher und wollte einfach nicht müde werden. Zuvor hatten sie von einem Strauch mit roten Früchten gefressen. Die Hirten probierten schließlich selbst davon – und waren am Ende so hellwach wie ihre Ziegen.

Die Geschichte von der Entdeckung eines koffeinhaltigen Strauches im Südwesten des heutigen Äthiopiens ist vermutlich nur eine Legende. Tatsache bleibt jedoch, dass der Ursprung der Kaffeepflanze im tropischen Afrika zu suchen ist und in einer roten Steinfrucht die Bohnen verborgen sind, die unsere Lebensgeister wach halten.

Über den Sklavenhandel kam die Kaffeepflanze im 14. oder 15. Jahrhundert in den Orient, wo ihre außergewöhnlichen Qualitäten entdeckt wurden. Die Araber verbreiteten sie schließlich auch in Europa. Nicht ohne Grund trägt die wichtigste Kaffeesorte der Welt den Namen „Arabica“, und natürlich hat auch das Wort „Kaffee“ arabische Wurzeln: „Kahwe“ stand dort einst für Lebenskraft und Stärke.

124 wilde Kaffeearten finden sich draußen in der Natur. Doch nur zwei haben es zu wirtschaftlicher Bedeutung gebracht: „Coffea canephora“, auch besser unter dem Namen „Robusta“ bekannt, und ebenjener „Coffea arabica“, auf den heute über 60 Prozent der Produktion entfallen.

Beide lieben tropische Gefilde mit gleichbleibend warmen Temperaturen. Außerdem brauchen sie Niederschlag: Zwischen 1500 und 2000 Liter pro Jahr und Quadratmeter sollten es schon sein. Ein Anbau in Deutschland mit seinen rund 800 Litern Regenmenge würde also nicht nur am Frost, sondern auch am fehlenden Wasser scheitern.

Robusta ist die widerstandsfähigere Kaffeesorte. Sie wächst in niederen Gefilden zwischen 300 und 900 Metern und wird daher auch als Tieflandkaffee bezeichnet. Arabica hingegen braucht Höhenluft (600 bis 2000 Meter) mit reduzierten Temperaturen und etwas weniger Luftfeuchtigkeit. Sie trägt deshalb auch den Beinamen Hochlandkaffee.

Längst sind es allerdings nicht mehr die Hochlagen Afrikas, die als Hauptanbaugebiete dienen. Heute haben die Südamerikaner und die Asiaten die Nase vorn. Alleine auf Brasilien entfallen 35 Prozent der Weltjahresproduktion, gefolgt von Vietnam (22 Prozent) und Indonesien (9 Prozent). Das Herkunftsland ­Äthiopien rangiert heute auf Platz fünf der Weltrangliste.

Botanisch zählt der Kaffeestrauch zur Familie der Rötegewächse (Rubiaceae), der insgesamt etwa 600 Pflanzengattungen angehören, darunter auch Labkräuter wie der Waldmeister. Bis zu vier Meter hoch kann ein Kaffeestrauch werden. Seine Blätter sind immergrün und seine pfahlartigen Wurzeln knapp zwei Meter tief im Boden verankert. Die Frucht nennt man auch Kaffee­kirsche. In ihr steckt der oval geformte Samen, die eigentliche Kaffeebohne, die nach der Ernte getrocknet, fermentiert und geröstet wird. Sie ist nun schon seit Jahr­hunderten ein Exportschlager.

Kaffeebohnen beim Rösten
Unsplash/Gregory Hayes
Durch den Röstvorgang bekommen die Bohnen ihr jeweils typisches Aroma.

Das Fruchtfleisch der Kaffeekirsche wird in einigen Regionen der Welt auch zu Saft, Sirup oder Marmelade verarbeitet. Und aus dem Aufguss der Schalen kann man sogar einen Tee mit dem Titel Cascara gewinnen. Schließlich werden aus Kaffeebohnenöl auch Sonnenschutzmittel und Körperlotionen hergestellt.

Nur auf dem Speiseplan der Ziegen stehen Kaffeekirschen heute nicht mehr: Die ernähren sich inzwischen auch in Afrika wieder weitgehend koffeinfrei.