Mittel für Integrationskurse gekürzt
Es gehört zu den verwunderlichen Phänomen, dass allerorts zwar die Bedeutung der Integration von Geflüchteten betont wird, tatsächlich an den dafür notwendigen Geldleistungen aber oft gespart wird: So sind die Bundesmittel für Integrationskurse um die Hälfte gekürzt worden, was etwa den Wegfall vieler Sprachkurse zur Folge hat.
Bei der Jahrespressekonferenz der Diakonie Württemberg forderte Oberkirchenrätin Annette Noller deshalb eine Rücknahme dieser Sparmaßnahmen, verbunden mit der Wiedereinführung von Kursen für Frauen und Kinder.
Große Probleme ohne ausländische Pflegekräfte
Mit Sorge beobachtet Noller, wie das Thema „Flucht und Migration“ den Wahlkampf anheizt, und rief zu einem besonnenen Umgang auf. Zwar stelle die große Zahl der Migranten ohne Zweifel eine Belastung dar, so etwa für den Wohnungsmarkt und das Sozialsystem.
Andererseits profitiere der Arbeitsmarkt auch von den Migrantinnen und Migranten. So seien in Deutschland 86.000 Syrer in helfenden Tätigkeiten, 127.000 sogar als Fachkräfte mit Studium oder Berufsausbildung beschäftigt. „Wenn wir die alle zurückschicken, haben wir ein Problem“, unterstrich die Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Württemberg.
Ein Bereich, der dringend Arbeitskräfte braucht und ohne Migranten schon lange nicht mehr auskäme, ist die Pflege. Zumal in den nächsten Jahren die Zahl der Pflegebedürftigen immer weiter zunimmt, wie Kornelius Knapp, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie, betonte.
Bessere Unterstützung bei der Pflege daheim
Knapp kritisierte die Ungleichbehandlung von ambulanter, teilstationärer und stationärer Pflege. Vor allem die häusliche Pflege müsse stärker gefördert werden, manche der in Heimen versorgten Menschen könnten bei besserer Unterstützung zu Hause bleiben.
Wir brauchen neue Formen und flexiblere Lösungen
sagt Kornelius Knapp
Viel zu sehr werde noch in den Entweder-oder-Schemen gedacht, die nur das Pflegeheim oder die Versorgung in den eigenen vier Wänden kennen. Zwischenformen seien gefragt, wie etwa Pflegewohngemeinschaften, die jedoch oft unter großen finanziellen Engpässen litten.
Diakonische Angebote besonders in Krisenzeiten wichtig
Gerade in Krisenzeiten sei deshalb die Aufrechterhaltung der diakonischen Beratungsleistungen in den Kirchenbezirken außerordentlich wichtig. „Die Lotsenfunktion ins Hilfesystem ist unverzichtbar“, erklärte Kirchenrätin Annette Noller, die zugleich auf den Rückgang der Kirchensteuermittel verwies und warnte:
Wir können nicht alle Entwicklungen auffangen.
sagt Annette Noller
Schließlich unterstrich Finanzvorstand Robert Bachert die Bedeutung einer nachhaltigen Entwicklung. Hier helfe das Diakonische Werk seinen Mitgliedern bei der Umsetzung, etwa im Bereich Mobilität, CO2-Reduktion und Energieeffizienz. „Wir stehen vor einer großen Sanierungswelle“, sagte Bachert mit Bezug auf viele der Immobilien.