Müssen Christinnen und Christen an Wunder glauben?
Die meisten Menschen glauben vermutlich nicht wirklich, dass jemand erst sterben, dann auferstehen und schließlich in den Himmel aufsteigen kann. Ist der Glaube an derartige „Wunder” – die Bibel ist voll davon – eine Bedingung, um Christ zu sein?
Wolfgang Reinbold: Nein, die biblischen Geschichten wurden seit alter Zeit und werden bis heute sehr unterschiedlich ausgelegt. Manche Christinnen und Christen verstehen sie streng wörtlich. Andere versuchen, die zentralen Aussagen der Geschichten zu erfassen und diese Aussagen mit anderen Worten und Bildern in die heutige Zeit zu übertragen.
Die symbolische Bedeutung von Himmelfahrt heute
Wem das mit der körperlichen Himmelfahrt zu übersinnlich ist, der mag aber immerhin für die symbolische Bedeutung von Himmelfahrt offen sein. Was also ist die Botschaft dieses Tages – gerade für heutige Menschen?
Wolfgang Reinbold: Der Kern des Fests ist die Botschaft von der Auferstehung Jesu. Himmelfahrt ist, wenn man so will, die kleine Schwester des Osterfests. Die zentrale Botschaft des Fests ist die Botschaft von Ostern: Gott hat die Macht des Todes überwunden. Er lässt seinen Sohn nicht im Tod – und uns auch nicht.
Auf das eigene Leben bezogen heißt das: Ich muss keine Angst vor dem Tod haben. Ich werde durch den Tod nicht in die völlige Beziehungslosigkeit geworfen, sondern bleibe geborgen bei Gott. Wenn ich darauf vertraue, kann ich mit dem Tod anders umgehen, mit all den Konsequenzen, die das hat – für mich, in der Familie, im Krankenhaus, im Hospiz und so weiter.
Wie wird Himmelfahrt überhaupt gefeiert? Und: Macht es dabei einen Unterschied, ob man evangelisch oder katholisch ist?
Wolfgang Reinbold: Das Fest fällt in der Regel in den Mai. Entsprechend wird es vielerorts als Frühlingsfest gefeiert, mit Gottesdiensten draußen im Grünen und einem bunten Programm. Im katholischen Raum ist es an einigen Orten noch üblich, dass man vor dem Fest Bittprozessionen veranstaltet, für gutes Wetter, eine reiche Ernte und Schutz vor Naturkatastrophen.
Warum Christi Himmelfahrt auch „Vatertag“ heißt
Warum ist der Himmelfahrtstag auch der „Vatertag”? Gibt es da irgendeinen Zusammenhang zwischen Bibel und Brauchtum?
Wolfgang Reinbold: Das hängt mit der Jahreszeit und mit den Prozessionen zusammen. Sie wurden an verschiedenen Stellen mehr und mehr zu sogenannten „Herrenpartien”, also zu feucht-fröhlichen Frühlingsumzügen mit Bier und Bratwurst. Mittlerweile ist das an vielen Orten eine große Sache.