Die Annalen der Herrnhuter Brüdergemeine verzeichnen für den 1. April 1731 ein besonderes musikalisches Ereignis. Da ist vom Einsatz der Waldhörner bei einem Begräbnis die Rede. Kurze Zeit später habe man angereiste Gäste mit neuartigen Posaunenklängen begrüßt.
Für viele gilt der Begräbnischor der Herrnhuter in der sächsischen Oberlausitz als Geburtsstunde der Posaunenchöre in Deutschland. Im Umfeld pietistischer Erneuerungsbewegungen sind sie entstanden, als Basisbewegung gegen die Amtskirche und die Strömungen der Zeit. Zu denen gehörte die Aufklärung, die Glaubensgrundsätze in Frage stellte. Der Pietismus und die Erweckungsprediger versuchten dem mit einer verstärkten Missionstätigkeit zu begegnen. Sie gingen hinaus aufs Land, feierten Gottesdienste unter freiem Himmel und in Zelten.
Da brauchte man Musikinstrumente, die nicht mehr an den Kirchenraum gebunden waren. So kamen als eine Art mobile Allwetter-Orgeln die Blechblasinstrumente in Mode. Zumal sie ausreichend Lärm machen konnten und ihre festlichen Klänge die Gefühle ansprachen.
Den klassischen Kirchenmusikern war das oft ein Dorn im Auge. Es hat lange gedauert, bis Posaunenchöre offiziell von den Amtskirchen anerkannt wurden. Das hatte freilich auch mit ihrer fehlenden Professionalität zu tun. Lange Jahrzehnte war die Bläserarbeit ein einziges Durcheinander ohne jede Struktur.
Dass daraus eine evangelische Massenbewegung wurde, hat ebenfalls mit Johannes Kuhlo zu tun: Er stellte die Instrumente auf eine einheitliche Grundstimmung um, vereinfachte die Notenschreibung und gab Posaunenbücher heraus, die jahrzehntelang das Standardwerk der Chöre bilden sollten. Seine Verdienste machen ihn zu einer geschichtlichen Größe der Posaunenchorbewegung. Dass man Johannes Kuhlo heute dennoch in sehr gemischter Erinnerung hat, liegt an seinem glühenden Bekenntnis zum Nationalsozialismus.
Um 1880 kam die Posaunenchorbewegung in den Südwesten Deutschlands. Der 1881 gegründete Jünglingsverein in Reutlingen gilt als erster Chor in Württemberg, in Zeiskam in der Pfalz wurde 1885 eine Bläsergruppe ins Leben gerufen. Nach einer Durststrecke im Ersten Weltkrieg kam es in den 1920er-Jahren zu einer zweiten Gründungswelle.
Heute gibt es bundesweit etwa 100.000 Bläserinnen und Bläser in über 6.000 Chören. Sie sind fast ausnahmslos evangelisch, mit einer Ausnahme im fränkischen Veitsbronn: Dort gibt es seit über 50 Jahren einen rein katholischen Posaunenchor, der mangels Alternativen freilich Mitglied im Verband der evangelischen Posaunenchöre in Bayern ist.