„Wir warten. Wir beten. Wir handeln“, sagt Dietrich Bonhoeffer seinen Mitgefangenen. Der amerikanische Regisseur Todd Kormanicki zeigt den evangelischen Theologen in seinem Film „Bonhoeffer“ als zornig Handelnden, stilisiert ihn zum christlichen Helden. Im Original trägt die irisch-belgische Produktion den Titelzusatz „Pastor. Spy. Assasin“, also „Pastor. Spion. Attentäter“. Den hat der deutsche Verleih Kinostar gestrichen, ebenso wie die Pistole, die Bonhoeffer auf dem amerikanischen Filmplakat trägt.
Der Film über Dietrich Bonhoeffer ist umstritten, weil der Regisseur sich wenig um biografische Tatsachen schert und weil rechtsnationale Christen in den USA den Theologen und Widerstandskämpfer vereinnahmen. Der Verleih wehrt sich dagegen, die deutschen Hauptdarsteller Jonas Dassler (Bonhoeffer), August Diehl (Martin Niemöller) und Moritz Bleibtreu (Bonhoeffers Vater) haben protestiert, auch die Nachfahren der Familie Bonhoeffer.
Wer den Film anschaut, dürfte keinen Ansatz für rechtsnationale Hetze finden. Bonhoeffer wendet sich darin klar gegen die Tyrannei, gegen nationalistische Christen, gegen Antisemitismus und Rassismus, gegen die Vergöttlichung eines Herrschers.
Dabei wirkt alles an dem Film künstlich und fremd, die Dialoge klingen hölzern, der Regisseur bedient sich frei an den biografischen Daten. Ein Beispiel: Bonhoeffer wurde am 9. April 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet. Im Film stirbt er – nach einem letzten Abendmahl – in der Heide, den Blick freudig erlöst gen Himmel gerichtet.
Doch der Film hat seine guten Momente. 1930 besuchte Bonhoeffer das Union Theological Seminary in New York und lernte Jazz – Bonhoeffer setzt sich in einem Club selbst ans Piano –, Gospel und den Glauben der Afroamerikaner kennen. Sie leben den Glauben auf eine Art, die er schätzt. Die Szenen mit seinem afroamerikanischen Freund Frank zählen zu den schönsten des Films.
Der Regisseur erzählt eine Heldengeschichte mit den Mitteln des Unterhaltungskinos. Wer „Bonhoeffer“ anschaut, bekommt dennoch einige Impulse, über die es sich nachzudenken lohnt, zum Beispiel darüber, ob Christen sich politisch äußern sollen.