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freiwillig engagiert

Ehrenamt in der Kirche: Engagement im Wandel

In der Kirche arbeiten viele Menschen ohne bezahlt zu werden. Warum es wichtig ist, dieses Engagement wertzuschätzen und wie das gelingen kann, erklärt Anja Holland vom Landes­kirchlichen Arbeitskreis Ehrenamt in Württemberg. Von Nicole Marten

Sechs Menschen (jung und alt) stehen in einem Halbkreis und halten alle einen Arm nach vorne, sodass sich alle Hände berühren. Eine ältere Frau mit grauen Haaren vorne rechts hat einen Stab in der Hand.
Unsplash+/Getty Images

Frau Holland, was tut der „Landeskirchliche Arbeitskreis Ehrenamt” (LAK) fürs Ehrenamt?

Anja Holland: Wir haben eine Leitlinie fürs Ehrenamt herausgebracht, sie trägt den Titel „Begeistert engagiert“. Es ist ganz bewusst ein Ratgeber für Gemeinden, Bezirke und Einrichtungen. Wir wollten ihnen etwas an die Hand geben, wie sie Ehrenämter gut begleiten können.

Auf einer Holzbank sitzt Anja Holland. Sie hat schulterlange grau-braune Haare, trägt eine Brille und lächelt in die Kamera. Sie trägt eine Jeansjacke.
privat
Als Vorsitzende des LAK weiß Anja Holland, welche Rahmenbedingungen das Ehrenamt braucht.

Was gehört zum guten Begleiten?

Anja Holland: Als ausgebildete Ehrenamtskoordinatorin bin ich Ansprechpartnerin für das Ehrenamt. Koordinatoren fördern, dass sich Menschen engagieren. Wir schauen, welche Ehrenämter es gibt und wo Lücken sind. Wer bietet welche Fähigkeiten und Gaben an? Wo können wir diese Menschen einsetzen? Am Ende der Sommerferien gibt es in unserer Gemeinde einen Segnungsgottesdienst für Ehrenamt­liche. Wir verabschieden diejenigen, die ihr Amt niederlegen, und be­grüßen die Neuen. Im Anschluss gibt es einen Ständerling, also einen Stehempfang. Im Gottesdienst werden die Ehrenamtlichen sichtbar, wir rücken so auch unbekanntere Ämter in den Blick, beispielsweise den ­Notendienst.

Wie gewinnt man Freiwillige?

Anja Holland: Wir dürfen nicht nur die Arbeit sehen, die wir gern verteilt hätten, sondern sollten schauen, was die Leute an Gaben mitbringen. Klar ist es schmerzhaft, wenn eine Lücke entsteht, weil jemand aufhört. Doch wir sollten uns eine ­Offenheit bewahren: Vielleicht kann ich eine Person nicht für den Gemeindebrief gewinnen, sondern für den Besuchsdienst. Wenn es dort bereits zehn Leute gibt, dürfen es gerne auch elf werden.

Wie hält man Mitarbeiter?

Anja Holland: Ganz viel liegt daran, ob Ehrenamtliche Helfer sind ohne Verantwortung oder Mitarbeiter, die Gestaltungsfreiheit haben. Manchmal möchte ich selbst auch nur als Helferin dabei sein. Ich muss nichts vorbereiten, bin einfach dabei und kümmere mich um das, was jetzt anliegt. Als Mitarbeiterin habe ich Verantwortung und muss mich ­vorbereiten. Wir müssen bewusst beides anbieten – und die Mitarbeitenden trotzdem begleiten: als Ansprechpersonen, die auch über Fördermöglichkeiten und Fortbildun­gen informieren.

Was macht der Landeskirchliche Arbeitskreis Ehrenamt (LAK)?

Der LAK sorgt für die Rahmenbedingungen des Ehrenamts in der Landeskirche, fördert unter anderem die Zusammenarbeit zwischen Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen und begleitet die Fachstelle Ehrenamt.

Die Fachstelle Ehrenamt ist eine Service- und Beratungsstelle für Gemeinden, Hauptamtliche und Ehrenamtliche. Sie bildet auch Ehrenamtskoordinatoren aus.

Wie verändert sich Ehrenamt?

Anja Holland: Noch immer engagieren sich viele Menschen in der Kirche. Allerdings ist die Passgenauigkeit wichtiger geworden: Die Menschen wollen nicht Lücken füllen, sondern das machen, was sie können. Viele wollen auch Mitarbeiter sein mit Verantwortung und nicht Helfer. Drittens ist das Engagement häufiger befristet. Die Menschen fragen sich: „Was kann ich jetzt in dieser Lebensphase einbringen?“ Diese Phase geht dann vielleicht zwei Jahre. Manchmal sagen Leute, sie machen das mal für ein Jahr. Das ist vollkommen okay. Ich antworte ihnen: „Gut, dann probieren wir es aber auch für ein Jahr!“

Stichwort Wahlämter: Die Amtszeit beträgt sechs Jahre.

Anja Holland: Sechs Jahre für ein Wahlamt ist eigentlich zu lang. Andererseits sind die Themen sehr komplex. Meine ersten sechs Jahre als Landessynodale waren beispielsweise vor allem Einarbeitungszeit. Ab der zweiten Wahlperiode konnte ich dann voll inhaltlich durchstarten. Vielleicht würden wir uns über­fordern, wenn wir die Amtszeit verkürzen würden. Bei den Kommunalwahlen werden die Menschen auf fünf Jahre gewählt. Wir haben also nur ein Jahr länger. Demokratie braucht eben ihre Zeit.

Die Synode diskutiert über die „Erprobung einer Ehrenamtskirche“ ...

Anja Holland: Das hat für große Missverständnisse gesorgt. Ich will nicht die Hauptamtlichen abschaffen. Aber es werden immer weniger, die Theologie studieren oder ins Pfarramt wollen, zudem werden die Gemeinden immer größer. Darauf müssen wir reagieren. Es gibt auch viele Initiativen, die vor Ort etwas anbieten wollen, aber schnell an die Grenzen der Vorgaben kommen. Da sollten wir mehr ausprobieren – und dann auch den Mut haben, Dinge wieder sein zu lassen, wenn sie nicht funktionieren. Das fällt uns schwer, deshalb probieren wir zu wenig aus. Das sollten wir ­ändern.

Das vollständige Interview mit Anja Holland lesen Sie im Evangelischen Gemeindeblatt Nummer 37. Erhältlich im Gemeindeblatt Online-Shop.