Seit Mitte der 80er-Jahre gibt es in Deutschland den privatrechtlichen Hörfunk. Dieser sorgt nicht nur für Unterhaltung, sondern muss seine Hörer auch informieren und bilden. Die Kirche sei daher von Anfang an im Privatradio dabeigewesen, erzählt Matthias Huttner. „Denn schon damals galt: Kirchen sind relevante gesellschaftliche Gruppierungen und müssen wegen der Meinungsvielfalt abgebildet werden.“ Das steht im Landesmediengesetz. Wie viele kirchliche Inhalte im Sender vorkommen müssen, sei allerdings nicht festgelegt. Eigene Kirchenredaktionen haben die privaten Sender aufgrund ihrer Größe nicht. Daher werden die kirchlichen Magazine zugeliefert, unter anderem aus dem Evangelischen Medienhaus Stuttgart.
Zehn private Radiosender wie Hitradio antenne 1, Radio Ton, Neckaralb Live, Die Neue 107.7 und Radio 7 erhalten zum einen tägliche Andachten die von evangelischen, katholischen und freikirchlichen Pfarrern, Diakonen oder Pastoren stammen. Etwa eine halbe Millionen Menschen hören diese jeden Tag. Zum anderen gibt es sonntäglich ökumenische Magazinsendungen, die etwa 800 000 Menschen hören. Die Sendungen für Hitradio antenne 1 und Neckaralb Live werden im Evangelischen Medienhaus moderiert, die anderen in den Medienhäusern der katholischen oder freikirchlichen Redaktionen.
Dass die Sendungen ökumenisch gestaltet werden, war nicht immer so. Zu Beginn hätten sich die Konfessionen jeden Sonntag abgewechselt. „Da die meisten Privatradiohörer keinen Unterschied zwischen den Kirchen machen, hat man die Sendungen zusammengelegt“, erzählt Matthias Huttner. „Die allermeisten Menschen, die unsere Sendungen hören haben mit der Kirche nicht so viel am Hut.“ Er wünsche sich, dass die Inhalte dennoch Denkanstöße geben und Gespräche in Gang bringen – auch wenn Radio ein „Nebenbeimedium“ sei.
„Wir allein werden die Institution Kirche mit unseren Sendungen nicht retten können, aber wir wollen ein zeitgemäßeres, modernes Bild der Kirche zeigen“, sagt Matthias Huttner. Die Redaktion versuche, jede Woche eine attraktive Sendung zusammenzustellen. Sonntagmorgens werden daher Themen behandelt, die im Kirchenkalender wichtig sind. Da gehe es um die Erklärung von Feiertagen oder um Filme und Lieder mit christlicher Symbolik aber auch um diakonische Themen wie Hilfsprojekte, Tafelläden oder Vesperkirchen. „Wir behandeln auch die schweren Themen wie Tod, Trauer und Schmerz, die gehören zum Leben dazu“, sagt der Redaktionsleiter. Ihm sei wichtig, dass durch die Beiträge hoffnungsvolle Impulse in die Gesellschaft gegeben werden.
Schon als Kind wollte Matthias Huttner zum Radio. „Mit dem Kassettenrecorder habe ich meine eigenen Radiosendungen moderiert“, erzählt der 44-Jährige. 2002 zieht er nach Stuttgart und arbeitet seither im Evangelischen Medienhaus. Über die Jahre hat sich die Arbeit im Radio verändert. „Früher haben wir mit großen Bandmaschinen geschnitten, jetzt schneiden wir alles digital am Computer und bearbeiten Töne ganz anders. Wir sprechen aber nach wie vor in Mikrofone“, sagt Matthias Huttner und lacht. Auch wenn sich die Themen und der Moderationsstil immer wieder verändert hätten, die christliche Botschaft sei natürlich die selbe geblieben. „Früher habe ich bei meinen Moderationen ganz anders gesprochen. Ich habe mich angepasst, denn man will ja ungefähr so klingen wie der Sender. Wenn ich mir das jetzt anhöre: Ich war völlig aufgedreht, weil der Sender damals auch so war. Die hatten ein Dauergrinsen im Gesicht und waren voll am Limit. Dann gab es Hörereinbrüche. Und plötzlich sind wir ganz entspannt geworden.“
Seine Hoffnung ist groß, dass die Kirche auch weitere 100 Jahre im Radio präsent ist – vor allem als Kompassgeber für die Gesellschaft und mit ihrer hoffnungsvollen Botschaft.