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Rundfunkpfarrerin im Gespräch

„Eine Reichweite, die etwas auslöst"

Barbara Wurz (52) ist Rundfunkpfarrerin, genauer: Pfarrerin im Landespfarramt für Rundfunk und Fernsehen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Sie ist im Südwestrundfunk zu hören. Mit Antje Schmitz spricht sie über die aktuellen Umbrüche. Von Antje Schmitz

Barbara Wurz
privat
Pfarrerin Barbara Wurz ist eine evangelische Stimme aus Württemberg bei Kirche im SWR

Frau Wurz, wie erleben Sie Ihre Arbeit?
Barbara Wurz: Unsere Sendeplätze haben eine hohe Akzeptanz beim Sender. Gleichzeitig ist da bereits einiges im Umbruch. Weg vom linearen Radio, das man einschaltet und zuhört, hin zum Digitalen, wo die Hörer sich gezielt etwas aus­suchen. Das krempelt vieles um. Die Sendeanstalten der ARD haben das schon länger auf dem Schirm. Wie müssen sie sich verändern, um auch für jüngere Hörer interessant und erreichbar zu bleiben?

Was heißt das für Sie als Rundfunkpfarrerin?
Barbara Wurz: Nehmen wir den geistlichen Impuls für den Tag auf den verschiedenen Wellen. Das werden viele noch lange Zeit hören – morgens in der Küche oder im Autoradio. Aber für die Zukuft sollten wir die Veränderungen, die begonnen haben, mitgehen. Was können wir Neues für die Online-Plattformen entwickeln? Und wie wird sich die Kooperation mit dem Sender verändern? Das ist gerade in der Diskussion bei den Sendebeauftragten der evangelischen und katholischen Kirchen und von den Freikirchen. Das ist von Rundfunkanstalt zu Rundfunkanstalt unterschiedlich. Wir sind in einer Suchbewegung.

Wie viele Kollegen arbeiten denn für den Südwestrundfunk?
Barbara Wurz: Der SWR deckt ja Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ab. Dort gibt es fünf evangelische Landeskirchen und sechs katholische Diözesen. Dazu kommen die Freikirchen und jüdische Gemeinden. Auf evangelischer Seite sind wir drei hauptamtliche Pfarrerinnen: Pfarrerin Janine Knoop-Bauer für den rheinland-pfälzischen Verbund, Martina Steinbrecher für Baden und ich für Württemberg.

Wie oft sind Sie zu hören?
Barbara Wurz: Meine Hauptaufgabe ist die Zusammenarbeit mit unseren ehrenamtlichen Autorinnen und Autoren. Ich habe zwei bis drei Staffeln im Halbjahr. Dann bin ich eine Woche lang auf den Welle SWR1 und SWR4 zu hören. Außerdem bereite ich Radiogottesdienste und gelegentlich auch Fernsehgottesdienste vor.

Sie sagten, dass Sie künftig vielleicht auch für Audiotheken oder andere non-lineare Ausspielwege arbeiten. Was ist das Schwierige daran?
Barbara Wurz: Das ist erst einmal ein rechtliches Problem. Die kirchlichen Sendeplätze im linearen Rundfunk sind rechtlich klar geregelt. Die Onlinewelt existierte noch nicht, als die Rundfunkstaatsverträge geschlossen wurden. Wie künftige Regelungen aussehen können und was da überhaupt sinnvoll sein wird, ist offen. Vorläufig handhaben die Sendeanstalten der ARD das unterschiedlich. Dann gibt es auch eine inhaltliche Seite, denn wir können einen Radiobeitrag nicht einfach unverändert in die Audiothek stellen. Das funktioniert nicht. Ein Podcast ist etwas anderes als ein täglicher Impuls.

Was bedeutet das?
Barbara Wurz: Wir brauchen andere Formate. Formatentwicklung ist ganz wichtig. Wenn man ein vernünftiges Format entwickeln will, dann ist das sehr aufwändig und teuer. Aber ich bin überzeugt, dass es das wert ist. Wir sollten den Kontakt zu unseren Hörerinnen und Hörern und unsere hohe Reichweite nicht abreißen lassen. Alles in allem habe ich das Gefühl, dass wir in gutem, wohlwollenden Kontakt zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk stehen und auch in Zukunft eine Schnittmenge finden werden. Mit welchen Ressourcen und Kräften, ist eine spannende Frage.

Unsere Aufgabe als Christen ist es doch, das Evangelium zu verkünden. Müssen wir nicht versuchen, die Menschen überall dort zu erreichen, wo sie sind?
Barbara Wurz: Unbedingt. Ich bin da auch gar nicht so pessimistisch. Wir sind in einem guten Kontakt mit unserem Gegenüber, dem SWR, der uns gut informiert und an seinen digitalen Entwicklungen teilhaben läßt. Wir sind linear auf den Wellen mit Sicherheit noch lange sinnvoll beschäftigt. Wir haben eine Reichweite, die etwas auslöst. Vielleicht nicht eine Welle von Kircheneintritten, aber wir können doch deutlich machen, wofür wir als Kirche stehen.