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Blick in die Antike

Entstehung des Antisemitimus

Wie kommt es, dass das Judentum seit Jahrhunderten Anfeindungen und Ausgrenzung ausgesetzt ist? Überlieferten Antijudaismus gibt es zum ersten Mal im Alten Ägypten und setzt sich in Medina durch den Islam und in Europa während der Kreuzzüge fort. Ein Überblick. Von Katharina Hirrlinger

Davidstern
Unsplash+/Levi Meir Clancy
Seit der Antike sind Jüdinnen und Juden Anfeindungen ausgesetzt.

In Alexandria um 38 nach Christus fand der erste nachweisliche Ausbruch antijüdischer Gewalt statt. Nach der damaligen Rechtsprechung durften Juden ihre Religion frei ausleben. Sie gewannen an Zuwachs. Viele Juden kamen im Gefolge von Alexander dem Großen in das multikulturelle Alexandria. Die Juden brachten es zu Wohlstand und damit wuchs Neid und Missgunst bei den Ägyptern. Auch weil die Jüdinnen und Juden andere Regeln haben: Sie glauben an einen Gott, verzichten auf Schweinefleisch und ruhen am Shabbat.

Angriffe auf Juden in der Antike

Zum ersten groß angelegten Mord an Juden kommt es, als Herodes Agrippa, ein Jude, zum Herrscher von Judäa ernannt wurde. Auf dem Weg in sein neues Reich hielt er in Alexandria an und zog prächtig durch die Stadt, was den Ägyptern nicht gefällt. Zur gleichen Zeit beschuldigte Apion, der Leiter der Grammatikschule in Alexandria, das jüdische Volk, Menschenhasser und Heuchler zu sein, und unterstellte ihnen, die Zerstörung Ägyptens zu planen. Außerdem gab es zu dieser Zeit das Gerücht, Juden würden in ihren Tempeln Menschen opfern. Der Grund für diese Annahme: In den Tempeln der Juden gab es keine Statuen.

Christlicher Antisemitismus entsteht

Mit dem Christentum, das zunächst aus Juden bestand, die an Jesus glaubten, entstanden und etablierten sich die ersten antijüdischen Gesellschaften. Als der Philosoph Justin 135 nach Christus in seiner Substitutionstheorie zur Trennung von Christen- und Judentum aufruft, erklärt er, Gott habe die Juden verlassen und die Christen dazu aufgerufen, ihren Platz einzunehmen.

Auch wollte das Christentum die Menschen bekehren und nutze die Figur des Juden zur Abschreckung. Dafür wurden Falschnachrichten verbreitet. So entsteht der erste Mythos der Christen über die Juden: der Gottesmord. Denn Judas, wie alle Jünger Jesus ein Jude, habe Jesus verraten und sei deshalb schuld an Jesu Tod.  Auch wurde das Judentum für alles Böse in der Welt verantwortlich gemacht.

In Medina beginnt der islamische Antisemitismus 

Mit der Gründung des Islams durch Mohammed um circa 700 nach Christus kommt für die Juden der islamische Antisemitismus hinzu. Mohammed sah die Juden als Vertreter einer religiösen Tradition, die der Islam „richtig“ deutete. Als Mohammed in der Stadt Medina die Macht übernahm, dürfen Juden und Christen ihre Religion ausüben – solange sie zusätzliche Steuern zahlen und Diskriminierung erdulden.

Viele Juden bei Kreuzzügen ermordert

Mit den Kreuzzügen kommt es in Europa zu den ersten Judenpogromen. Im Jahr 1095 rief Papst Urban II. in Clermont zum Ersten Kreuzzug auf, da Jerusalem von den Muslimen erobert wurde und das Pilgern zum Grab Christi nicht mehr sicher war. Mönche, Ritter und nichtchristliche Bürger zogen mit dem Kreuz nach Jerusalem. Während des Ersten Kreuzzugs wurde jeder, der sich ihnen entgegenstellte, getötet.

Gleichzeitig sollten Juden auf dem Kreuzzug konvertiert werden. „Tod oder Taufe“ war der Schlachtzug der Kreuzfahrer. So kam es auf den Kreuzzügen zu brutalen Angriffen auf Juden unter anderem in Speyer und Köln. Die jüdischen Gemeinden wurden aber auch aus finanziellen Gründen angegriffen, denn die Kreuzzüge mussten bezahlt werden. Ihren Wohlstand hatten die Juden unter anderem erreicht, weil sie im Gegensatz zu den Christen Geld gegen Zinsen verleihen durften. Auch wenn diese Massaker viele Christen empörte und der Abt Bernhard von Clervaux versuchte, weitere Gewalt zu verhindern, verankerte sich der Judenhass in der Bevölkerung.

Legende des Ritualmodes verbreitet sich von Norwich aus

1144 kam es im englischen Norwich zu neuen Anschuldigungen gegenüber Juden. Ihnen wurde vorgeworden, einen Ritualmord an William, einem christlichen Jungen, begangen zu haben. Die Ritualmord-Legende, Juden würden Kinder töten, um aus ihrem Blut Matzen, ein ungesäuertes Brot, das zu Pessach gegessen wird, zu machen, verbreitet sich in ganz Europa.

Das elfte Jahrhundert stellt einen Wendepunkt für das Judentum dar: Hier wurde aus Antijudaismus, der begründbaren Ablehnung der Juden, weil sie anders sind als Christen und Muslime, Antisemitismus. Dieser macht die Juden für alles verantwortlich, was in der Welt nicht funktioniert.