Der fachmännische Blick des 52-Jährigen ist durch jahrzehntelange Erfahrung geschult, auch wenn der Vater dreier Kinder die Landwirtschaft „nur“ im Nebenerwerb betreibt. „Für mich ist das ein toller Ausgleich zur Arbeit“, sagt der Elektriker. Auch seine Frau Susanne arbeitet hauptberuflich in einem anderen Job, in der Personalabteilung der Gesamtkirchengemeinde Backnang, und ehrenamtlich als Kirchenpflegerin. Insgesamt elf Personen leben auf dem Hof am Rande von Burgstetten. Es ist ein Mehrgenerationenprojekt: Neben der fünfköpfigen Familie mit den Kindern Lukas (23), Salome (21) und Josua (17) wohnen auch deren Onkel mit Familie und die Großeltern auf dem etwa ein Hektar großen Gelände. Die Familie bezeichnet sich als „überwiegende Selbstversorger“: Zur Hofhaltung gehören, neben Gemüse- und Obstanbau, auch 25 Hühner, vier Schweine, zwei Enten, ein Hahn – nicht zu vergessen Katze Flauschi und Hund Loki.
Fleisch und Wurst produziert die Familie also überwiegend selbst, ein befreundeter Metzger übernimmt die Schlachtung. Nur Rindfleisch wird bei Verwandten auf einem Biolandbetrieb besorgt. Das Brot bäckt Matthias Kößner meistens selbst, allerdings müssen Getreide- und Milchprodukte ebenfalls auswärtig besorgt werden.
Seit 1997 lebt Matthias Kößner auf dem Hof, der von seinen Schwiegerelten gebaut wurde. Noch heute ist es ohne die Großeltern auf dem Hof nicht denkbar, sagen alle Familienmitglieder übereinstimmend. „Sie kümmern sich um Schweine, Hühner und Garten“, berichtet Salome, die inzwischen in Ravensburg studiert, aber regelmäßig nach Hause kommt. „Wenn ich in der Stadt bin, sehe ich, was für ein Privileg es ist, hier so leben zu können“, sagt sie. Besonders beliebt sind die Gerichte von Oma, wie Kartoffelsalat und Maultaschen, „sie kocht besonders gut – da kommt kein anderer ran“, sagt Salome und lacht. Beim Maultaschen-Herstellen an Gründonnerstag sei sie jedenfalls immer da. Schon als Kind habe sie von ihrer Großmutter Backen und Kochen gelernt. „Und wenn ich etwas Neues ausprobiere, frage ich nicht zuerst das Internet, sondern meine Oma.“
Das enge Verhältnis zu den Tieren auf dem Hof, aber auch zum selbst angebauten Gemüse und Obst, hat großen Einfluss auf das Genusserlebnis beim Essen, glaubt Salome: „Wenn man selbst gesät hat, schmeckt das ganz anders.“ Und Matthias Kößner bestätigt: „Man weiß einfach, was drin ist. Geschmack und Konsistenz sind viel frischer, weil zwischen Ernte und Essen wenig Zeit liegt.“