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Ausflugstipp

Eselsburger Tal: Die christliche Bio-Hofgemeinschaft

Die Biotal Hofgemeinschaft im Eselsburger Tal gehört zu den Pionieren der ökologischen Landwirtschaft auf der Ostalb. Ihre Wurzeln hat sie in einer christlichen Gemeinschaft. Von Andreas Steidel

Braun und weiß gefleckte Kühle stehen auf einer grünen Wiese.
Andreas Steidel

Wer ins Eselsburger Tal bei Herbrech­tingen kommt, der stößt nach wenigen Kilometern auf ein großes neues Hofladengebäude. Es sieht schon von außen ziemlich ungewöhnlich aus: ein geschwungenes Holzdach mit Baumstämmen, die es stützen. Obendrauf wächst Gras, als ob es eine Wiese wäre. Noch viel ungewöhnlicher ist das Ganze, wenn man erfährt, was in den Wänden des Gebäudes steckt: Dicke gepresste Strohballen von 1,20 Meter Breite wurden hier verwendet – verborgen hinter gestampftem Lehm.

Hans und Ingeborg Bosch stehen im Stall mit ihren Kühen. Hans Bosch (links) hat seinen Arm um Ingeborg gelegt.
Andreas Steidel
Hans und Ingeborg Bosch im Stall mit ihren Kühen.

Gründung der Glaubensgemeinschaft Mühlrad

Hinter dem ambitionierten Öko-Projekt steckt ein 1987 gegründeter Verbund von heute zehn Landwirten, der von Anbeginn nach den Kriterien von Bioland wirtschaftet. Im Kern sind das die Familien Hans und Ingeborg Bosch, Christoph und Tabea Bosch, Christian und Nicola Hartmann, Bryson und Kornelia Govender, Johannes Bosch sowie Marianne Eßlinger.

Hans (66) und Ingeborg (63) Bosch waren von der ersten Stunde an dabei. Vor rund 40 Jahren hatten sie einen Bauernhof vom Onkel geerbt. Dazu zählten auch Grundstücke und eine alte Mühle im Eselsburger Tal. Die be­zogen sie, aber nicht alleine: Von Anfang an gehörte die Idee ­einer Gemeinschaft zu ­ihren Lebensplänen.

Wir sind Christen und wollten mit anderen etwas machen.

sagt Ingeborg Bosch

So wurde die Glaubensgemeinschaft Mühlrad ins Leben gerufen, und ganz am Anfang dachte man auch daran, dass diese Gemeinschaft die Felder bewirtschaften würde. Ein Trugschluss: „Landwirtschaft können nur Landwirte“, sagt Ingeborg Bosch heute im Rückblick.

So wurde 1990 zusätzlich eine Hof­gemeinschaft gegründet. Die Boschs Junior und Senior gehören bis heute beiden Gruppen an. Ganz unten in der alten Mühle ist ein Gemeinschaftsraum, in dem man sich zum Essen trifft, unterm Dach werden immer wieder Gottesdienste und Gebetsstunden abgehalten.

Christliche Motivation für Bioland-Betrieb

Der Schutz der Natur hat bei ihnen also auch eine christliche Wurzel. „Machet euch die Erde untertan“, steht in der Bibel. Ein Satz, in dem für sie die Botschaft steckt, dass man das Anvertraute bewahren muss. Als Mitte der 80er-Jahre die deutsche Landwirtschaft immer großflächiger und industrieller wurde, ging man im Eselsburger Tal deshalb einen ­anderen Weg: Bioland.

Das bot sich auch an, zumal dort etwa zeitgleich ein großes Naturschutzgebiet ausgewiesen worden war. Die Weiden brauchten eine ökologische Form der Bewirtschaftung, ohne Chemie und große Gülle­mengen. So wurde aus dem Eselsburger Tal ein Biotal. Auf ihren Weiden grasen Milchkühe und Jungvieh, Schafe und Ziegen. Selbst zehn Wasserbüffel gibt es, weil die auch die feuchten Ufer­bereiche der Brenz mit ihren störrischen Pflanzen abweiden.

Kontakt zur Hofgemeinschaft

Hofladen und Bistro-Café im Eselsburger Tal haben Montag bis Freitag: 8.30 bis 18.30 Uhr und am Samstag von 7.30 bis 16.00 Uhr geöffnet. Telefon 07324-9833499

Die christliche Lebensgemeinschaft Mühlrad lädt an jedem dritten Sonntag im Monat von 14.30 bis 17.30 Uhr zum Kaffee ein: ­ Telefon 07324-919431.

Vom VW-Bus zum großen Hofladen

Ganz am Anfang stand ein VW-Bus vor dem Bauernhof, aus dem heraus Hofprodukte verkauft wurden. Dem folgte ein kleiner Laden im Gebäude, mit gutem Zuspruch der Kundschaft. Für einen Direktvermarkter mit Cafébetrieb also ziemlich gute Voraussetzungen. So entschloss man sich 2014 zu einem großen Neubau. Es war die Zeit, als Christoph Bosch mit seiner jungen Frau Tabea ins Tal zurückkehrte. Nach Jahren der Wanderschaft und einem Landwirtschaftsstudium hatte er sich entschlossen, in die Biotal Hofgemeinschaft einzusteigen.

Alles, was vom eigenen Hof kommt, ist im Laden mit einem grünen Schild gekennzeichnet:

  • Joghurt
  • Quark
  • Trinkmilch
  • Vielzahl von Käsesorten
  • Fleisch
  • Wurst
  • Apfelsaft

Angebot im Eselsburger Tal ausgeweitet

So sind das Aufgabenfeld und die Hofgemeinschaft im Laufe der Jahrzehnte stetig gewachsen. Inzwischen gehören neben der Kerngruppe der zehn Landwirte noch 60 Mitarbeitende zum Team: Milchfahrer und Gemüsegärtner, Molkereifachkräfte und Hofladenangestellte. Hinzu kommen Absolventen eines Freiwilligen Ökologischen Jahres. Der Bauernhof ist außerdem seit vielen Jahren Demonstrations­betrieb, mit zahlreichen Schulklassen, Vereinen und Einzelgästen, die hier einen Blick hinter die Kulissen werfen können.

Die Aufgabenbereiche der Hofgemeinschaftspartner:

  • Hans Bosch kümmert sich um die Tiere
  • Christoph Bosch um Hofladen und Ackerbau
  • Tabea Bosch ist fürs ­Personal zuständig
  • Marianne Eßlinger kümmert sich um den Hofladen
  • Ingeborg Bosch kümmert sich um alles
  • Christian Hartmann ist für Tierhaltung und Werkstatt zuständig
  • Nicola Hartmann bietet Hofführungen an