Im Hinterhof der Diakonie hat sich bereits eine lange Schlange gebildet. Rund 50 Besucherinnen und Besucher warten auf ein warmes Mittagessen. Von Montag bis Freitag bietet die Stadtmission der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart (eva) eine preisgünstige warme Mahlzeit für einen Euro an. Das Angebot richtet sich vor allem an Menschen, die von Armut betroffen sind. Dazu gehören zum einen Menschen, die wohnungslos sind. Zum anderen kommen Seniorinnen und Senioren, die nur eine kleine Rente beziehen.
Doch „eva’s Tisch“ bietet mehr als nur eine warme Mahlzeit. Zusätzlich informieren die Mitarbeitenden über Hilfs- und Unterstützungsangebote. Ferner ermutigen sie dazu, Sozialleistungen zu beziehen. Schließlich wolle man nicht, dass sich die Menschen von „eva’s Tisch“ abhängig machen.
Wir geben den Besucherinnen und Besuchern eine Tagesstruktur und einen Grund morgens
aufzustehen
sagt Birgit Auer
Rein logistisch stellt die Versorgung von täglich 130 Menschen für die Mitarbeitenden der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart auch eine Herausforderung dar. Hinzu kommt, dass einige Gäste alkoholisiert erscheinen. Manch einer kann seine Emotionen nicht mehr kontrollieren und so kommt es mitunter zu Gedränge und Frustration, vor allem wenn die Wartezeit länger dauert. Dass die Atmosphäre ruhig bleibt, dafür sorgen Auer und ihre Kolleginnen und Kollegen. Darüber hinaus bereiten sie das Essen vor, das vom Rudolf-Sophien-Stift, einer Tochtergesellschaft der eva, geliefert wird.
Viele Gäste besuchen regelmäßig das Angebot. Gerade die steigenden Lebensmittelkosten belasten viele von ihnen. Leiterin Auer kritisiert deshalb auch, dass trotz der hohen Preisentwicklung bei Nahrungsmitteln die Sozialleistungen nicht erhöht wurden. Ein günstiges Mittagessen nimmt den Besuchern zumindest einen Teil des finanziellen Drucks.
Allerdings sind die Kapazitäten der eva begrenzt. Insbesondere macht es Auer traurig, wenn sie Besucherinnen und Besucher wegschicken muss, weil es kein Essen mehr gibt. Denn sie weiß auch, dass diese Leute höchstwahrscheinlich den Tag über hungrig bleiben. Gleichzeitig erleben die Mitarbeitenden viel Dankbarkeit von ihren Gästen und das ermutigt sie, die Arbeit fortzusetzen. Das Angebot erleichtert vielen Menschen den Alltag. Es zeigt zugleich, dass selbst in einem reichen Land wie Deutschland ein großer Bedarf an grundlegender sozialer Unterstützung besteht.