Bogenschießen, Gaukler und Riesenrad: Mittelalterliche Unterhaltung für Groß und Klein
Wer das hohe Holztor vor dem Esslinger Rathaus durchschreitet, macht eine kleine Zeitreise ins 15. Jahrhundert. Nicht nur die Stände der Marktbetreiber, sondern auch Beleuchtung, Gerüche und überhaupt die Stimmung verändern sich. Zwischen Fachwerkhäusern, Altem Rathaus und Hafenmarkt herrscht reges Treiben: eine mit Ruß beschmierte mittelalterliche Bettlerin läuft gebückt durch die Menge, freudige Kinder jubeln im von Hand betriebenen „Riesenrad“, andere üben sich im Bogenschießen.
Was Besuchern am Esslinger Mittelaltermarkt gefällt
Immer wieder ertönen Fanfaren und Marktbetreiber preisen lautstark ihre frische Ware an. Gaukler auf Stelzen zeigen ihr Können. Statt Elektrizität ist auf dem Esslinger Mittelaltermarkt offenes Feuer angesagt. Auch, wenn es in Esslingen nicht zu einhundert Prozent authentisch zugeht, sind die Besucher begeistert:
Der mittelalterliche Markt, wie die Leute traditionell angezogen sind, das ist wirklich ein Augenschmaus. Alles ist so liebevoll hergerichtet. Wir kommen wieder!
schwärmt Anne
Sie ist extra von der Ostalb angereist. Auch Hildegard ist begeistert – vor allem von den Fachwerkhäusern, die den Markt umgeben.
Die beiden Frauen haben sich gerade heiße Maronen bei Marktfrau Susana gekauft. „Ganz, ganz köstlich“, lobt Anne. „Die Maronen schmecken kartoffelig, ein bisschen mehlig und sind voller Eiweiß.“ Außerdem: „Es ist wunderschön wenn man die Maronen in der Hand hat, dann werden die Finger wieder schön warm.“ Das ist wichtig bei den Minustemperaturen, die an diesem Tag im Freien herrschen.
Maronen, Drucken, Baden und Handwerk: Esslinger Mittelaltermarkt im Detail
Maronenverkäuferin Susana kommt seit 2016 jedes Jahr aus Spanien angereist. Für den Mittelaltermarkt nimmt sie sich frei, denn eigentlich ist sie Köchin. Sie schätzt am Esslinger Mittelaltermarkt besonders die Gemeinschaft:
Jedes Jahr kommen die gleichen Leute, wir sind hier wie eine große Familie
sagt Susana mit einem breiten Lächeln im Gesicht
Schräg gegenüber steht Manfred mit einer großen Druckerpresse. Alle Interessierten können dabei wie zu Gutenbergs Zeiten Johannes 3,16 drucken. Für den gläubigen Christen steht die Weitergabe des Evangeliums bei seiner Arbeit auf dem Mittelaltermarkt im Vordergrund. An einer anderen Ecke auf dem Hafenmarkt dampft warmes Wasser aus einem großen Zuber. „Marita die Zuberwölfin“ sitzt davor und wartet auf Kundschaft. Bei ihr kann man öffentlich baden.
Dann ist da noch Zinngießer Lothar. Ihm bereitet es große Freude, Kindern auf dem Mittelaltermarkt möglichst authentisch sein Handwerk zu vermitteln.
Mir ist wichtig, dass sie erfahren, wie es früher war. Ich kann nur wissen, wo ich hingehe, wenn ich weiß, wo ich herkomme
sagt Zinngießer Lothar