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EKD Sportbeauftragter

Evangelische Kirche fordert Kurswechsel bei der FIFA

Kommerzialisierung, korrupte Eliten und Einflussnahme politischer Machthaber: Der evangelische Sportbeauftragte Latzel lässt kein gutes Haar an der FIFA und ihrem Boss Infantino. Sport sei für den Menschen da und stehe nicht als Ware zum Verkauf. Von Ingo Lehnick (epd)

Zwei junge Männer spielen Fußball auf einem Rasen. Sie kicken einen schwarz-weißen Ball
Unsplash+/Getty Images

FIFA-Skandal und kirchliche Kritik

Angesichts des FIFA-Eklats um einen Investoren-Deal fordert die evangelische Kirche ein Umdenken beim Weltfußballverband und im internationalen Fußball. Der „unsägliche”, wiederholte Versuch von FIFA-Chef Gianni Infantino, die Rechte an der Fußball-WM an private Investoren zu verkaufen, gefährde den Fußball, sagte der Sportbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Thorsten Latzel, dem Evangelischen Pressedienst.

Der Fußball steht nicht zum Verkauf.

sagt Thorsten Latzel

Das Foto zeigt den EKD-Sportbeauftragten Thorsten Latzel, während er eine Rede hält.
epd-bild/Wilfried Meyer
Thorsten Latzel ist der Sportbeauftragte der EKD.

Infantino beugt sich dem Druck

Infantino beugte sich in der Nacht zum 1. August dem massiven weltweiten Druck und ließ seine umstrittenen Pläne fallen. Der europäische Fußballverband UEFA hatte zuvor mit einem Boykott aller FIFA-Turniere gedroht. „Infantinos ganzes Vorgehen vorbei an den zuständigen Gremien und Reden von 'demokratischen Prozessen' widersprechen sich völlig”, kritisierte Latzel, der auch leitender Theologe der Evangelischen Kirche im Rheinland ist, das Vorgehen des Sport-Funktionärs. „Infantino entwertet das, worum es im Sport generell geht.” Er sei froh, dass die UEFA und andere Verbände klar reagiert hätten. „Dieser Präsident ist schon lange untragbar.”

Kommerzialisierung bedroht Fairness und Regeln

Die Probleme schätzt Latzel grundlegender ein. Was im Augenblick bei der FIFA ablaufe, sei „ein Sinnbild für einen weiterreichenden Prozess, bei dem korrupte Eliten meinen, sie stünden über den Regeln, könnten alles kaufen und für ihre eigenen Zwecke instrumentalisieren”. Der Fußball lebe jedoch wie der Sport insgesamt von Zweckfreiheit, gemeinsamen Regeln und fairem Wettkampf, betonte der Präses der rheinischen Kirche.

Speziell im Fußball erleben wir, wie diese Gedanken in Gefahr sind, wenn zu viel Geld im Spiel ist und politische Machthaber versuchen, sportliche Großereignisse für sich zu instrumentalisieren.

sagt Thorsten Latzel

Latzel kritisierte eine massive Kommerzialisierung auch bei der vor zwei Wochen zu Ende gegangenen WM in den USA, Mexiko und Kanada mit „exorbitanten Ticketpreisen” und Werbe-Unterbrechungen. Wohin das führe, zeige „die absurde Verleihung des sogenannten FIFA-Friedenspreises an US-Präsident Donald Trump und die politisch motivierte, regelwidrige Zurücknahme einer Roten Karte”.

Sport braucht Gemeinwohl statt Gier

Nach Latzels Einschätzung gibt es „im gesamten Fußball-Betrieb zu viel Geld”, für junge Spieler würden absurde Ablösesummen gezahlt. „Viele Fans spüren, dass der Fußball sich immer weiter von seinen Wurzeln entfernt.” Die Verbände müssten neu lernen, dass der Fußball allen gehöre. Er fordert einen Fußball, an dem alle Fans teilhaben können und der Menschen Freude macht.

Wir müssen gemeinsam dafür eintreten, welchen Sport wir in einer offenen, freien Gesellschaft wollen.

sagt Thorsten Latzel

Der christliche Glaube lehre Bescheidenheit, Demut, Rücksichtnahme und eine Gemeinwohl-Orientierung, „die der individuellen Gier entgegensteht”, sagte der evangelische Sportbeauftragte. Auch der Sport könne wesentliche Beiträge zur Gesellschaft leisten durch Freude an Gemeinschaft und durch Werte wie Fairplay, Integration, Leistung und Teamgeist. Das gehe nur ohne kommerzielle oder politische Fremdbestimmung. «Lasst den Fußball wieder Fußball sein», sagte Latzel.

Sport ist für den Menschen da und keine kommerzielle Ware.

sagt Thorsten Latzel