Das Evangelische Archiv Baden und Württemberg hat aus Anlass des 80. Jahrestages des Kriegsendes hunderte historische Kriegschroniken württembergischer Kirchengemeinden online zugänglich gemacht. Es handele sich um „einzigartige Zeitzeugnisse zur Kriegs- und Nachkriegszeit im deutschen Südwesten”, teilte die Evangelische Landeskirche in Württemberg am Dienstag in Stuttgart mit. Zahlreiche württembergische Pfarrer dokumentierten in diesen Texten die letzten Tage des NS-Regimes in den Gemeinden sowie das Geschehen der Nachkriegszeit.
Im April 1947 hatte die württembergische Kirchenleitung angeordnet, für jede evangelische Gemeinde im Gebiet der Landeskirche die Zeit des Nationalsozialismus, des Kriegs und der Besatzung in sogenannten „Kriegschroniken” genau zu dokumentieren. Die häufig von den Ortspfarrern erstellten Berichte lieferten in der Folge oft eindrückliche, zum Teil erschütternde Zeitzeugnisse: In ihren subjektiven Aufzeichnungen ging es etwa um das Ausmaß der Kriegszerstörungen, um das Kampfgeschehen und die militärische Einnahme der Städte und Dörfer, den Einmarsch US-amerikanischer und französischer Truppen, das Verhalten der Besatzungssoldaten, um Beschlagnahmungen, Plünderungen und Vergewaltigungen, aber auch um Rettung und Bewahrung. Bis zum Abschluss der Aktion im Jahr 1957 kamen auf diese Weise rund 250 „Kriegschroniken” zusammen.