Neulich auf dem Sportplatz ging es wieder hoch her. Die harte Gangart des Gegners sorgte nicht nur bei den jungen Fußballern, sondern auch im Trainerstab für Emotionen. „Wer solche Fouls begeht, hat keine Shake-hands verdient“, tönte es aus dem Trainerstab. Lukas Wiesehöfer war jedoch anderer Meinung: Das normalerweise obligatorische Händeschütteln nach dem Spiel ist für den Systemischer Berater, der ehrenamtlich eine F-Jugend-Fußballmannschaft betreut, selbstverständlich.
Ein respektvoller Umgang miteinander ist grundlegend. Und als Trainer muss man Vorbild sein, auch wenn es manchmal schwer auszuhalten ist.
sagt Lukas Wiesehöfer
Konflikte gehören zum Leben dazu und eine eigene Position zu entwickeln, ist für Lukas Wiesehöfer grundlegend, um Lösungen bei Meinungsverschiedenheiten erarbeiten zu können. Regelmäßig besucht er junge Menschen an Schulen, um sich in der Gruppenarbeit gemeinsam mit Begriffen wie Gleichberechtigung, Liebe und Respekt auseinanderzusetzen.
Es gibt nicht nur einfache Mehr- oder Minderheitsentscheidungen
versucht Lukas Wiesehöfer den Jugendlichen zu vermitteln
Wichtig sind „Demokratie-Spiele“, in denen die jungen Leute gemeinsam herauszufinden versuchen, „was der kleinste gemeinsame Nenner ist, den wir bei aller Meinungsverschiedenheit haben“. Beispielsweise die Diskussion um das Ziel einer Klassenfahrt: Was ist, wenn sich nicht alle Schüler einen Ski-Urlaub leisten können? Entscheidet man sich dann nicht doch lieber für einen Besuch im Freizeitpark Rust, auch wenn die Mehrheit andere Wünsche hat? Es geht ihm darum, zu zeigen, dass es nicht nur einfache Mehr- oder Minderheitsentscheidungen gibt und auch zureflektieren: Was ist wirklich fair?
Wichtig ist Lukas Wiesehöfer auch, aufzuzeigen, dass jeder die Möglichkeit hat, sich zu engagieren und politisch einzubringen. Die Kunst liege darin, eine Position zu vertreten, aber Kompromisse einzugehen, manche Entscheidungen in der Gruppe mitzutragen, auch wenn man selbst damit nicht glücklich ist.
Wenn man immer die Meinung anderer übernimmt, ist das auch nicht gut
sagt Lukas Wiesehöfer
Man müsse sich im Leben ständig neu positionieren, sagt Lukas Wiesehöfer. Erst dann, ist er überzeugt, sind in der Gesellschaft die Werte möglich, die er für grundlegend hält: „Respekt, Vielfalt, Neugier – und ein guter Austausch.“