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Kinotipp „Nürnberg“

Faszination des Bösen: Neuer Kinofilm über Nürnberger Prozesse

Ein amerikanischer Spielfilm über die Nürnberger Prozesse stellt Hermann Göring und seinen Gerichtspsychiater Douglas M. Kelley in den Mittelpunkt. Die Botschaft: Das Böse hat menschliche Züge und kann durchaus charmant sein. Heute kommt der Film in die Kinos. Von Andreas Steidel

Das Bild zeigt einen Ausschnitt aus dem Film "Nürnberg": Hermann Göring (links), gespielt von Russell Crowe, sitzt mit anderen Männern auf der Anklagebank in Nürnberg. Im Hintergrund sind Wachen in Uniform zu sehen.
Pressebild/Sony Pictures
Dominant und überaus angriffslustig: Hermann Göring (links), gespielt von Russell Crowe, auf der Anklagebank in Nürnberg.

Als die Alliierten 1945 die Konzen­trationslager befreiten, waren sie schockiert. Die Bilder der Leichenberge und der ausgemergelten Häftlinge, die überlebt hatten, sprachen eine deutliche Sprache. Die Frage war nun: Wie sollte man das ahnden? Und welche Bestien waren zu solchen Taten fähig?

Die eine Antwort war: Ein interna­tionales Militärtribunal würde über die Schuld der Naziverbrecher befinden. Vertreter aller vier Siegermächte sollten dort zu Gericht sitzen und der erste aller Prozesse den Hauptkriegsverbrechern gewidmet sein.

Robert H. Jacksons Mission: Zwischen Gerechtigkeit, Politik und Moral

Dass es überhaupt so etwas wie einen fairen Prozess gab, war den Amerikanern zu verdanken: Sie wollten der Welt zeigen, dass Menschen eine individuelle Schuld auch für Staatsverbrechen trugen. Der bloße Verweis auf Befehle und die Rechtslage reichten nicht mehr aus.

Vor allem der amerikanische Hauptankläger, Robert H. Jackson, trieb die Idee voran. Er war der Spiritus Rector und Cheforganisator des Prozesses gegen die Hauptkriegsverbrecher. Die Briten hatten für standrechtliche Erschießungen plädiert, die Russen einen Schauprozess mit lauter Todesurteilen im Auge. Jackson jedoch wollte mehr als Rache: eine Zäsur der Geschichte, die so etwas nicht mehr möglich macht.

„Nürnberg“ im Kino:

Der Film „Nürnberg“ dauert 148 Minuten und ist seit dem 7. Mai in den Kinos zu sehen. Hier finden Sie ein Kino in Ihrer Nähe.

Es gehört zu den Stärken des amerikanischen Kinofilms „Nürnberg“, dass er auch der Persönlichkeit Robert H. Jacksons Raum gibt. Sein Ringen um ein Verfahren, das es zuvor noch nie gab, ist eines der wichtigen Filmmotive. Dazu lässt ihn Regisseur James Vanderbilt zum Papst nach Rom reisen und Pius XII. in die Enge treiben. Hatte der nicht als deutscher Nuntius 1933 mit den Nazis einen Pakt geschlossen?

Eine schwarz-weiß Aufnahme von Hermann Göring im Nürnberger Gefängnis, sich mit seinem Anwalt Otto Stahmer beratend, der von hinten zu sehen ist.
epd-bild/Keystone
Originalaufnahme von 1945: Hermann Göring wie er sich mit seinem Anwalt Otto Stahmer im Nürnberger Gefängnis berät.

Filmische Freiheit: Wie „Nürnberg“ historische Fakten dramaturgisch zuspitzt

Man lauscht gebannt den messerscharfen Dialogen im Vatikan, auch wenn sie so nie stattfanden. Der Film „Nürnberg“ nimmt einen echten historischen Rahmen und füllt ihn mit durchaus freien Inhalten. Die Dramaturgie besiegt die Histo­riographie immer mal wieder. Das gilt auch für das eigentlich zentrale Motiv des zweieinhalb Stunden langen Leinwand-Streifens: das Duell zwischen Hermann Göring und dem Gerichtspsychiater Douglas M. Kelley. Göring war der mit Abstand prominenteste unter den Angeklagten. Hitler, Himmler und Goebbels hatten sich durch Selbstmord einer Verurteilung entzogen, für Hermann Göring wurde der Prozess jedoch zur großen Bühne.

Die ganze Filmrezention von Gemeindeblatt-Redakteur Andreas Steidel lesen Sie im Evangelischen Gemeindeblatt Nr. 17. Erhältlich als ePaper im Gemeindeblatt Shop.