Als die Alliierten 1945 die Konzentrationslager befreiten, waren sie schockiert. Die Bilder der Leichenberge und der ausgemergelten Häftlinge, die überlebt hatten, sprachen eine deutliche Sprache. Die Frage war nun: Wie sollte man das ahnden? Und welche Bestien waren zu solchen Taten fähig?
Die eine Antwort war: Ein internationales Militärtribunal würde über die Schuld der Naziverbrecher befinden. Vertreter aller vier Siegermächte sollten dort zu Gericht sitzen und der erste aller Prozesse den Hauptkriegsverbrechern gewidmet sein.
Robert H. Jacksons Mission: Zwischen Gerechtigkeit, Politik und Moral
Dass es überhaupt so etwas wie einen fairen Prozess gab, war den Amerikanern zu verdanken: Sie wollten der Welt zeigen, dass Menschen eine individuelle Schuld auch für Staatsverbrechen trugen. Der bloße Verweis auf Befehle und die Rechtslage reichten nicht mehr aus.
Vor allem der amerikanische Hauptankläger, Robert H. Jackson, trieb die Idee voran. Er war der Spiritus Rector und Cheforganisator des Prozesses gegen die Hauptkriegsverbrecher. Die Briten hatten für standrechtliche Erschießungen plädiert, die Russen einen Schauprozess mit lauter Todesurteilen im Auge. Jackson jedoch wollte mehr als Rache: eine Zäsur der Geschichte, die so etwas nicht mehr möglich macht.