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Freundschaften

Freundschaft: Warum sie wichtiger für Glück und Gesundheit ist als viele denken

Freunde lachen mit, wenn das Leben leicht ist. Vor allem aber tragen sie, wenn es schwer wird. Psychologen und Theologen kommen zu demselben Schluss: Freundschaft ist weit mehr als eine schöne Zugabe des Lebens. Von Matthias Pankau (epd)

Vier junge Frauen stehen in einer grünen Wiese nebeneinander.
Unsplash/Melissa Askew

Warum Freundschaften für Menschen so wichtig sind

Es gibt Beziehungen, die beginnen ganz unspektakulär und halten Jahrzehnte. Und doch gibt es Menschen, die auch nachts das Telefon abheben würden, wenn man sie braucht. Freundschaften sind völlig freiwillig und zählen vielleicht zu den verlässlichsten Beziehungen. 

Johanna Graf ist leitende Psychologin der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Klinikum Stuttgart. Freundschaften vermittelten Zugehörigkeit, stärkten den Selbstwert und gäben das Gefühl, „so akzeptiert zu werden, wie wir sind“. Gerade in schwierigen Lebensphasen seien Freunde oft die Menschen, die Sicherheit und Zuversicht vermittelten – unabhängig von Familie oder Partnerschaft.

Menschen sind Beziehungswesen

sagt Johanna Graf

Was Menschen an Freundschaften besonders schätzen:

  1. Ehrlichkeit
  2. Über alles reden können
  3. Füreinander da sein

Das nannten jeweils 70 Prozent der Befragten in einer Studie von Sinus-Institut und YouGov.

Studien zeigen die Bedeutung enger Freundschaft

Laut einer Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse aus dem Jahr 2022, aus der „ARD alpha“ zitiert, nehmen gute Freunde und enge Beziehungen mit knapp 85 Prozent die Spitzenreiterposition ein unter den Dingen, die Menschen für wichtig und erstrebenswert halten. Zum Vergleich: Eine glückliche Partnerschaft war nur für knapp 75 Prozent besonders wichtig.

Allerdings haben die meisten Erwachsenen in Deutschland nur wenige enge Freunde, also vertraute Personen, die ihnen nahestehen. In der YouGov-Befragung erklärten zwei Drittel, sie hätten einen besten Freund oder eine beste Freundin. Im Schnitt hätten die Deutschen 3,7 enge Freunde.

Bei Freundschaften gehe es aber auch nicht um möglichst viele Kontakte, sagt Johanna Graf. Entscheidend sei ihre Qualität. Wer Menschen habe, denen er vertraue, lebe nicht nur zufriedener. Er sei häufig auch gesünder. Einsamkeit erhöhe die Gefahr von Bluthochdruck, Schlaganfällen und anderen chronischen Erkrankungen. 

Der Unterschied zwischen Freundschaften und einer Partnerschaft

Partnerschaften seien umfassend, exklusiv und „hoffentlich jedenfalls” lebenslang, sagt Michael Herbst, emeritierter Professor für Praktische Theologie an der Universität Greifswald: „Partner sind einander Gefährten, sie stehen einander bei, sorgen füreinander.” Freundschaften dagegen lebten von einer anderen Qualität: Niemand müsse Freund sein. Aufgrund dieser Freiheit seien sie so kostbar. Gute, stabile und belastbare Beziehungen seien eine wichtige Säule fürs Wohlbefinden, das habe die Forschung bestätigt, sagt Herbst. Laut ihm zeigt die Antwort auf diese Frage, zu wem ein Mensch eine gute Beziehung hat:

Testfrage: Wen könnte ich, wenn es sein muss, auch nachts um zwei anrufen?

sagt Michael Herbst

Was die Bibel über Freundschaft und Treue sagt

Dass Freundschaft den Menschen trägt, erzählen nach Herbsts Überzeugung schon die biblischen Geschichten. Da sei Jonathan, der seinem Freund David treu geblieben sei, obwohl er sich damit gegen seinen eigenen Vater stelle. Und das Buch Jesus Sirach im Alten Testament habe die Bedeutung der Freundschaft vor mehr als 2000 Jahren in einem Satz beschrieben, der bis heute nichts von seiner Kraft verloren habe: „Ein treuer Freund ist ein starker Schutz; wer den findet, der findet einen großen Schatz.”