Direkt zum Inhalt
Initiative will „bibliorama” retten

Gibt es doch eine Zukunft für das Stuttgarter Bibelmuseum?

Am 31. Januar schließt das Stuttgarter Bibelmuseum „bibliorama” wegen Sparmaßnahmen der württembergischen Landeskirche seine Türen. Eine Initiative will das nicht hinnehmen und kämpft nun um den Erhalt des Mitmachmuseums. Von Judith Kubitscheck (epd)

Eine Frau steht im Bibelmuseum Stuttgart. Auf einer Leinwand ist eine moderne Abbildung Martin Luthers zu sehen.
epd-bild/Gerhard Bäuerle
Bei der Eröffnung des „biblioramas” in Stuttgart im Mai 2015.

Schock über geplante Schließung des Stuttgarter Bibelmuseums

Irmela Preissner war „total geschockt”, als sie im November 2025 erfuhr, dass das Stuttgarter Bibelmuseum „bibliorama” am 31. Januar schließen soll. Als Geschäftsführerin von „Biblische Reisen” bietet sie regelmäßig Touren durch die „Bibelstadt Stuttgart” an. Denn in der württembergischen Landeshauptstadt befindet sich die Deutsche Bibelgesellschaft, das Katholische Bibelwerk und in der Württembergischen Landesbibliothek eine der größten Bibelsammlungen der Welt. Hinzu kommt das Bibelmuseum „bibliorama”, das sie sehr schätzt

Ich war bei meinem ersten Besuch überrascht, wie modern und lebensnah es aufgebaut ist, mit Botschaften, die das eigene Leben inspirieren.

sagt Irmela Preissner

Rettungsinitiative will Schließung des „bibliorama“ verhindern

Umso weniger kann sie es nachvollziehen, dass das Museum aufgegeben werden soll. Gemeinsam mit dem Förderverein des Bibelmuseums startete sie die Initiative „bibliorama retten”. Ziel sei, „130.000 Euro an Spenden zu organisieren, damit das Museum mindestens ein weiteres Jahr unter einer anderen Trägerschaft betrieben werden kann”, sagt Preissner. Die durch das Geld dazugewonnene Zeit wolle man nutzen, um das Bibelmuseum neu organisatorisch aufzustellen und sich um eine nachhaltige Finanzierung zu kümmern. Sie sei in Gesprächen mit der Landeskirche und hoffe, dass die Kirche das Museum nicht einfach schließt, sondern es an einen Nachfolger überträgt.

Neue Öffnungskonzepte als mögliche Lösung

Einsparungen seien etwa denkbar, indem man nur noch am Wochenende öffne, ergänzend dazu aber Gruppen wie Schulklassen und Konfirmanden anbiete, zu einem gebuchten Termin auch unter der Woche das Museum zu besuchen. Ebenso könne durch noch mehr ehrenamtliches Personal als bisher Geld eingespart werden, sagt Preissner.

Finanzdruck der Landeskirche

Die württembergische Landeskirche hat drastische Einsparungen beschlossen. Davon ist auch das „bibliorama” betroffen: Im Herbst 2025 wurde entschieden, das Stuttgarter Bibelmuseum Ende Januar 2026 zu schließen. Von den bisher 490.000 Euro des jährlichen Bibelmuseums-Etats sollen 350.000 Euro eingespart werden, die restlichen 140.000 Euro seien für anderweitige Bibelarbeit vorgesehen, teilte die Landeskirche mit.

Die Evangelische Landeskirche in Württemberg betreibt das „bibliorama” in Zusammenarbeit mit der Württembergischen Bibelgesellschaft. Das Museum erhielt mehrere Preise, unter anderem für sein partizipatives Konzept.

Bibelmuseum erst knapp elf Jahre alt

Das Museum ist erst 2015 eröffnet worden und feierte im vergangenen Jahr sein zehnjähriges Bestehen. In der rund 350 Quadratmeter großen Ausstellung begegnen die Besucher 14 biblischen Personen und Martin Luther. Es können Psalmen komponiert oder auf einer Laserharfe gespielt werden. Ein Sandkreisel, eine „Unrechtswaage” oder 3000 Bausteine laden ein, selbst aktiv zu werden.

Spendenstand und Hoffnung auf Unterstützung durch Institutionen

Bisher seien knapp 18.000 Euro an Spenden von Privatpersonen für den Erhalt des Museums zusammengekommen, sagt die Initiatorin von „bibliorama retten”. Nun sei das nächste Ziel, auf Institutionen wie Firmen und Stiftungen zuzugehen und um finanzielle Unterstützung zu bitten.

Es kann sein, dass wir als Initiative scheitern, auch wenn man alles gegeben hat. Aber für mich ist es viel schwerer zu akzeptieren, dass so eine tolle Einrichtung geschlossen werden soll, ohne dass man wirklich ernsthaft alles probiert hat, um das Ganze zu retten

sagt Irmela Preissner