Äußerlich war viel Erfolg spürbar, doch in meinem Innern wuchs eine leere Schwermut. Irgendwann war die Erschöpfungsdepression massiv da. Sie verschwand auch nicht so rasch. Wer diese Traurigkeit der Seele je erlebt hat, weiß, wie furchtbar solche Zeiten sind. Jeder neue Tag liegt morgens schier unüberwindbar vor einem. Man fürchtet sich vor dem, was kommt. Den katastrophierenden Gedanken kann man nicht entweichen. Das Leben ist unaushaltbar geworden und der Tod erscheint einem geradezu eine Erlösung zu sein.
Freilich, ich kannte die vielen ermutigenden Worte aus der Bibel, die uns Trost zusprechen wollen. Ich hatte im Studium gelernt, dass wir uns unsere menschliche Rechtfertigung vor Gott nicht erwerben müssen, sondern dass wir als Beschenkte allein aus Gnaden leben dürfen. Aber diese befreiende Zuversicht war nicht mehr im Herzen.
Schon Prophet Elia erkrankte an einer Depression
In der damaligen Krisenzeit habe ich den biblischen Propheten Elia entdeckt. Natürlich kannte ich seine Lebensgeschichte längst, aber in meiner jetzigen Situation habe ich sie ganz neu gelesen. Elia war ein „Mann Gottes“, der mit ganzer Kraft für seinen Herrn gekämpft hatte. Mit den Machthabern und Meinungsmachern seiner Zeit hat er sich angelegt, um sie an den lebendigen Gott Israels zu erinnern.
Beim Gottesurteil am Karmel kam es zum großen Showdown. Elia stand allein gegen 450 Priester des Baals. Mit all ihren Gesängen, Tänzen und Beschwörungen konnten sie bei dieser kultischen Wette den vorbereiteten Opferaltar nicht zum Brennen bringen. Es war das schlichte Gebet des Elia, welches Feuer vom Himmel fallen ließ, den Altar entflammte und aller Welt zeigte, dass „der Gott der Väter Abraham, Isaak und Jakob“ der wahre Gott Israels ist. Elia hätte diesen schlagzeilenträchtigen Erfolg genießen können, doch stattdessen sandte Israels König Ahab einige Dolchmänner aus, die Elia töten sollten.
Da geriet Elia in eine schwere Depression. Er hatte mit so vielen Gegnern den Kampf aufgenommen und die sichtbare Macht Gottes erlebt. Er hat sich bislang allen äußerlichen Angriffen offensiv gestellt. Nun aber nahm er verzweifelt Reißaus vor ein paar bezahlten Häschern. Er hatte keine Kraft mehr. Er ließ alles hinter sich, was ihn am Leben hielt. Mutterseelenallein ging er in die Wüste, setzte sich unter einen Wacholderstrauch und wollte sterben: „Herr, nimm meine Seele!“
Hilfe von Gott in schweren Zeiten
Da beschreibt uns die Bibel ein waschechtes Burnout. Wie geht Gott damit um? Er könnte sagen: „Elia, reiß dich doch zusammen, denk an die biblischen Verheißungen, an all den Erfolg, den ich dir geschenkt habe.“ Das tut er nicht. Gott schickt vielmehr einen Engel, der ihm eine Brotzeit hinstellt. „Elia, iss und trink“ Nein, es ist kein Festmahl, nur Brot und Wasser. Aber es sind elementare Schöpfungsgaben, mit denen Elia spüren soll, dass er am Leben ist und dass Gott ihn auch in dieser schwierigen Situation versorgt.
Macht der Natur: Wie die Schöpfung tröstet
Ich habe mir in der schweren Zeit meines Burnouts einen Hund gekauft. Jeden Tag musste ich jetzt einen Spaziergang mit ihm machen. Ich saß nicht mehr nur hinter den Büchern in meinem Amtszimmer. Bei jedem Wetter ging es hinaus in die weite Hohenloher Landschaft. Dabei habe ich täglich die Wunder der Schöpfung wahrgenommen. Es wurde Frühling, Sommer, Herbst und Winter und ich musste diesen Wechsel der Jahreszeiten nicht organisieren. Es geschah von allein. Es war ein Geschenk.