Keine Hinweise am Grab – Absicht oder Versehen?
Einen Hinweis, wer der Tote war, suchen Besucher vergeblich. Nur an zwei Parkeingängen weist ein Schild auf das Grab eines „Dr. Helmut Kohl“ hin. Die Überwachungskameras am Grab ließ die Stadt bereits vor drei Jahren abbauen und der Witwe zuschicken.
Wir machen keine Publicity mit dem Grab aber wenn jemand bei der Touristinformation fragt, verweisen wir gerne darauf
sagt Stadtsprecherin Janine Friedmann
An Kohls Grab: Reaktionen von Besuchern aus Nah und Fern
„Schlicht, bescheiden, gefällt mir“, ist die Meinung von Edmar Wollnik. Der Göttinger macht auf seiner Wohnmobiltour Station in Speyer. Das Grab gehöre da zu seinem Stadtprogramm dazu. „Ich bin gern auf Friedhöfen, mag die Atmosphäre“, sagt Wollnik, der mit Kohl und der deutschen Einheit viel verbindet. Er ist im Werra-Meißner-Kreis aufgewachsen, nahe der deutsch-deutschen Grenze. „Wir haben den Verwandten auf der anderen Seite der Werra zuwinken können.“
Auch einer dreiköpfigen Gruppe aus dem unterfränkischen Bad Neustadt, die einen Tag in Speyer verbringt, gefällt das Grab. „Er war sicher kein einfacher Mensch“, lautet das Urteil einer Touristin, die die Biografien Kohls und seiner ersten Ehefrau Hannelore gelesen hat. „Tschüss, Helmut“, sagt sie, als sie geht.
„Ich bin in Speyer geboren“, erklärt Grabbesucher Ferdinando Brancaccio, der mit Frau und Kindern seit mehr als 40 Jahren bei Pompeji lebt. Dass es „der“ Helmut Kohl sei, der hier begraben ist, habe er nicht gewusst. Als er seiner Frau übersetzt, wer hier seine letzte Ruhe gefunden hat, reagiert sie irritiert. „Brutta“, hässlich, eines Staatsmannes nicht würdig, lautet ihr Urteil. Warum kein Foto, schlägt sie im Stil italienischer Grabgestaltung vor. Oder eine Deutschlandfahne. Für Bernhard Bouché wiederum, der das Grab regelmäßig besucht, ist es so in Ordnung.
Zum 90. Geburtstag 2020 lagen hier 90 rote Rosen. Das war schön
sagt Bernhard Bouché