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Letzte Ruhestätte des Einheitskanzlers

Helmut Kohls Grab in Speyer: Schlicht, umstritten und ohne große Inszenierung

Helmut Kohl hat in Speyer seine letzte Ruhestätte gefunden. Obwohl die Stadt das Grab selbst nicht touristisch bewirbt, finden immer wieder Touristen den Weg dorthin. Die Meinungen zur Grab­gestaltung gehen auseinander. Von Florian Riesterer und epd

Eine Familie, (von rechts: Vater, Mutter, Sohn, Tochter) steht vor einem Zaun am Grab von Helmut Kohl
Florian Riesterer
An Helmut Kohls Grab in Speyer: Immer wieder besuchen auch Touristen die Ruhestätte des Einheitskanzlers.

Helmut Kohls letzte Ruhestätte in Speyer

Langsam spaziert die vierköpfige Familie durch den Speyerer Adenauerpark. Sie bleibt an einem Gitter stehen und blickt auf das Grab dahinter. „Helmut Kohl 3.4.1930 – 16.6.2017“ steht auf einem schlichten Holzkreuz, halb hinter üppig wachsenden Sträuchern verborgen. Die Tochter tippt auf ihrem Smartphone, sucht im Netz nach dem Namen, die Eltern rätseln über das prominent gelegene Grab ohne jede Erläuterung.

Der Einheitskanzler und die Stadt Speyer

Tatsächlich handelt es sich bei dem schlicht gehaltenen Grab in heller Sandsteineinfassung um das des Einheitskanzlers Helmut Kohl. Der Pfälzer, in Ludwigshafen-Oggersheim geboren, hatte eine enge Beziehung zu Speyer. Den Dom erlebte er als 13-Jähriger im Schutzraum während Fliegerangriffen, als Kanzler zeigte er das für ihn „einmalige Kunstwerk“ Staatsgästen wie Michail Gorbatschow, Jacques Chirac, Margaret Thatcher oder George Bush.

Trauerfeier im Speyerer Dom 2017

Am 1. Juli 2017 fand denn auch die Trauerfeier im Speyerer Dom mit Staatsgästen aus aller Welt statt, bevor Kohl im Adenauerpark seine letzte Ruhestätte fand – auf Betreiben seiner Witwe Maike Kohl-Richter, mit der er dies offenbar geplant hatte. Gerüchte besagen, Kohl hätte gar im Dom selbst bestattet werden wollen, das Bistum habe abgelehnt. Kohls Söhne indes hätten ihn lieber im Familiengrab in Ludwigshafen bestattet gesehen. In der Folge kochten immer wieder Diskussionen um die Grabgestaltung hoch. Vor allem der fehlende Grabstein stieß manchen auf.

Kohl-Sohn Walter hatte unter anderem in der „Bild“-Zeitung erklärt, die umzäunte Grabstätte sei „beschämend, absurd und unwürdig“. Der Freiburger Rechtsanwalt der Kohl-Witwe, Stefan Wieser, wies das zurück. Maike Kohl-Richter hatte das Grab im Jahr 2019 in der jetzigen Form mit einer Einfassung aus heimischem weißen Sandstein gestalten lassen. Das Kreuz habe „für ihren verstorbenen Mann und sie eine sehr persönliche Bedeutung“.

Hinweisschild auf dem "Adenauer-Park" Grabstätte von Dr. Helmut Kohl *3.4.1930 +16.6.2017 steht, sowie die Öffnungszeiten des Parks
Florian Riesterer

Keine Hinweise am Grab – Absicht oder Versehen?

Einen Hinweis, wer der Tote war, suchen Besucher vergeblich. Nur an zwei Parkeingängen weist ein Schild auf das Grab eines „Dr. Helmut Kohl“ hin. Die Überwachungskameras am Grab ließ die Stadt bereits vor drei Jahren abbauen und der Witwe zuschicken.

Wir machen keine Pu­blicity mit dem Grab aber wenn jemand bei der Touristinformation fragt, verweisen wir gerne darauf

sagt Stadtsprecherin Janine Friedmann

An Kohls Grab: Reaktionen von Besuchern aus Nah und Fern

„Schlicht, bescheiden, gefällt mir“, ist die Meinung von Edmar Wollnik. Der Göttinger macht auf seiner Wohnmobiltour Station in Speyer. Das Grab gehöre da zu seinem Stadtprogramm dazu. „Ich bin gern auf Friedhöfen, mag die Atmosphäre“, sagt Wollnik, der mit Kohl und der deutschen Einheit viel verbindet. Er ist im Werra-Meißner-Kreis aufgewachsen, nahe der deutsch-deutschen Grenze. „Wir haben den Verwandten auf der anderen Seite der Werra zuwinken können.“

Auch einer dreiköpfigen Gruppe aus dem unterfränkischen Bad Neustadt, die einen Tag in Speyer verbringt, gefällt das Grab. „Er war sicher kein einfacher Mensch“, lautet das Urteil einer Touristin, die die Biografien Kohls und seiner ersten Ehefrau Hannelore gelesen hat. „Tschüss, Helmut“, sagt sie, als sie geht.

„Ich bin in Speyer geboren“, erklärt Grabbesucher Ferdinando Brancaccio, der mit Frau und Kindern seit mehr als 40 Jahren bei Pompeji lebt. Dass es „der“ Helmut Kohl sei, der hier begraben ist, habe er nicht gewusst. Als er seiner Frau übersetzt, wer hier seine letzte Ruhe gefunden hat, reagiert sie irritiert. „Brutta“, hässlich, eines Staatsmannes nicht würdig, lautet ihr Urteil. Warum kein Foto, schlägt sie im Stil italienischer Grabgestaltung vor. Oder eine Deutschlandfahne. Für Bernhard Bouché wiederum, der das Grab regelmäßig besucht, ist es so in Ordnung.

Zum 90. Geburtstag 2020 lagen hier 90 rote Rosen. Das war schön

sagt Bernhard Bouché