Der Pfälzer lacht laut
Von Michael Landgraf
„In der lustigen, heitern, reichen Pfalz können auch nur heitere, fröhliche, reichbegabte Menschen wohnen.“ August Becker schreibt dies im 1858 erschienenen Buch „Die Pfalz und die Pfälzer“ und stellt den Zusammenhang zwischen Landschaft, Lebensart und Humor her. Spürbar sei, dass das Selbstgefühl hier stärker ausgeprägt ist, als es „die Bescheidenheit erlaubt.“
Ein beliebtes Wanderziel im Pfälzerwald bei Waldleiningen namens „Pfälzer Weltachs“ zeugt davon. Die Idee geht auf das 1909 erschienene Buch „Pälzisch Weltgschicht“ von Paul Münch zurück, in dem steht: „Do werd die Weltachs ingeschmeert unn uffgebasst, dass nix passeert.“ Münch reflektiert auch die Schöpfungsgeschichte und zitiert Gott: „Ma merkt, dass ich allmächdich bin, do mach ich’s Paradies enin.“
Gemeint ist bei beidem natürlich die Pfalz. Humorvolle Visualisierungen des Gedankens sind in Neustadt an der Weinstraße der Paradiesbrunnen und eine lebensgroße Eva an einem Rastort über Deidesheim in der Weinlage Paradiesgarten. Die Erzählung vom Turmbau zu Babel reflektierend, schildert Münch, dass der Menschen Ursprache natürlich das Pfälzische sei. Ansonsten gebe es „Sproche, wo kään Mensch versteht, die arme Kerle dun mer lääd“. Klar sei, dass der pfälzische Ausdruck für Reden, nämlich Babbeln, mit der Sprache Babels verbunden sei.
Im 2024 erschienenen Kino-Dokumentarfilm „Hiwwe wie Driwwe 2“ stellt Filmemacher Benjamin Wagener konkret die Frage nach dem hiesigen Humor. Comedian Christian Chako Habekost erläutert, dass man eher explosiv-laut als in sich gekehrt lache, was grundsätzlich gesünder sei. Auf humorvoll-laute Pfälzerinnen und Pfälzer traf anscheinend auch Adolph Freiherr von Knigge 1792 bei seiner „Fußreise in die Pfalz zur Zeit der Weinlese“ begegnet, die er unter diesem Titel dokumentierte. Die Einheimischen würden beim Artikulieren „schreien“.
Seine Begründung: Das Laute sei Ausdruck des Glücks, das man empfinde, in einer so schönen Region wie der Pfalz leben zu dürfen. Kein Wunder, dass sich auch Pfälzer als Krischer, also als Schreihälse bezeichnen.
Becker weist noch auf eine weitere Quelle Pfälzer Humors hin, nämlich auf den Sinn für heiteres Zusammensein. Begegnungen sind in der Pfalz leicht möglich. Wer auf der Suche nach einem Platz auf einem Volks-, Wein- oder Kirchenfest herumirrt, hört oft den Satz: „Kumm hock dich her, ich ritsch ä Stick.“ Man rückt zusammen, um mit anderen ins humorvolle Gespräch zu kommen, selbst bei traurigen Anlässen. So antwortet der Sänger der pfälzischen Kult-Band „Die anonyme Giddarischde“, Thomas Etzel Merz, in „Hiwwe wie Driwwe“ auf die Frage nach dem hiesigen Humor: „Wanns in de Palz bei ner Beerdichung traurich zugeht, is de Parrer schlecht.“
Der Blick ins sechsbändige Pfälzer Wörterbuch verrät: „Er hot än gude Humor“ kann mancherorts auch „er hat einen guten Appetit“ meinen. Und wirklich: Lachen verbraucht mehr Kalorien, was bei der Verdauung eines deftigen Pfälzer Gerichts mit einem Halbliter-Schoppen Wein sicher verträglicher ist. Unbeliebt sind in der Pfalz übrigens lang-atmige Witze. Lieber „utzt“, also foppt man sich kurz, meint es aber nicht böse.
Sprachlich wird in der Pfalz sowieso eher die kurze Form bevorzugt. „Kommerlosse“ ist das höchste Lob, das selbst dann kommt, wenn ein nichtpfälzischer Gastgeber oder eine Gastgeberin zum Essen eingeladen hat. Erntet man irritierte Blicke, dann kann man immer noch gewitzt die Situation retten, durch den Satz: „Sei froh, dass ich kään Schwoob bin, do deeds hääße: Net gschimpft is gelobt genuch.“