Lieber Heiliger Geist, Vater und Sohn kennt man, Sie kennt man eher nicht. Wie kommt das?
Ich arbeite im Verborgenen – undercover sozusagen.
Warum?
Erstens passt das zu meinem Namen. Zweitens komme ich so leichter an die Leute ran. Bei Jesus und Gott machen viele heute ja gleich zu.
Wählen Sie immer noch die Tarnung als Taube?
Über mein aktuelles Gewand gebe ich keine Auskunft.
Also nix mehr mit weißem Gefieder?
Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Lassen Sie sich überraschen.
Wo ist denn eigentlich Ihr Büro?
Im Himmel.
Geht es etwas genauer?
Wolke 7.
Soll das ein Witz sein?
Ja natürlich, ich habe Humor. Tatsächlich bin ich überall und nirgendwo zu Hause.
Wie lautet denn Ihre aktuelle Stellenbeschreibung?
Lebendige Kraft Gottes. Können Sie googeln, steht so auch in der KI.
Sie arbeiten mit Künstlicher Intelligenz?
Mehr noch, mein Auftraggeber toppt sogar noch die KI.
Wie oft tauschen Sie sich mit Ihrem Auftraggeber aus?
Unablässig. Es gibt eine Standleitung. Wir haben sehr viele Themen auf der Tagesordnung.
Sind Vater, Sohn und Heiliger Geist eigentlich immer einer Meinung?
Natürlich, was denken Sie, woher der Begriff Drei-Einigkeit wohl kommt? Oder haben Sie schon mal was von der Drei-Uneinigkeit gehört?
Mit Uneinigkeit haben Sie aber schon immer wieder zu tun?
Andauernd. Die Menschen überbieten sich ja förmlich darin.
Sprechen Sie auch mit der Landeskirche?
Sicher, ist aber sehr schwierig, dort einen Termin zu bekommen.
Wieso das?
Die sind derzeit sehr mit sich selbst und ihren Sparbeschlüssen beschäftigt. Ich bleibe aber dran.
Wie kommen Sie denn generell den Menschen bei?
Ich warte auf den Moment, bis sie nicht mehr weiterwissen. Der ist bei vielen schnell erreicht.
Auch bei Friedrich Merz?
Meine Kundenkontakte lege ich grundsätzlich nicht offen.
Hören Ihnen die Leute denn zu?
Manchmal ja, manchmal nein. Es ist ein mühsames Geschäft, man braucht einen sehr langen Atem.
Ist das nicht frustrierend?
Nein, ich liebe es, den Leuten auf den Geist zu gehen, wenn Sie dieses Wortspiel erlauben.
Was sind denn die schönen Momente für Sie?
Wenn nach langem Hin und Her die Türen und Herzen aufgehen.
Okay, dann haben Sie es geschafft, aber was ist mit Vater und Sohn?
Die habe ich doch immer mit dabei. Das ist der Trick.
Letzte Frage: Wie verbringen Sie Pfingsten?
Im Dienst natürlich. Das ist für mich Hochsaison.
Anmerkung: Das Interview hat so natürlich nicht stattgefunden. Gemeindeblatt-Redakteur Andreas Steidel hat sich überlegt, was der Heilige Geist ihm auf seine Fragen wohl antworten würde.