ForuM-Studie

Kirche und Diakonie bekennen "jahrzehntelanges Versagen"

Nach den Ergebnissen der ForuM-Studie über sexualisierte Gewalt haben der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland, die 20 evangelischen Landeskirchen und der Bundesvorstand der Diakonie eine gemeinsame Erklärung herausgegeben.
Von epd

unsplash/Jussara Romão
Detlev Zander ist Sprecher der Betroffenenvertretung im Beteiligungsforum der EKD.

Nach der jüngst vorgestellten Studie über das Ausmaß von Missbrauch an Kindern und Jugendlichen in der evangelischen Kirche haben relevante Gremien der Kirche eine gemeinsame Erklärung abgegeben. Die Studie lege ein "jahrzehntelanges Versagen der evangelischen Kirche und der Diakonie auf allen Ebenen und in allen Landeskirchen offen", heißt es in der Stellungnahme des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der 20 evangelischen Landeskirchen und des Bundesvorstands der Diakonie.

Betroffene seien nicht gehört, Taten nicht aufgearbeitet, Täter geschützt und Verantwortung nicht übernommen worden. In der Stellungnahme, die auch die evangelischen Landeskirchen in Rheinland-Pfalz, Hessen und im Saarland unterzeichneten heißt es

Sexualisierte Gewalt gehört zur Realität unserer Kirche und unserer Diakonie. Diese Einsicht nimmt uns in die Pflicht

 

EKD, Landeskirchen und Diakonie formulieren darin auch Konsequenzen. Man verpflichte sich zu einheitlichen Standards der Prävention und Transparenz, einheitlichen Verfahren für kirchliche Zahlungen – die sogenannten Anerkennungsverfahren – sowie einen einheitlichen Prozess der weiteren Aufarbeitung sexualisierte Gewalt.



Konkrete Schritte sollen im Beteiligungsforum der EKD, in dem kirchliche Verantwortliche und Betroffene vertreten sind, besprochen werden. Mitte Februar werde das Gremium gemeinsam mit den Forschenden die Ergebnisse und Empfehlungen erstmals beraten, heißt es in der Stellungnahme. Die Rede ist darin von einem "klaren Maßnahmenplan". Die Stellungnahme bekennt sich zur Beteiligung von Betroffenen. Man stehe hinter dem "Grundsatz der direkten Mitentscheidungen" von Betroffenenvertretern und -vertreterinnen.

Ende Januar wurde die von der EKD beauftragte Studie des unabhängigen Forschungsverbunds ForuM veröffentlicht. Sie zeigt Ausmaß und Risikofaktoren sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche. Die Wissenschaftler ermittelten mindestens 2225 Betroffene und 1259 Beschuldigte sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche und Diakonie, gehen aber davon aus, dass die tatsächliche Zahl weit höher liegt, weil längst nicht alle relevanten Akten der Landeskirchen und diakonischen Landesverbände eingesehen wurden.

Die Evangelische Kirche Deutschland stellt auch online Informationen zu wirksamen Maßnahmen zur Aufarbeitung und Prävention von sexualisierter Gewalt zur Verfügung.