Evangelische Stimmen: Jüdisches Leben bedroht
Zum dritten Jahrestag des Hamas-Überfalls auf Israel haben Vertreter aus Politik und Gesellschaft vor wachsendem Judenhass in der Gesellschaft gewarnt. Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, sagte, die „Welle des antisemitischen Hasses“, der sich weltweit zeige, bedrohe Jüdinnen und Juden zunehmend in ihren Lebensräumen. Sie denke an die Überlebenden und Angehörigen des Terroranschlags, die bis heute mit Trauer und den Folgen des Erlittenen lebten, sagte die Hamburger Bischöfin.
Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel, kritisierte den zunehmenden Antisemitismus. Es sei „unerträglich“, dass jüdische Menschen in Deutschland immer mehr Angriffen ausgesetzt seien. 2025 hatten deutsche Behörden rund 6.550 antisemitische Straftaten verzeichnet, ein Anstieg von rund fünf Prozent gegenüber 2024.
Um das klar zu sagen: Jüdisches Leben gehört unauflöslich zu Deutschland und darf von niemandem infrage gestellt werden. Nicht von rechts, nicht von links, nicht aus religiösen Gründen.
sagt Thorsten Latzel
Wadephul spricht von „kollektivem Versagen“ beim Schutz jüdischer Menschen
Angesichts der Zunahme antisemitischer Straftaten sprach auch Außenminister Johann Wadephul (CDU) von einer „katastrophalen Fehlentwicklung“. Dass Jüdinnen und Juden in Deutschland inzwischen besonderen Schutz benötigten und sich etwa in Berlin „mit einer Kippa wirklich nicht richtig gut in allen Stadtteilen und in allen öffentlichen Verkehrsmitteln bewegen können“, sei mehr als besorgniserregend, sagte Wadephul am Montagabend in der n-tv-Sendung „Pinar Atalay“: „Das hat Elemente eines kollektiven Versagens.“
Solidarität mit Israel und Anteilnahme für palästinensische Opfer
Bischöfin Fehrs verwies auch auf das Leid der palästinensischen Bevölkerung im Gaza-Streifen. Die Trauer um die Opfer des 7. Oktobers werde nicht kleiner, wenn zugleich der Opfer des Krieges in Gaza gedacht werde, sagte sie. Beides dürfe nicht gegeneinander aufgerechnet werden.
Unsere Anteilnahme am Leid dieser palästinensischen Bevölkerung nimmt nichts von unserer Solidarität mit den Menschen in Israel.
sagt Kerstin Fehrs
Opfer nicht gegeneinander ausspielen oder politisch instrumentalisieren
Der Direktor der Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank, Meron Mendel mahnte, dass die Opfer des antisemitischen Terrors der Hamas und die Opfer des Gaza-Krieges nicht gegeneinander ausgespielt werden dürften. Beide Opfergruppen sollten zudem nicht politisch instrumentalisiert werden, weder bei Demonstrationen noch in Kommentarspalten bei Social Media, sagte er.