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Jahrestag Hamas-Angriff

Kirchen und Politik warnen vor zunehmendem Antisemitismus

Drei Jahre nach dem Terroranschlag der Hamas auf Israel, ist jüdisches Leben in Deutschland zunehmende bedroht. Kirchenoberhäupter mahnen vor wachsendem Antisemitismus und beklagen Opfer auf beiden Seiten des Krieges. Von epd

Das Bild zeigt den Hinterkopf eines Mannes, der in einem Bus sitzt und auf dessen Kopf eine Kippa (jüdische Kopfbedeckung für Männer) mit einer Haarspange befestigt ist.
Unsplash/Levi Meir Clancy

Evangelische Stimmen: Jüdisches Leben bedroht

Zum dritten Jahrestag des Hamas-Überfalls auf Israel haben Vertreter aus Politik und Gesellschaft vor wachsendem Judenhass in der Gesellschaft gewarnt. Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, sagte, die „Welle des antisemitischen Hasses“, der sich weltweit zeige, bedrohe Jüdinnen und Juden zunehmend in ihren Lebensräumen. Sie denke an die Überlebenden und Angehörigen des Terroranschlags, die bis heute mit Trauer und den Folgen des Erlittenen lebten, sagte die Hamburger Bischöfin.

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel, kritisierte den zunehmenden Antisemitismus. Es sei „unerträglich“, dass jüdische Menschen in Deutschland immer mehr Angriffen ausgesetzt seien. 2025 hatten deutsche Behörden rund 6.550 antisemitische Straftaten verzeichnet, ein Anstieg von rund fünf Prozent gegenüber 2024.

Um das klar zu sagen: Jüdisches Leben gehört unauflöslich zu Deutschland und darf von niemandem infrage gestellt werden. Nicht von rechts, nicht von links, nicht aus religiösen Gründen.

sagt Thorsten Latzel

Wadephul spricht von „kollektivem Versagen“ beim Schutz jüdischer Menschen

Angesichts der Zunahme antisemitischer Straftaten sprach auch Außenminister Johann Wadephul (CDU) von einer „katastrophalen Fehlentwicklung“. Dass Jüdinnen und Juden in Deutschland inzwischen besonderen Schutz benötigten und sich etwa in Berlin „mit einer Kippa wirklich nicht richtig gut in allen Stadtteilen und in allen öffentlichen Verkehrsmitteln bewegen können“, sei mehr als besorgniserregend, sagte Wadephul am Montagabend in der n-tv-Sendung „Pinar Atalay“: „Das hat Elemente eines kollektiven Versagens.“ 

Solidarität mit Israel und Anteilnahme für palästinensische Opfer

Bischöfin Fehrs verwies auch auf das Leid der palästinensischen Bevölkerung im Gaza-Streifen. Die Trauer um die Opfer des 7. Oktobers werde nicht kleiner, wenn zugleich der Opfer des Krieges in Gaza gedacht werde, sagte sie. Beides dürfe nicht gegeneinander aufgerechnet werden. 

Unsere Anteilnahme am Leid dieser palästinensischen Bevölkerung nimmt nichts von unserer Solidarität mit den Menschen in Israel.

sagt Kerstin Fehrs

Opfer nicht gegeneinander ausspielen oder politisch instrumentalisieren

Der Direktor der Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank, Meron Mendel mahnte, dass die Opfer des antisemitischen Terrors der Hamas und die Opfer des Gaza-Krieges nicht gegeneinander ausgespielt werden dürften. Beide Opfergruppen sollten zudem nicht politisch instrumentalisiert werden, weder bei Demonstrationen noch in Kommentarspalten bei Social Media, sagte er.

Was am 7. Oktober 2023 geschah:

Beim Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 wurden rund 1.200 Menschen in Israel getötet und mehr als 240 in den Gaza-Streifen verschleppt. Die Attacke gilt als der größte Massenmord an Juden seit dem Holocaust. Der Angriff führte zum Krieg zwischen Israel und der Hamas, dem im Gaza-Streifen Zehntausende zum Opfer fielen.

Neue Studie zeigt „antisemitische Normalität“ seit dem 7. Oktober 2023

Einer von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes geförderte Studie hat die Auswirkungen des Hamas-Angriffs auf jüdische Gemeinschaften in Deutschland untersucht. Jüdinnen und Juden in Deutschland nehmen den Hamas-Angriff auf Israel vom 7. Oktober 2023 überwiegend als historische und biografische Zäsur wahr. Die Studienteilnehmenden erlebten einerseits eine Überwältigung durch die Gewalt des Massakers als auch den Bruch in der Gewissheit, Teil einer Gesellschaft zu sein, die Schutz bietet. 

Die Teilnehmenden berichten außerdem von einer „neuen antisemitischen Normalität”, die aus allen Teilen der Gesellschaft kommt und sich zeigt durch:

  • Misstrauen
  • Ausgrenzung
  • Diskriminierung