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Kirchenpädagogik

Kirchenführung mit Kindern: Silke Waibel erklärt worauf es ankommt

Kinder nehmen die Welt nicht so verkopft wahr wie Erwachsene. Wie kann man sie eigentlich den Kirchenraum altersgerecht entdecken und erleben lassen? Silke Waibel, Landesreferentin für ­Kirchenraumpädagogik, berät interessierte Mitarbeitende. Von Andreas Steidel

Ein Kind läuft durch den Mittelgang einer Kirche in Richtung Altar. Rechts und links sind leere Stühle aufgestellt.
epd-bild/Jens Schulze

Wie Kinder Kirchenräume intuitiv begreifen

Eines Tages übernachtete die Jugendreferentin Silke Waibel mit einer Jungschargruppe in einem Jugendraum der Lutherkirche in Wies­baden. Der Übernachtungsplatz lag ­unter dem Gottesdienstraum und plötzlich hatte einer die Idee, ob man nicht nach oben gehen könne. Silke Waible stutzte: „Im Schlafanzug in die Kirche? Ist das euer Ernst?“ Sie zögerte nur kurz und willigte dann ein. Was danach passierte, gehört zum Schönsten, was sie erlebt hat.

Portrait von Silke Waibel
Pressebild
Kirchenraumpädagogin Silke Waibel

Alle saßen im Schummerlicht um den Altar versammelt. Sie redeten von Gott und der Welt, sinnierten darüber, ob es ihn gibt und wie man sich ihn vorstellen muss. Plötzlich sagte ein Junge: „Ich fühle Gott in diesem Moment.“ Und die anderen wollten wissen, wie dieses Gefühl aussieht.

Es war so berührend, da habe ich Kirchenraumpädagogik erlebt, ohne dass ich wusste, was das ist.

erinnert sich Silke Waibel

Seit 2017 ist die aus­gebildete Diakonin und Erzieherin zusammen mit Michael Schock Landesreferentin für Kirchenpädagogik beim Zentrum für Gemeindeentwicklung und missionale Kirche (GEM). Einer ihrer Schwerpunkte ist die Arbeit mit Kindern.

In dieser Funktion bildet sie Menschen fort, die selbst mit Kindern im Kirchenraum arbeiten wollen. In den Basiskursen Kirchenraumpädagogik sind auch Kirchenführungen mit ­Kindern immer wieder ein Thema. Oft rufen Interessierte an, um sich beraten zu lassen: Was müssen wir beachten, wenn wir Kirchenführungen mit Kindern machen wollen?

Was eine gute Kirchenführung mit Kindern ausmacht

Das ist nicht wenig: Die Art der Kirche spielt eine Rolle, der Themenschwerpunkt, die Methodik, die Größe des Teams, aber natürlich auch die Gruppe und ihr Alter. „Mit Kindergartenkindern ist das etwas ganz anderes als mit Grundschülern oder Jugendlichen“, sagt sie.

Grundsätzlich sind Kirchenraum­erlebnisse in vier Phasen aufgeteilt. Der Begrüßung im Außenbereich folgt eine Entdeckung des Innenraums. „Da lässt man die Kinder am besten ausschwärmen“, sagt Silke Waibel. Es ist spannend, welche Eindrücke sie zurückbringen.

KirchenraumpädagogIn werden

Der nächste Basiskurs Kirchenraumpädagogik findet vom 29. April bis 2. Mai in Herrenberg statt: www.kirche-raum-paedagogik.de

Kinder können die Kanzel erkunden

Ein Renner ist auch die Kanzel. Mit Begeisterung klettern die Kinder hinauf und stehen dort, wo sonst nur der Pfarrer oder die Pfarrerin steht. „Man kann sie dann ermuntern, etwas zu sagen“, rät die Pädagogin. Wobei kleinere Kinder oft spontaner als Jugendliche sind. Denen kann man auch etwas zum Vorlesen geben, zum Beispiel aus der Bibel.

Phase drei dient dann der Vertiefung. Was habt ihr erlebt, was habt ihr gefunden? Gibt es Fragen? Wer etwas sagen will, sagt etwas, wer schweigen will, kann auch dies tun. Phase vier gehört dann der Verabschiedung, den letzten Eindrücken.

Bei uns geht es nicht um Lern­erfolge oder Ergebnisse, sondern um Erfahrungen und Erlebnisse.

sagt Silke Waibel

Das versucht die Diakonin auch denen zu vermitteln, die sich beraten lassen wollen. Mit einer klassischen Kirchenführung hat ein kirchenraumpädagogisches Angebot jedenfalls nicht viel zu tun. Kirchenraumpädagogen sind Impulsgeber, die helfen, etwas mit allen Sinnen zu erleben, was man ansonsten oft nur sitzend aus der Distanz kennt.