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Sakrale Superlative

Kirchenrekorde weltweit: Die längste, höchste und schiefste Kirche im Überblick

Länger, höher, breiter, kunstvoller, schräger: Auch bei Kirchenbauten gibt es Rekordmaße, die manchmal absichtlich, manchmal unabsichtlich herbeigeführt wurden. Eine kleine Auswahl sakraler Superlative in Deutschland und weltweit.  Von Andreas Steidel

Die Kirche Sagrada Família in Barcelona von unten in den Himmel fotografiert.
Unsplash/Csaba Veres
Die Skyline von Rom auf der der Petersdom zu sehen ist
Unsplash+/Getty Images
Die Skyline von Rom: Der Vatikan mit dem Petersdom.

Die längste Kirche

Mit 211 Metern ist der Petersdom in Rom die längste Kirche der Welt. Zum Vergleich: Der nicht gerade kleine Dom zu Speyer misst gerade einmal 134 Meter. Die Hauptkirche der katholischen Kirche ist auch in Sachen Kirchenschiff Rekordhalter: Das bringt es nämlich auch schon auf stolze 183 Meter.

Erbaut wurde der Petersdom zwischen 1506 und 1626. Für den Mönch Martin Luther war er ein rotes Tuch, weil er nicht einsehen wollte, dass für dessen Prunk Ablassgelder eingesetzt wurden. So fällt die Bauzeit nicht zufällig mit der Reformation zusammen.

Der Kölner Dom: Zwei Kirchtürme ragen in den Himmel
Unsplash/Lucas Carl
Der Kölner Dom

Die größte deutsche Kirche

Der Kölner Dom ist ein gewaltiges Monument. Mit über 300.000 Kubikmeter umbautem Raum liegt er noch heute auf Platz eins der Kirchen­bauten in Deutschland. Bei seiner Vollendung 1880 war er sogar der höchste Kirchenbau der Welt.

Den Spitzenplatz musste er aber schon bald an das Ulmer Münster abgeben, heute rangiert er, was die Höhe angeht, auf Platz vier weltweit: Neben Ulm sind auch die Basilika Notre-Dame-de-la-Paix in der Elfenbeinküste und die Sagrada Família in Barcelona höher. 

Die Dorfkirche von Suurhusen: Ein schiefer Kirchturm einer kleinen Backsteinkirche
epd-bild/Jens Schulze
Die Dorfkirche in Suurhusen

Der schiefste Kirchturm

Der schiefste Kirchturm der Welt steht in einem Dorf in Ostfriesland. Mit einem Neigungswinkel von 5,19 Grad ist der Turm von Suur­husen sogar schiefer als der Schiefe Turm von Pisa. Ein rekordverdächtiger Wert, der es ins Guinnessbuch der Rekorde schaffte. Als Grund für die große Neigung wird ein Absinken des Grundwasserspiegels vermutet. Das hatte dazu geführt, dass Luft an die ihn stabilisierenden Eichenstämme kam und sie zu verrotten begannen.

Die Kirche mit der größten Kuppel

Mit 90 Metern Durchmesser verfügt die Basilika Notre-Dame-­de-la-Paix über die größte Kirchen­kuppel der Welt. Sie wurde erst 1990 erbaut und liegt in Yamoussoukro, der Hauptstadt der westafrikanischen Elfenbeinküste. Sie ähnelt im Baustil dem Petersdom im Vatikan, dem sie tatsächlich auch nachempfunden wurde. Stifter des katholischen Gotteshauses war Félix Houphouët-Boigny, der erste Präsident der Elfenbeinküste, der seine Geburtsstadt Yamoussoukro 1983 auch zur Hauptstadt gemacht hatte. Die Kirche war dabei nur eines von mehreren ambitionierten Bauvorhaben. Ein vielfach kritisiertes Prestigeobjekt, das in nur drei Jahren Bauzeit vollendet wurde.

Das Innere der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche
Unsplash/Thomas Vogel
Im Altarraum der Kaiser-Wilhelm Gedächtniskirche

Die meisten Glasbausteine einer Kirche

Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche ist ein Wahrzeichen von Berlin. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie zerstört und nicht mehr original wiederaufgebaut. Ihr Turm-Torso, im Volksmund auch als „Hohler Zahn“ bezeichnet, steht als Mahnmal auf dem Breitscheidplatz.

Neben der Ruine wurde in den Jahren 1959 bis 1963 ein moderner Neubau errichtet. Sein Merkmal sind die 20.000 in Waben eingelassenen Glasbausteine. Sie leuchten in Blau und geben dem evangelischen Kirchenbau eine besondere Atmosphäre.

Ulmer Münster
Unsplash/David Hertle
Das Ulmer Münster

Der höchste evangelische Kirchturm

Über 130 Jahre stand in Ulm der höchste Kirchturm der Welt. Seine Höhe war bei seiner Vollendung 1890 nicht zufällig gewählt worden, galt es doch, den Kölner Dom zu übertreffen. Der war zehn Jahre ­zuvor fertig geworden und maß 157,38 Meter, Ulm jedoch hatte es auf 161,53 Meter gebracht. Ein Wettlauf des 19. Jahrhunderts in der Blütezeit des Kaiserreichs und der konfessionellen Konkurrenz.

Offiziell wurde der katholisch-evangelische Höhenwettbewerb übrigens nie zugegeben, ebenso wenig wie die Vermutung, dass man den Bau in Ulm absichtlich so lange verzögert hatte, bis die Arbeiten in Köln dann auch endgültig abgeschlossen waren.

Nun ist auch Ulm von der Spitzenposition, hinter die Sagrada Família in Barcelona gerutscht, besitzt aber noch ­immer den höchsten evangelischen Kirchturm der Welt.

Das Innere der Mezquita Catedral in Cordoba: gestreifte Rundbögen und Säulen sind zu sehen.
Unsplash/Alexandra Tran
Die Mezquita-Kathedrale in Córdoba

Die größte Grundfläche einer Kirche

Die Geschichte der Mezquita-Catedral im spanischen Córdoba ist in ­jeder Hinsicht außergewöhnlich. ­Ursprünglich erbaut als Moschee im Jahre 784, wurde sie nach der Reconquista, der Rückeroberung, dann 1236 in eine christliche Kirche verwandelt.

Im 16. Jahrhundert erfolgte der Einbau eines gotischen Kirchenschiffs, das Minarett wurde durch einen Glockenturm ersetzt. Die Kathedrale verfügt mit 23.000 Quadratmeter Grundfläche über den größten Kircheninnenraum der Welt, nach anderen Berechnungen liegt der ­Petersdom vorne.

Tatsache ist jedoch, dass es weltweit keine Kirche gibt, die in dieser Dimension beides vereinigt: muslimische und christliche Kirchengeschichte. Sie wird deshalb oft auch Kathedralmoschee genannt