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Lage im Nahen Osten

Kirchenvertreter warnen vor „Spirale der Gewalt“ im Nahen Osten

Internationale Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen rufen nach den Angriffen der USA und Israels auf den Iran zur Deeskalation und Diplomatie auf. Ein christliches Hilfswerk warnt vor den Folgen der christlichen Minderheit im Nahen Osten. Von epd

Die Grafik zeigt die Länder des Nahen Ostens
Unsplash+ Community

Papst Leo XIV. ruft zum Ende der Gewalt auf

Internationale Kirchenvertreter haben nach den militärischen Angriffen der USA und Israels auf den Iran vor einer weiteren Eskalation gewarnt und zur Diplomatie aufgerufen. Papst Leo XIV. drang am Sonntag in Rom auf ein Ende der Gewalt. Stabilität und Frieden bringe man nicht mit Armeen, sagte er.

Der Papst appellierte eindringlich an die beteiligten Parteien, ihrer moralischen Verantwortung nachzukommen und die Spirale der Gewalt zu stoppen, „bevor sie in einen unüberwindlichen Abgrund mündet”. Er forderte eine Rückkehr zur Diplomatie, damit sie zum Wohl der Völker einen Frieden schaffen könne, der auf Gerechtigkeit aufbaue.

Ökumenischer Rat der Kirchen: „Gefährliche Spirale der Gewalt“

Auch der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) sprach von einer „gefährlichen Spirale der Gewalt”, die Millionen von Zivilisten unmittelbar in Gefahr bringe. „Militärische Konfrontation und eskalierende Vergeltungsmaßnahmen können keine nachhaltige Sicherheit oder Frieden bringen”, erklärte der Generalsekretär des Weltkirchenrats, Jerry Pillay. „Stattdessen vervielfachen sie das Leid und erhöhen das Risiko eines umfassenderen regionalen Flächenbrands mit unvorhersehbaren globalen Folgen.“

Was ist passiert?

Die USA und Israel hatten am Samstag, 28. Februar 2026, einen großangelegten Militärangriff aus der Luft und von der See aus auf Ziele im Iran begonnen. Iranischen Staatsmedien zufolge wurde dabei Revolutionsführer Ali Chamenei getötet. Der Iran reagierte mit Angriffen auf US-Stützpunkte in der Golf-Region und blockierte die für den Ölhandel zentrale Straße von Hormus, eine Meerenge am Persischen Golf.

EKD-Ratsvorsitzende Kirsten Fehrs: Gewaltspirale stiftet keinen Frieden

Die christlichen Kirchen in Deutschland sorgen sich um die Zivilbevölkerung der betroffenen Länder. „Als Kirche rufen wir zur Deeskalation auf, zum Schutz der Zivilbevölkerung und zu einer Rückkehr an den Verhandlungstisch”, erklärte die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, am Samstag in Hannover. Die Hamburger Bischöfin sagte weiter:

Die Gewaltspirale aus Angriff und Vergeltung stiftet keinen Frieden; sie bringt stattdessen neues, unsägliches Leid über unzählige Menschen.

sagt Kirsten Fehrs

Christliches Hilfswerk macht auf die Situation der Christen aufmerksam

Das katholische Hilfswerk „Kirche in Not” Deutschland hat nach den militärischen Angriffen vor unabsehbaren Folgen für die christliche Minderheit der Region gewarnt. Nicht nur im Iran, auch unter den Christen im Irak, Syrien, Libanon und im Heiligen Land sei die Angst hoch.

Eine weitere Eskalation könnte das Aus für die Christen im Nahen Osten bedeuten

warnt Florian Ripka, Geschäftsführer von „Kirche in Not”

Christen gehören zu den Schutzlosesten im Iran

Im Iran lebten nach wie vor einige tausend Christen, fügte Ripka hinzu: „Besonders Konvertiten waren unter dem Mullah-Regime verfolgt. Allein über die Christen im Iran zu reden, ist mitunter schon gefährlich für sie.” Zu begrüßen sei, wenn der Ruf nach Freiheit im Iran jetzt endlich auch im Leben der Menschen ankomme. Aber der Preis eines Krieges sei hoch, „zumal er auch Zivilisten trifft und viele Christen zu den schutzlosesten Gruppen im Iran zählen”.

Viele Christen wandern aus

Der militante Islamismus verursache Leid und Terror, so Ripka. Aber viele Christen fragten sich: „Wird ein Krieg nicht zu noch mehr Hass und Extremismus führen?” Im Irak, dem Nachbarland des Irans, seien christliche Dörfer gerade wieder instandgesetzt. „Die Christen würden eine erneute Zerstörung kaum verkraften”, sagte Ripka. Erneute Kriege verstärkten die Zukunftsangst

Es sind so viele Christen ins Ausland gegangen. Die kommen nicht zurück. Aber was soll mit denen werden, die geblieben sind – es sind oft arme und ältere Menschen

sagt Florian Ripka

Christen im Heiligen Land verlieren Lebensgrundlage

Auch im Heiligen Land ist die erneute Eskalation laut Ripka ein schwerer Rückschlag: „In Gaza ist die humanitäre Lage verheerend. Wenn jetzt Hilfslieferungen eingeschränkt werden sollten, kann die einzige verbleibende katholische Gemeinde nicht überleben – und Tausende Menschen in der Nachbarschaft nicht mehr versorgen.” Die Christen im Westjordanland hätten jetzt, kurz vor Ostern, auf wieder mehr Pilger und Touristen gehofft: „Diese Hoffnung ist jetzt zerstört.” Das bedeute für viele Christen: Keine Einkünfte, keine Existenzgrundlage.