EKD-Ratsvorsitzende Kirsten Fehrs: Gewaltspirale stiftet keinen Frieden
Die christlichen Kirchen in Deutschland sorgen sich um die Zivilbevölkerung der betroffenen Länder. „Als Kirche rufen wir zur Deeskalation auf, zum Schutz der Zivilbevölkerung und zu einer Rückkehr an den Verhandlungstisch”, erklärte die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, am Samstag in Hannover. Die Hamburger Bischöfin sagte weiter:
Die Gewaltspirale aus Angriff und Vergeltung stiftet keinen Frieden; sie bringt stattdessen neues, unsägliches Leid über unzählige Menschen.
sagt Kirsten Fehrs
Christliches Hilfswerk macht auf die Situation der Christen aufmerksam
Das katholische Hilfswerk „Kirche in Not” Deutschland hat nach den militärischen Angriffen vor unabsehbaren Folgen für die christliche Minderheit der Region gewarnt. Nicht nur im Iran, auch unter den Christen im Irak, Syrien, Libanon und im Heiligen Land sei die Angst hoch.
Eine weitere Eskalation könnte das Aus für die Christen im Nahen Osten bedeuten
warnt Florian Ripka, Geschäftsführer von „Kirche in Not”
Christen gehören zu den Schutzlosesten im Iran
Im Iran lebten nach wie vor einige tausend Christen, fügte Ripka hinzu: „Besonders Konvertiten waren unter dem Mullah-Regime verfolgt. Allein über die Christen im Iran zu reden, ist mitunter schon gefährlich für sie.” Zu begrüßen sei, wenn der Ruf nach Freiheit im Iran jetzt endlich auch im Leben der Menschen ankomme. Aber der Preis eines Krieges sei hoch, „zumal er auch Zivilisten trifft und viele Christen zu den schutzlosesten Gruppen im Iran zählen”.
Viele Christen wandern aus
Der militante Islamismus verursache Leid und Terror, so Ripka. Aber viele Christen fragten sich: „Wird ein Krieg nicht zu noch mehr Hass und Extremismus führen?” Im Irak, dem Nachbarland des Irans, seien christliche Dörfer gerade wieder instandgesetzt. „Die Christen würden eine erneute Zerstörung kaum verkraften”, sagte Ripka. Erneute Kriege verstärkten die Zukunftsangst
Es sind so viele Christen ins Ausland gegangen. Die kommen nicht zurück. Aber was soll mit denen werden, die geblieben sind – es sind oft arme und ältere Menschen
sagt Florian Ripka
Christen im Heiligen Land verlieren Lebensgrundlage
Auch im Heiligen Land ist die erneute Eskalation laut Ripka ein schwerer Rückschlag: „In Gaza ist die humanitäre Lage verheerend. Wenn jetzt Hilfslieferungen eingeschränkt werden sollten, kann die einzige verbleibende katholische Gemeinde nicht überleben – und Tausende Menschen in der Nachbarschaft nicht mehr versorgen.” Die Christen im Westjordanland hätten jetzt, kurz vor Ostern, auf wieder mehr Pilger und Touristen gehofft: „Diese Hoffnung ist jetzt zerstört.” Das bedeute für viele Christen: Keine Einkünfte, keine Existenzgrundlage.