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Terroranschlag CSD Berlin

Kirche und Politik: Klare Worte gegen Hass, Extremismus und Menschenfeindlichkeit

Der Christopher Street Day in Berlin ist in der Nacht vom 25. auf den 26. Juli von einem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag erschüttert worden. Spitzenvertreter aus Kirche und Politik drückten ihre Anteilnahme mit den Opfern aus und kündigten eine entschiedene Reaktion des Staates an. Von epd

Beamte der Tatortforschung und Tatordokumentation der Polizei untersuchen den Tatort des gestrigen Anschlags auf den CSD im Berliner Tiergarten. Ein großes Polizeiauto steht hinter einer Absperrung mit rot-weißem Absperrband
epd-bild/Rolf Zöllner

Kirchliche Solidarität mit queeren Menschen nach dem Anschlag

Der württembergische evangelische Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl ermutigt in einer Erklärung zum Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day (CSD) queere Menschen, sich nicht zurückzuziehen. Es sei nicht hinnehmbar, „dass Menschen Angst haben müssen, weil sie sind, wer sie sind“. Weiter sagt Gohl: „Menschenfeindlichkeit, Extremismus und Hass dürfen nicht die Oberhand gewinnen – nicht in unseren Köpfen und nicht auf unseren Straßen.

Der Anschlag auf den CSD in Berlin erschüttert mich und macht mich wütend. Mein Mitgefühl gilt allen Betroffenen und besonders den queeren Menschen, die sich durch diese islamistisch motivierte Tat bedroht und verunsichert fühlen.

sagte Ernst-Wilhelm Gohl

Seine Gedanken seien auch bei den queeren Christinnen und Christen in Württemberg und ihren Angehörigen. Er ermutigte diese mit dem Satz: „Ihr müsst euch nicht verstecken. Ihr seid Teil der Kirche. Wir stehen zusammen.” Der Anschlag richte sich gegen alle Menschen, die sichtbar und frei leben wollen – und damit gegen die Werte des christlichen Glaubens und „die Werte unserer offenen, freiheitlichen Gesellschaft”. Die durch Jesus berufene Freiheit zu schützen und ihr Geltung zu verschaffen, sei gemeinsamer Auftrag von Kirche und Gesellschaft, so Gohl. „Als Christen stehen wir mutig füreinander ein.”

Dass Menschen Angst haben müssen, weil sie sind, wer sie sind, nehmen wir niemals hin. Menschenfeindlichkeit, Extremismus und Hass dürfen nicht die Oberhand gewinnen – nicht in unseren Köpfen und nicht auf unseren Straßen.

sagte Ernst-Wilhelm Gohl

 Im Berliner Tiergarten liegen an einem Baum Blumen und Beileidsbekundungen an einem der Tatorte im Berliner Tiergarten.
epd-bild/Christian Ditsch
Große Anteilnahme: Im Berliner Tiergarten liegen zwei Tage nach dem Anschlag Blumen und Beileidsbekundungen an einem der Tatorte.

Was ist am 25.7. auf dem CSD passiert?

Bei dem Anschlag in der Nacht zum Sonntag war ein Kastenwagen in eine Menschenmenge im Berliner Tiergarten am Rande des Christopher Street Days (CSD) gefahren. Der Attentäter ging anschließend mit einer Stichwaffe auf weitere Passanten los. Eine Frau starb und fast 30 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Die Sicherheitsbehörden gehen laut Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) von einem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag aus. Der mutmaßliche Täter wurde am Sonntag bei einem Polizeieinsatz in einer Kleingartenanlage in Berlin-Spandau tödlich verletzt.

Trauerandacht in der Marienkirche: Politik und Kirche vereint im Gedenken

Noch am Sonntag wurde im Umfeld des Berliner Christopher Street Days mit einer Andacht der Opfer und ihrer Angehörigen gedacht. An der Feier in der evangelischen Marienkirche nahmen am Sonntagnachmittag auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und weitere Mitglieder der Bundesregierung teil, darunter Bildungsministerin Karin Prien (CDU) und Justizministerin Stefanie Hubig (SPD).

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte, solche Taten hätten nur einen Zweck, nämlich die Gesellschaft zu spalten und ihr Offenheit und Freiheit zu nehmen. „Lassen Sie sich, lassen wir uns nicht einschüchtern”, sagte Merz vor einer Trauerandacht in der evangelischen Marienkirche am Alexanderplatz. Dort waren am Sonntagnachmittag mehrere Hundert Menschen zusammengekommen, um der Opfer und ihrer Angehörigen zu gedenken.

Über Konsequenzen werde mit Entschlossenheit und Besonnenheit entschieden, sagte der Bundeskanzler. Er betonte: „Wir sind mehr, wir sind stärker und wir halten in unserem Land zusammen.”

Was ist über den mutmaßlichen Täter bekannt?

Laut Bundesinnenminister Dobrindt war der mutmaßliche 21-jährige Täter in der Vergangenheit durch ein hohes Maß an Straftaten, durch Radikalisierung und die Zugehörigkeit zur islamistischen Szene aufgefallen. Gegen ihn lagen Verurteilungen wegen Körperverletzung und räuberischer Erpressung sowie wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vor. Zuletzt gab es demnach Anfang Juli bei ihm Durchsuchungsmaßnahmen wegen des Anfangsverdachts auf Verstoß gegen das Waffengesetz. Laut Dobrindt ist der Tatverdächtige deutscher Staatsbürger mit libanesischem Hintergrund.

Imamin: Missbrauch des Glaubens für Hass

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und weitere Landespolitiker, Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel und die muslimische Imamin Seyran Ates waren zu dem Gottesdienst gekommen. Ates betonte, wer im Namen Gottes Hass auf Menschen predige, weil sie lieben, missbrauche den Glauben. Der Anschlag habe nicht nur einzelnen Menschen gegolten, sondern auch der Freiheit, der Liebe und der Demokratie.

Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesiche Oberlausitz, Christian Stäblein sagte, queeres Leben und Lieben wohne „im Herzen dieser Stadt”. Dies ließen sich die Menschen in Berlin nicht nehmen. „Das Herz dieser Stadt ist Freiheit, ist Vielfalt, ist Achtung”, sagte er. Was immer der Täter habe erreichen wollen, „er wird es nicht erreichen”. Gewalt im Namen der Religion auszuüben, sei Gotteslästerung, betonte der Bischof.

Queere kirchliche Arbeitsgruppe: Hass nicht das letzte Wort überlassen

Die Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche e.V. drückte in einer Mitteilung zum Anschlag auf den CSD Berlin Fassungslosigkeit und Mitgefühl mit den Angehörigen und Betroffenen aus.

Als christliche und queere Organisation stehen wir an der Seite aller Menschen, die sich für Vielfalt, Menschenwürde und ein friedliches Miteinander einsetzen. Ein Angriff auf den CSD ist ein Angriff auf das Recht, sichtbar zu sein, frei zu leben und ohne Angst zusammenzukommen.

schrieb die Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche e.V.

Das diesjährige Motto des CSD Berlin – „Haltung ist hot“ – erhielte angesichts dieser Gewalttat eine noch tiefere Bedeutung. „Haltung heißt Solidarität zu leben und Hass nicht das letzte Wort zu überlassen”, schrieb die Arbeitsgruppe. 

Unser Glaube erinnert uns daran, dass jeder Mensch nach Gottes Ebenbild geschaffen ist und unveräußerliche Würde besitzt. Diese Würde kann niemand durch Hass oder Gewalt nehmen.

schrieb die Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche e.V.

Wann gilt die Jugendstrafe?

Bei Verurteilungen Jugendlicher zwischen 14 und 18 Jahren werde laut Justizsenatorin Felor Badenberg ausschließlich das Jugendstrafrecht angewendet. Zwischen 18 und 21 Jahren entscheide das Gericht, ob das Erwachsenen- oder das Jugendstrafrecht zugrunde gelegt wird. Die Unionsparteien forderten schon länger eine wissenschaftliche Studie, ob diese Maßstäbe noch dem heutigen Stand der Entwicklungsforschung entsprechen.

Debatte um Jugendstrafrecht: Justizsenatorin fordert härtere Konsequenzen

Die Berliner Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) stellt die geltenden Regelungen im Jugendstrafrecht infrage. In einer Reaktion auf den mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin sagte Badenberg am Montag im ARD-„Morgenmagazin”, der mutmaßliche 21 Jahre alte Täter sei vor dem Anschlag bereits zweimal nach Jugendstrafrecht verurteilt worden, unter anderem im Februar 2022 wegen Körperverletzung und räuberischer Erpressung. Es sei zu prüfen, ob die dafür zugrundeliegenden gesetzlichen Maßstäbe noch zeitgemäß seien. Badenberg forderte in Fällen wie diesem härtere Strafen für die Täter. Das wäre möglich, wenn das Erwachsenenstrafrecht angewendet würde.

Nach diesem Anschlag ziehe ich die Konsequenz, dass genau in solchen Fällen in der Tat die Täter härter zu bestrafen sind.

sagte Felor Badenberg