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Kirchen im Wandel

Kretschmann: Kirchen müssen neu missionieren und sich reformieren

Gesellschaftlicher Umbruch bedeutet für den Katholiken und Ex-Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann: Die Kirchen müssen wieder missionieren lernen. Reformen erwartet er vom Vatikan. Von epd

Das Foto zeigt ein Portraitfoto von Winfried Kretschmann. Er hat weiße Haare, trägt eine Brille, weißes Hemd, grüne Krawatte und ein schwarzes Jackett
epd-bild/Gerhard Baeuerle
Winfried Kretschmann war von Mai 2011 bis Mai 2026 Ministerpräsident von Baden-Württemberg.

Warum Kirche Mission neu gelernt soll

Baden-Württembergs ehemaliger Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sieht die Kirchen im Land in einer gesellschaftlichen Umbruchsituation, in der sie neue Ideen und Ansätze brauchen. Die Kirchen müssten „wieder ganz neu missionieren lernen”, sagte der Politiker dem Magazin „evangelische aspekte”. Religion sei für die Menschen heute nur noch eine Option – sie kämen „nicht mehr selbstverständlich mit der Kirche in Berührung”, betonte er.

Kretschmanns Vatikan-Kritik: Kirchliches Auftreten wie höfisches Gebaren

Von der römisch-katholischen Kirche, der Kretschmann angehört, verlangt er eine andauernde Reformbereitschaft. Eine irdische Kirche könne „nie vollendet sein”, sondern sei immer auf dem Weg, den Glauben in die jeweilige Zeit hinein zu bezeugen. Für ihn sei fraglich, ob manches Auftreten wie etwa im Vatikan nicht eher an höfisches Gebaren erinnere als an eine weltoffene Kirche auf der Höhe der Zeit.

Man darf Hierarchie nicht mit Monarchie verwechseln.

sagt Winfried Kretschmann

Gottesbezug im Saarland und Warnung vor Hypermoralisierung

Der Grünen-Politiker lobte, dass das Saarland im April den Gottesbezug in seine Verfassung aufgenommen hat. „Er erinnert eben daran, dass der Staat von Voraussetzungen lebt, die er selbst nicht garantieren kann.”

Kretschmann wirbt in dem Interview zudem für die Freiheit der Wissenschaft, auch in der Theologie, warnt aber gleichzeitig vor einer „Hypermoralisierung” der akademischen Welt. „Mit der vermeintlichen Gewissheit einer höheren Moral werden Differenzen negiert, Rückfragen ausgeschlossen, Diskurse unterbunden”, kritisierte er.